Von Andrea Hilscher

Zuerst war es nur eine vorsichtige Idee: Weil die Stadtteilfeste des Schmellwitzer Bürgervereins immer weniger Besucher anzogen, wollten sich die Organisatoren etwas Neues überlegen. Ein Open-Air-Kino, vielleicht mit großen Klassikern wie „Paul und Paula“? Vor zwei Jahren haben Michael Tietz und seine Mitstreiter angefangen, über diese Idee nachzudenken und die Möglichkeiten der Realisierung abzuklopfen. Und siehe da: Im August zeigen sie jetzt tatsächlich drei Abende lang Kinofilme unter freiem Himmel.

Paul und Paula ist es zwar nicht geworden, dennoch ist Michael Tietz stolz auf das Programm.  „In diesem Jahr feiern wir 30 Jahre Wende“, sagt der Schmellwitzer. „Da liegt es nahe, dass wir uns diesem Thema widmen.“ Zunächst steht also eine Komödie aus dem Jahr 2017 auf dem Programm: In „Kundschafter des Friedens“ muss Henry Hübchen nach dem Mauerfall alte Rechnungen begleichen. „Kleinruppin forever“ erzählt die Geschichte der 19-jährigen Zwillinge Tim Winter und Ronnie Panzer, die nach dem Unfalltod ihrer Eltern 1967 noch im Säuglingsalter getrennt und adoptiert wurden.

Mit „Sonnenallee“ kommt dann ein Klassiker des Ost-West-Genres auf die Leinwand, der in diesem Jahr 20. Geburtstag feiert. Mit Alexander Scheer bieten die Schmellwitzer zudem einen Hauptdarsteller auf, der in diesem Jahr für seine Rolle als Gundermann mit dem deutschen Filmpreis, der Lola, ausgezeichnet wurde.

Kooperation mit dem Filmfest

„Zwischendurch haben wir immer wieder gezweifelt, ob wir unser Filmprojekt tatsächlich stemmen können“, sagt Michael Tietz. „Schließlich hat keiner von uns Ahnung von Filmverleih und Bildrechten.“ Deshalb habe er sich rechtzeitig an das Leitungsteam des Cottbuser Filmfestivals gewandt – und wurde mit offenen Armen empfangen.

„Wir sollten einfach nur für das Finanzielle sorgen, über Filmrechte und Ähnliches wollte sich Festival-Chef Andreas Stein kümmern. Das hat uns unglaublich geholfen“, sagt Michael Tietz, der schon allein mit der Organisation und der Finanzierung des Projektes alle Hände voll zu tun hat. Das Land unterstützt das Stadtteilprojekt, es gibt Gelder aus dem Fond „Soziale Stadt“ und zahlreiche Sponsoren.

Gezeigt werden die Filme auf einer 6,30 Meter mal 3,63 Meter großen Leinwand. „Klingt toll, ist auch so“, sagt der Bürgervereinschef. Dass man für eine derart große Leinwand allerdings zweimal tausend Liter Wasser zur Stabilisierung und zum Beschweren vorhalten muss, das hat auch er erst lernen müssen. „Zum Glück unterstützt uns die Feuerwehr dabei, sonst hätte ich auch nicht gewusst, wie wir das stemmen sollen.“

Kino für mehr Zusammenhalt

Der Bürgerverein will mit dem Projekt den Zusammenhalt im Stadtteil stärken. „Es ist einfach toll, wenn man auch mal so etwas Schönes vor der eigenen Haustür hat und nicht immer woanders hinfahren muss.“ Außerdem soll das Quartier gerne auch mit positiven Schlagzeilen glänzen. „Kino unter freiem Himmel gibt es in Cottbus selten, deshalb hoffen wir auf viele Zuschauer aus anderen Stadtteilen und natürlich auch von außerhalb“, sagt Michael Tietz.