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| 15:21 Uhr

Tag des offenen Ateliers
„Ich liebe die Gedichte und Collagen“

 Die Künstlerin Petra Just erklärt eine Seidenmalerei. Sie freute sich über viele Besucher in ihrem Wohnatelier in Groß Gaglow im Rahmen des Tages des offenen Ateliers.
Die Künstlerin Petra Just erklärt eine Seidenmalerei. Sie freute sich über viele Besucher in ihrem Wohnatelier in Groß Gaglow im Rahmen des Tages des offenen Ateliers. FOTO: Marion Hirche
Cottbus/Peitz. Zahlreiche Künstler aus Cottbus und Umgebung boten zum „Tag des offenen Ateliers“ Einblick in ihre Werke. Von Marion Hirche

Ateliers, Galerien und Werkstätten im ganzen Land Brandenburg hatten am Wochenende ihre Türen zum „Tag des offenen Atelier“ geöffnet – darunter auch an 18 Orten in Cottbus und Umland.

Eine der Künstlerinnen war Petra Just. Sie hatte in ihr Wohnatelier in Groß Gaglow eingeladen. Besucher gaben sich im Kellerstudio ihres Hauses die Klinke in die Hand, bestaunten hier die vielfältigen Arbeiten der  67-jährigen: Collagen, illustrierte Gedichte, Figuren für eine Unruhe, Seidenmalereien, Skulpturen, gestaltete Verpackungen, Bücher.

„Ich liebe die Gedichte und Collagen von Petra Just, deshalb bin ich heute hier“, begründete Editha Klotsche aus Cottbus ihr Kommen. Künstlerkollege Werner Brummack hatte gerade schon die Ateliers von Horst Ring und Cornelia Werner im Cottbuser Süden besucht.  Nun machte der Kiekebuscher bei Petra Just Station: „Wir kennen uns von gemeinsamen Projekten“.

Vor allem die Nachbarn waren neugierig auf die Arbeiten ihrer „Künstlerin“. „Frau Just macht für unser Dorf immer einen Kalender und deshalb sind wir heute hier. Sie hat auch über den Zaun immer einen guten Rat“, berichteten das Ehepaar  Eva und Konrad Harbig. Wer fragte, konnte auch vom Werdegang der vielseitigen Kunstschaffenden erfahren: „Ich war Schauwerbegestalter im Konsument-Warenhaus. Anfang der Neunziger musste ich einen Schicksalsschlag verarbeiten und so habe ich angefangen Gedichte zu schreiben. Das hatte ich einfach im Blut“. 

Zu den Glücksumständen für Petra Just gehörte wohl auch die Bekanntschaft mit Meinhard Bärmich. Der Grafiker, Karikaturist und Illustrator aus Drachhausen meinte zu Petra Just: „Was hast du dein Zeug immer im Schubfach zu liegen? Gibt es mir und ich illustriere es.“ So entstanden zwei Bücher. Petra Just lernte dabei viel, hat inzwischen ihr erstes eigenes Buch veröffentlicht. Ihre Ideen findet sie in der Natur und sie sagt: „Es ist schwerer, wenn man erst ein Bild hat und dann darauf einen Text macht.“

Meinhard Bärmich hatte am Wochenende zusammen mit seiner Lebensgefährtin Brigitte Duhra übrigens auch neugierige Einblicke in sein Atelier gestattet.

Reger Betrieb herrschte ebenfalls im Bilderstall von Gastgeberin Barbara Kraußer in Neuendorf. Da schauten die Autoren der Neuendorfer Dorfchronik, die Ende letzten Jahres erschienen ist, ebenso vorbei wie neugierige Kunstliebhaber. „Ich stelle heute meine Lederarbeiten vor“, sagte Barbara Kraußer. Lederreste, die noch so einfach herumlagen, hat sie zum Bearbeitungsgegenstand gewählt. An ihrer  alten Singer-Nähmaschine zeigte sie, wie an diesem robusten Gerät aus Flicken Dinge wie Lederplatzdeckchen, Taschen, Untersetzer und Kissen entstehen.

Gritta Kuhlmann aus Peitz interessierte sich sehr dafür und fand dann auch etwas, was sie mit nach Hause nehmen kann: „Ich liebe diese Ledergeldbeutel. Ich sammle Zwei-Euro-Münzen und das ist genau der richtige Aufbewahrungsort dafür. Dann kann man den Beutel genau wie im Märchen mal verschenken. Ich denke dabei an meine Kinder.“ Sie kaufte gleich drei dieser besonderen Geldbörsen. Derweil fachsimpelten ihr Mann Dietmar mit dem Gastgeber Dietmar Kraußer über die Dorfchronik, an der sie beide mitgearbeitet haben.

Kathrin Hundsdörfer aus Guben war auf Entdeckungstour im Amt Peitz: „Ich kenne die Peitzer noch nicht, deshalb will ich dann noch zu Karin Hein hier in der Nachbarschaft und in die Töpferwerkstatt von Jürgen Francke in Peitz.“ Von Dietmar Kraußer ließ sich die  Gubenerin zunächst aber erklären, wie Hinterglasmalerei funktioniert. Das Atelier des Neuendorfer Künstlerehepaares beherbergt zahlreiche in dieser Technik gefertigte Werke.

Neugierige Blicke gab es auch für die Öl- und Acrylbilder, die Aquarelle, die Kohlezeichnungen oder die bemalten Keramikglöckchen in dem Raum, der 2005 von den Kraußers vom einstigen Kuh- und Schweinestall in den Bilderstall umgebaut wurde. „Hier kann man immer was Neues erleben“, waren sich die Besucher einig. Nach diesem Wochenende ist Dietmar Kraußer voll auf die Vorbereitungen für ein deutsch-polnisches Malerplenair vom 16. bis 19. Mai in Neuendorf konzentriert.