(wr) Die Wohngemeinschaft in der Karlstraße 29 in Cottbus hat nach eigener Aussage bereits vier Kündigungen erhalten. Trotzdem setzen sich die 13 Bewohner dafür ein, an dieser Adresse zu bleiben. Im einzigartigen Wohnprojekt, gegründet im Jahr 1992, lebten seit der Gründung Studierende, Auszubildende und junge Leute, die ins Berufsleben einsteigen. Als Verein organisierten sie in den vergangenen Jahren das beliebte Karlstraßenfest.

Zwar wollten die aktuellen Bewohner die Immobilie gemeinsam kaufen. Sie befürchteten, nach einem Eigentümerwechsel und einer geplanten Sanierung die Miete nicht mehr zahlen zu können. Doch mit dieser Idee hatten sie keinen Erfolg.

Nun plant die Wohngemeinschaft gemeinsam mit der Kirchengemeinde am Bonnaskenplatz ein Nachbarschaftstreffen, das am Sonntag, 3. November, stattfinden soll. Dort wollen sie die Besucher über ihre aktuelle Lage informieren. Darüber hinaus sammeln sie Spenden, um für einen möglichen Rechtsstreit gewappnet zu sein.

Solidarität vieler Cottbuser mit Wohnprojekt

Als die Wohngemeinschaft ihre Kündigung erhielt, stellten sich viele Cottbuser auf ihre Seite. Die Mehrheit der Stadtverordneten sprach sich im Juni dafür aus, dass die Mitarbeiter des Rathauses zwischen dem Verein und dem Eigentümer vermitteln sollen. Die benacbbarte Kirchengemeinde bekundete ebenso ihre Solidarität wie das Team der Freiluftkneipe Prima Wetter am Bahnhof. Bei einem Besuch in der Karlstraße 29 sagte die Vorsitzende des Mieterbundes, Kerstin Kircheis, über das drohende Ende der Wohngemeinschaft: „Es wäre schade, wenn das passiert, weil es sich um einen ganz besonderen Ort handelt, den es so nicht noch mal in Cottbus gibt.“ Viele Projekte dieser Art seien in der Stadt aufgrund von Modernisierungen nach und nach verschwunden.