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| 16:21 Uhr

Anti-Flüchtlingsdemo von "Zukunft Heimat"
Kubitschek erklärt in Cottbus Zivilgesellschaft zum „Gegner“

Kundgebung und Demonstration des Vereins „Zukunft Heimat“am Samstag auf dem Cottbuser Altmarkt.
Kundgebung und Demonstration des Vereins „Zukunft Heimat“am Samstag auf dem Cottbuser Altmarkt. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Überregional prominente Redner treten bei der Kundgebung des Golßener Vereins Zukunft Heimat in Cottbus auf. Rund 2500 Teilnehmer laut RUNDSCHAU und anderen Beobachtern, Veranstalter sprechen von 5000. Von Andrea Hilscher und Simone Wendler

Zu einer erneuten Kundgebung des Golßener Vereins „Zukunft Heimat“ gegen die Flüchtlingsaufnahme kamen am Samstagnachmittag auf dem Cottbuser Altmarkt nach Schätzungen der Rundschau und anderer Beobachter 2000 bis 2500 Menschen zusammen. Die Veranstalter bezifferten die Teilnehmerzahl doppelt so hoch. Zwischen Reden, die auf dem Cottbuser Altmarkt gehalten wurden, zogen die Demonstranten durch die Innenstadt.

Wie bei der Veranstaltung des Vereins vor drei Wochen in Cottbus stammten nach Einschätzung der Rundschau etwa fünf bis zehn Prozent der Teilnehmer aus dem rechtrsradikalen Milieu. Darunter waren NPD-Mitglieder und Anhänger der vom Verfassungsschutz beobachteten „Identitären Bewegung“. Deren Slogan „Heimat, Freiheit Tradition, Multi-Kulti Endstation“ wurde auf dem Marsch durch die Innenstadt mehrfach skandiert. Neben Rufen wie „Wir sind das Volk“ erklang immer wieder der Ruf „Widerstand“ und die lange bei NPD-Aufmärschen gebräuchliche Parole „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“.

Ein nicht unwesentlicher Teil der Demonstrationsteilnehmer kam aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin. Unter den Cottbusern auf dem Platz äußerten einige, dass sie vor den Flüchtlingen Angst haben und keine andere Möglichkeit hätten, das zu äußern. Andere begründeten ihre Teilnahme damit, dass es Bestrebungen gebe „die deutsche Rasse“ auszulöschen.Die von „Zukunft Heimat“ seit Mai 2017 in Cottbus initiierten Aktionen hatten im Januar ihre Teilnehmerzahlen drastisch erhöhen können, nachdem es zu zwei gewalttätigen Zwischenfällen gekommen war, an denen syrische Jugendliche beteiligt waren.

Neben Christoph Berndt, einem der beiden Chefs von „Zukunft Heimat“ traten am Samstag überregional bekannte Redner auf. Götz Kubitschek, Verleger und Aktivist der Neuen Rechten, sagte, die AfD sei die einzige Opposition im Bundestag. Er erklärte, die Verantwortlichen dafür, „was uns und unserem Land angetan wurde“ seien die politische Klasse und die Zivilgesellschaft. „Sie sind der Gegner“, erklärte er unter „Volksverräter“-Rufen der Versammelten. Kubitschek gilt als Unterstützer der „Identitären Bewegung“ und trat als Redner bei Pegida in Dresden auf.

Ans Mikrofon trat in Cottbus auch der parlamentarische Geschäftsführer der AfD im Bundestag Hansjörg Müller. Der in Treuchtlingen in Franken geborene AfD-Funktionär rief den Versammelten zu: „Wir müssen es wieder so machen wie 1989 und das Schicksal in die eigenen Hände nehmen“. Er bezeichnete die „Bürgerbewegungen“ wie Zukunft Heimat als perfekte Ergänzung der parlamentarischen Arbeit der AfD und plädierte für eine enge Zusammenarbeit. In der Partei wird gerade über die Vernetzung mit Pegida in Dresden diskutiert. Bisher gibt es einen Beschluss der Partei, der das ablehnt. Müller war kürzlich dadurch bekannt geworden, dass er bei der Holocaust-Gedenkstunde im deutschen Bundestag als Einziger nach der Rede der KZ-Überlebenden Anita Lasker-Wallfisch nicht applaudierte.

Demo „Zukunft Heimat“ FOTO: dpa

Als einzige Cottbuser Rednerin trat eine Mutter von zwei Kindern auf. Eines ihrer Kinder geht nach ihren Angaben in die Schule, in der auch einer der mutmaßlich an den Gewalttätigkeiten beteiligten syrischen Jugendlichen lernt. Sie erklärte, die Kinder seinen in der Schule verbalen und tätlichen Angriffen durch Flüchtlinge ausgesetzt und deshalb nicht mehr sicher. Sie attackiert öffentlich den Schulleiter, er solle endlich mit offenen Augen durch seine Schule gehen. In der Rundschau hatte der Schulleiter kürzlich alle Eltern mit Problemen aufgefordert, sich sofort an ihn zu wenden.