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| 14:05 Uhr

Andere Städte sind weiter
Kritik an Cottbuser Verkehrsplan

Cottbus. Pro Tram und der ökologische Verkehrsclub VCD fordern den konsequenten Vorrang für den Nahverkehr und ein klares Bekenntnis zum Rad. Von Peggy Kompalla

Der Cottbuser Bahnhof wird derzeit zu einem modernen Verkehrsknoten umgebaut. In das Projekt fließen Millionen. Doch das größte verkehrspolitische Bauprojekt der Lausitz reicht nicht aus, um die Verkehrswende in Cottbus voranzubringen. Das kritisieren der ökologische Verkehrsclub VCD Brandenburg und Pro Tram. Das Auto stehe immer noch zu sehr im Fokus. Schuld daran trage nicht die Stadt allein, sondern auch die Politik.

Andere Städte seien längst weiter, stellten Weichen für autofreie Innenstädte, planten den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und wollten den Radfahrer-Anteil erhöhen. In Cottbus fehle dagegen das deutliche Engagement für Fahrrad, Bus und Straßenbahn. Das erklärt Dieter Schuster, Sprecher von Pro Tram und Vorstandsmitglied im VCD Brandenburg.

Zwar bekomme Cottbus demnächst neue Straßenbahnen, und auch der neue Verkehrsknoten am Bahnhof geht in Betrieb. „Aber die Freude darüber wird nicht lang anhalten“, prophezeit Schuster. Der Grund: Der fehlende Vorrang für Straßenbahn und Bus an den Ampeln. „Damit ist die Straßenbahn keine Konkurrenz zum Auto“, sagt Schuster. Er legt eine Rechnung vor: Demnach ist die Linie 2 zwischen Sachsendorf und Sandow insgesamt 23 Minuten unterwegs. „Die Bahn steht aber bis zu elf Minuten an den Kreuzungen“, kritisiert Schuster. „Wenn sie überall wirklich Vorrang hätte, dann würde die Bahn die Strecke sogar in 15 Minuten schaffen.“ Bei einem entsprechend angepassten Fahrzeugeinsatz wäre sogar ein Zehn-Minuten-Takt möglich. „Das bedeutet auch mehr Fahrgäste.“ Die Vorrangschaltung für Straßenbahn und Bus sei in allen Ampeln eingebaut. Sie müsse nur aktiviert werden, betont Dieter Schuster. „Aber dafür bedarf es einer politischen Entscheidung.“

Auch in punkto Radverkehr habe Cottbus weiter Nachholbedarf. So sei zwar bei der Sanierung der Bahnhofstraße und der Straße der Jugend auch an die Radfahrer gedacht worden, aber es fehlten weitere Sanierungen und Neubauten von Fahrradwegen. „Dabei hätte insbesondere beim Bau der Flaniermeile in der Stadtpromenade auch ein Radweg mitgedacht werden müssen“, sagt Dieter Schuster. Er plädiert dafür, dass einer der beiden Wege durch die Stadtpromenade als reiner Radweg deklariert wird. Auch der Cottbuser ADFC kritisiert die fehlende Trennung zwischen Rad- und Fußverkehr in dem Bereich.

Eine weitere Forderung sei mit dem Umbau des Bahnhofs verpasst worden, so Schuster. Anders als Cottbus habe Oranienburg erst kürzlich ein zweigeschossiges Fahrradparkhaus am Bahnhof eingeweiht. Damit wurden 1056 Stellplätze für Räder geschaffen. Cottbus wird nach dem Umbau des Bahnhofs nur über einen Bruchteil davon verfügen. Vor dem Bahnhofsgebäude sollen 260 Fahrradständer entstehen und im Norden am neuen Tunnelausgang nochmals 100. „Dabei hat auch Cottbus viele Pendler, die das Fahrrad nutzen könnten, wenn sie einen sicheren Abstellplatz hätten.“