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Cottbus
Kriminalpolizei klärt Raubserie auf

In der Spremberger Vorstadt hatten die Täter mehrfach zugeschlagen.
In der Spremberger Vorstadt hatten die Täter mehrfach zugeschlagen. FOTO: Frank Hilbert
Cottbus. Zweiter Tatverdächtiger für drei Überfälle sitzt seit Montag in Untersuchungshaft. Minutiöse Arbeit führt das Cottbuser Ermittlerteam nach fast vier Monaten zu dem 21-jährigen Cottbuser. Von Peggy Kompalla

Die Raubüberfälle des maskierten Duos sorgten im Oktober vergangenen Jahres für Schlagzeilen. Zwei Männer hatten zunächst einen Asia-Imbiss überfallen, zwei Tage später eine Gruppe Jugendlicher und zwei Pizzaboten. Während die Kriminalpolizei einen Tatverdächtigen wenige Tage nach den Überfällen dingfest machen konnte, führten erst minutiöse Ermittlungen zu seinem mutmaßlichen Komplizen. Nun sitzen beide Cottbuser in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft bereitet die Anklage vor.

Lothar Berger leitet das Kommissariat Raub/Gewalt/Bande der Polizeidirektion Süd in Cottbus. Sein Ermittlerteam war fast vier Monate mit dem Fall beschäftigt. Rund 20 Zeugen haben die Beamten vernommen bis zum entscheidenden Hinweis. Am Montag wurde der zweite mutmaßliche Täter festgenommen.

Berger erinnert sich noch gut an den Beginn der Ermittlungen im Oktober 2017. „Über eine Bildvorlage und einen Zeugen sind wir auf den ersten Tatverdächtigen gekommen“, sagt er. Dabei handelt es sich um einen 25-jährigen Cottbuser, der der Polizei bestens bekannt ist. Zu den Straftaten, die dem Mann zugeschrieben werden, gehörten demnach unter anderem Körperverletzung und Drogenbesitz. „Die Vermutung lag nahe, dass der zweite Täter aus dem persönlichen Umfeld stammt.“ Der Bekanntenkreis des 25-Jährigen sei sehr groß, weshalb die Ermittlungen ausgeweitet werden mussten. „Über Persönlichkeitsmerkmale konnten wir den Personenkreis einengen und kamen schließlich auf den zweiten Tatverdächtigen“, erklärt Lothar Berger. Das war bereits Ende vergangenen Jahres. Bei einer Wohnungsdurchsuchung fanden sich zwar Hinweise auf Diebstähle, Einbrüche und Drogen, aber eben keine Beweise für die Raub-
überfälle. Deshalb durfte der Mann weiter auf freiem Fuß bleiben.

Eigentlich hätte der Fall an diesem Punkt abgeschlossen werden können. „Aber das hat uns keine Ruhe gelassen“, sagt der Kriminalbeamte. „Deshalb haben wir weiter im Umfeld des Mannes ermittelt.“ Schließlich führten die Zeugenvernehmungen zu einem Bekannten des Tatverdächtigen. „Von ihm haben wir erfahren, dass der Tatverdächtige bei ihm genächtigt hatte.“ Bei einer Durchsuchung der Wohnung des Bekannten wurden die Kriminalbeamten schließlich fündig. „Dort haben wir die Tasche der Pizzaboten und das Portemonnaie gefunden“, erklärt Lothar Berger. Der Bekannte selbst konnte glaubhafte Alibis für die Tatzeiten vorbringen. Damit bestand gegen den 21-jährigen Cottbuser nun ein dringender Tatverdacht. Der Richter am Cottbuser Amtsgericht folgte der Auffassung der Ermittler und schrieb einen Haftbefehl. Seit Montag sitzt nun auch der zweite mutmaßliche Räuber in Untersuchungshaft.

Die drei Raubüberfälle in der Spremberger Vorstadt ereigneten sich innerhalb weniger Tage. Zwei maskierte Männer überfielen zuerst einen Asia-Imbiss an der Straße der Jugend. Dabei bedrohten sie den Betreiber und einen 18-jährigen Gast. Während einer der beiden Räuber dem Imbiss-Chef eine Pfefferspraydose vors Gesicht hielt, um ihn zur Herausgabe des Bargelds zu zwingen, hielt der andere dem Gast im Imbiss einen pistolenähnlichen Gegenstand an den Kopf. Die Beute: Bargeld und Handy.

Zwei Tage später schlugen die Maskierten erneut zu: Zunächst wollten sie am Abend drei Jugendliche an der Thiemstraße ausrauben. Die setzten sich aber zur Wehr. Die Täter flohen. Die jungen  Leute blieben mit Verletzungen zurück. Eine Dreiviertelstunde später lockten die Täter zwei Pizzaboten mit einer Bestellung in die Greifenhainer Straße. Dort lauerten sie den Lieferanten auf, überfielen sie von hinten, forderten Bargeld, Handys und Wertsachen. Der Arbeitgeber Tele Pizza hatte den Zeugenaufruf mit einer Belohnung von 500 Euro unterstützt. „Das kann generell bei den Ermittlungen helfen“, sagt Lothar Berger. In diesem Fall habe aber die Fleißarbeit der Ermittler den entscheidenden Hinweis gebracht.