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| 15:28 Uhr

Kriminalität
Jeder fünfte Tatverdächtige in Cottbus ist unter 21

FOTO: Fotolia
Cottbus. Die Polizeistatistik zeigt: Diebstahl bleibt bei Cottbuser Jugendlichen das häufigste Delikt. Von Daniel Schauff

In Cottbus ist jeder fünfte Tatverdächtige unter 21 Jahre alt. Das geht aus der Polizeistatistik der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße hervor. Die Quote bewegt sich seit Jahren fast konstant bei leicht unter 20 Prozent und gleicht damit nahezu den Zahlen fürs Land Brandenburg.

Die Jugendhilfeplanung der Stadt Cottbus gibt noch mehr Aufschluss über die Jugendkriminalität in der Stadt. Den Zahlen der Polizeiinspektion zufolge spielt vor allem die Diebstahlkriminalität unter Jugendlichen die größte Rolle. Im Jahr 2016 etwa waren 194 der insgesamt 641 jugendlichen Tatverdächtigen wegen Diebstahls in den Fokus der Polizei gerückt. Die Statistik zeigt aber auch: in den vergangenen Jahren hat sich einiges getan: So zählte die Polizei im Jahr 2014 etwa noch 294 Fälle und damit genau 100 mehr, in denen sich unter 21-Jährige wegen Diebstahlverdachts verantworten mussten.

Konstant bleiben die Zahlen bei der Straßenkriminalität, Erfolge verzeichnet die Polizei beim Kampf gegen Kfz-Kriminalität, die von Jugendlichen ausgeht. So sank die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren in diesem Deliktfeld zwischen 2014 und 2016 von 26 Fällen auf gerade einmal zwölf. Ein anderer Trend zeigt sich allerdings bei der Gewaltkriminalität. Die stieg der Statistik zufolge zwischen 2014 und 2016 von 60 auf 73 Fälle, in denen die Polizei Jugendliche unter Verdacht hatte.

Ein Blick in die Zahlen der Jugendgerichtshilfe macht das Bild der Cottbuser Jugendkriminalität noch deutlicher. In 460 Fällen haben 2016 Sozialarbeiter Jugendliche und junge Erwachsene bis 20 Jahre in einem Gerichtsverfahren begleitet, nahezu genauso viele wie im Jahr davor. Die Jugendgerichtshilfe gehört zu den Pflichtaufgaben des Jugendamts. Die Sozialarbeiter sind bei den Verhandlungsterminen dabei, geben Hinweise zu geeigneten Maßnahmen für straffällig gewordene junge Cottbuser und bereiten Verhandlungen nach.

Die auf die einzelnen so genannten Sozialräume aufgeteilte Statistik zur Jugendgerichtshilfe lässt einen Blick auf die Situation in den einzelnen Stadtteilen zu. 104 Fälle hat das Jugendamt im Süden von Cottbus registriert – zum Süden gehören neben den südlichen Dörfern die großen Stadtteile Sachsendorf und die Spremberger Vorstadt. Nur 79 Fälle sind es im Norden, zu dem Schmellwitz als größte Wohnsiedlung gehört. Im Osten mit Sandow als größtem Stadtteil waren es 2016 85 Fälle, in Mitte und dem Westen mit Ströbitz und Alt-Ströbitz zusammen 89. Im Verhältnis zu den unter 21-Jährigen, die in den jeweiligen Sozialräumen leben, bedeutet das: Die meisten Jugendlichen, die vor Gericht landen und vom Sozialarbeiter dort betreut werden, kommen aus dem Osten von Cottbus, also aus Sandow, Merzdorf, Dissenchen, Branitz, Kiekebusch und Kahren. 2016 waren das 3,6 Prozent der dort lebenden Jugendlichen. Im Norden und Süden liegt die Quote deutlich darunter – bei jeweils 2,7 Prozent. Mitte und der Westen von Cottbus liegen im Mittelfeld bei zusammen drei Prozent. Das allerdings bedeutet nicht zwingend, dass die Cottbuser Jugendlichen aus dem Osten der Stadt die kriminellsten seien. Eine Statistik, die die einzelnen Stadtteile nach Deliktfeldern und Tätergruppen auseinandernimmt, gibt es offiziell nicht. Und selbst wenn – Rückschlüsse auf besonders gefährliche oder kriminelle Gegenden in Cottbus wären damit ohnehin nicht möglich, da Wohnort und Deliktort nicht zwangsläufig zusammenhängen. Die Innenstadt, in der die mit Abstand wenigsten Cottbuser bis 20 Jahre leben (1130), war immer wieder Schauplatz teils gewalttätiger Übergriffe und von Drogendelikten. In der Jugendhilfeplanung wird unter anderem eine Verdrängung der Problematik in die Innenstadt-nahen Stadtteile erwähnt und die Herausforderungen für die Jugendhilfeplanung in den kommenden fünf Jahren definiert. Kriminalitätsprävention bei Jugendlichen durch Sozialarbeiter spielt dabei eine Hauptrolle.