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| 18:41 Uhr

Spreewaldkrimi
Grausame Geschwister und falsche Fährten

Auch im neuen Steinhauer-Krimi geht es mörderisch zu.
Auch im neuen Steinhauer-Krimi geht es mörderisch zu. FOTO: GMEINER Verlag
Cottbus. Krimiautorin Franziska Steinhauer stellt am Freitag in Cottbus ihren aktuellen Roman „Spreewald-Tiger“ vor. Von Jenny Theiler

Ein groteskes Bild bietet sich den Besuchern des Cottbuser Tierparks. Im Tigergehege streitet sich das Brüderpaar Tangse und Mazat um den abgetrennten Arm eines Menschen. Die Cottbuser Kriminalpolizei steht zunächst vor einem Rätsel, doch dann brennt eine Wohnung in der Wernerstraße aus, eine junge Frau wird vermisst und ein Koch aus Lübbenau macht im Branitzer Park eine grausige Entdeckung.

Zum elften Mal ermitteln Peter Nachtigall und sein Team in Cottbus und Umgebung. Der aktuellen Roman von Franziska Steinhauer feiert am Freitag, 9. März im Branitzer Kulinarium mit einer Autorenlesung Premiere. Auch diesmal dürfen sich alle Krimifans auf eine fesselnde Mordgeschichte freuen, die mit ihren interessanten Verwicklungen und authentischen Figuren wie immer den gewohnten Cottbuser Lokalkolorit trägt und die Heimat somit in ein düsteres, aber nicht minder spannendes Licht taucht.

Corinna Waller ist auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Die junge Journalistin hat Magdeburg den Rücken gekehrt und will mit ihrem Freund Florian Kiebitz in Cottbus zusammen ziehen – doch dann wird die junge Frau grausam ermordet. Ihre zerstückelte Leiche finden die Ermittler in einem Waldstück zwischen Tierpark und Branitzer Park – das Werk eines Wahnsinnigen. Schnell kommt der Verdacht auf, Corinna sei einem Stalker zum Opfer gefallen. Aber auch ihr Freund gerät ins Visier der Ermittler. Musste die junge Frau aus purer Eifersucht sterben oder geriet sie durch ihre aktuelle Recherche in gefährliche Gefilde? Besteht ein Zusammenhang zwischen einer Einbruchserie in der Branitzer Siedlung? Und was hat das Ganze mit einem Lübbenauer Koch und seinem Hausschwein zu tun?

Franziska Steinhauer präsentiert ihren Lesern eine solide und fesselnde Kriminalgeschichte, die bereits auf den ersten Seiten die Aufmerksamkeit des Lesers gewinnt. Durch die Entwicklung eines merkwürdigen Geflechts aus verschiedenen Erzählsträngen bindet die Autorin den Leser an die Geschichte ohne ihn zu verwirren. Denn auch wenn die Nebenhandlungen und Verwicklungen zusammenhangslos erscheinen, so bleiben sie dennoch übersichtlich und ergeben am Ende ein klärendes Bild. Die große Leistung des Romans liegt unter anderem genau in diesem Trick, denn die vielen falschen Fährten, die von der Autorin gestreut werden, kurbeln die Vorstellungskraft des Lesers an und treiben ihn auf dem Höhepunkt der Handlung zu den wildesten Spekulationen über den möglichen Mörder. Die Figuren bleiben darüber hinaus bis zum Schluss authentisch, denn der Gedanke, man könne die ein oder andere Person vielleicht selbst schon einmal im Stadtbild gesehen haben, macht den eigentümlichen Reiz des Romans aus.

Im Verlauf der Geschichte wird der Leser mit den unterschiedlichsten Charakteren konfrontiert - der verdächtig freundliche Enkel von nebenan, ein ehemaliger  Strafgefangener mit fragwürdigen Hobbys und eine schrullige, aber nicht zu unterschätzende WG älterer Damen. Dem Seelenleben der beiden Hauptermittler Peter Nachtigall und Michael Wiener wird hierbei eine vergleichsweise bescheidene Aufmerksamkeit zuteil. So leidet die Handlung auch nicht unter einer übermäßigen Psychologisierung der ermittelnden Kommissare. Deren menschliche Stärken und Schwächen schimmern während des Handlungsverlaufs dennoch unaufdringlich durch.

Trotzdem der Roman auf einer erstklassigen kriminaltechnischen Recherche und einer weitgehend logischen Erzählstrategie fußt, weißt die Geschichte auf den letzten Seiten einige Schwächen auf. So scheint das durchinszenierte Familiendrama, das die Verwicklungen zwischen Opfer, Täter und Mittäter am Ende erklärt, etwas zu mächtig für den Handlungsausgang. Zudem werden die Gründe für das Aufeinandertreffen zwischen Opfer und Mittäter nicht näher erläutert und wirken daher wie ein merkwürdiger Zufall. Nichtsdestotrotz endet „Spreewald-Tiger“ mit einem nicht vorher erwarteten Knall und lässt einen befriedigten und verblüfften Leser zurück.
Die Voranmeldung für die Lesung im Kulinarium ist unter der Nummer 0355 / 481555 erforderlich.

Franziska Steinhauer liest am Freitag in Cottbus.
Franziska Steinhauer liest am Freitag in Cottbus. FOTO: GMEINER Verlag