ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:33 Uhr

Kriegskinder und Kindersoldaten damals und heute

Der Cottbuser Rolf Bosse war als Jugendlicher begeisterter Hitlerjunge. Im Gespräch mit den Schülern erklärte er, wie er damals manipuliert wurde, und reflektierte seine eigene Geschichte kritisch.
Der Cottbuser Rolf Bosse war als Jugendlicher begeisterter Hitlerjunge. Im Gespräch mit den Schülern erklärte er, wie er damals manipuliert wurde, und reflektierte seine eigene Geschichte kritisch. FOTO: MRZ/pr
Cottbus. Wie erleb(t)en Kinder den Krieg? Was bedeutet es, Kindersoldat zu sein? Wie kommt es dazu, dass Kinder in bewaffneten Konflikten missbraucht werden? Während einer Projektwoche im Menschenrechtszentrum suchen Schüler des Evangelischen Gymnasiums Antworten auf diese Fragen. Nicole Nocon

Im Rahmen einer Projektwoche im Cottbuser Menschenrechtszentrum (MRZ) schlagen Schüler des Evangelischen Gymnasiums in diesen Tagen eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Die Siebt- bis Zehntklässler setzen sich damit auseinander, wie Kinder in Kriegen zum Spielball der Konfliktparteien werden. "Die Jugendlichen beschäftigen sich mit dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg. Gemeinsam werfen wir einen kritischen Blick auf die damalige Propaganda und suchen nach Gemeinsamkeiten zu der Situation von etwa 300 000 Kindern, die heutzutage in kriegerischen Konflikten bewaffnet kämpfen müssen", informiert Hana Hlásková, die Bildungsreferentin des MRZ.

Am vergangenen Dienstag hatten die Schüler die Chance, mit einem Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen, der selbst Kriegskind und Kindersoldat war. Der Cottbuser Rolf Bosse ist als Jugendlicher begeisterter Hitlerjunge gewesen. Gemeinsam mit den Gymnasiasten schaute der 88-Jährige zurück und reflektierte, wie er damals manipuliert und missbraucht wurde. "In einem Film, den wir uns am Mittwoch anschauten, kommen heutige Kindersoldaten zu Wort. Es sind gebrochene Menschen. Die Schüler waren sehr berührt und stellten sich die Frage, wie das Leben dieser Kinder weitergehen kann. Ihnen war wichtig, dass auch diese Kinder Bildungschancen haben, spielen und mit ihren Familien zusammen sein können", berichtet Hana Hlásková.

Auch nach Abschluss der Projektwoche wollen sich die Cottbuser Gymnasiasten mit Blick auf den "Red Hand Day", den internationalen Gedenktag für Kindersoldaten am 12. Februar, weiter mit dem Thema beschäftigen. Geplant ist unter anderem eine Straßenumfrage in Cottbus, zu der ein Video gedreht werden soll.