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| 12:27 Uhr

Konsumkritische Initiative
Gedränge am Geburtstagdes Cottbuser Kost-Nix-Ladens

Am 4. Geburtstag des Cottbuser Kost-Nix-Ladens wurde natürlich nicht nur gefeiert, sondern auch fröhlich getauscht.
Am 4. Geburtstag des Cottbuser Kost-Nix-Ladens wurde natürlich nicht nur gefeiert, sondern auch fröhlich getauscht. FOTO: Georg Zielonkowski
Cottbus. Konsumkritische Initiative verbreitet schon seit vier Jahren die Idee des Tauschens. Von Georg Zielonkowski

Üblicherweise geht man als Kunde in einem Laden, sucht etwas heraus, geht zur Kasse, bezahlt, packt ein und geht davon. Ganz anders ist das in der Cottbuser Deffkestraße, wo der Cottbuser Kost-Nix-Landen zu finden ist. In diesem „konsumkritischen Laden“, wie ihn die hier tätigen Ehrenamtler selbst nennen, wird den eintretenden Menschen absolut nichts verkauft. „Ziel unserer freiwilligen Tätigkeit ist es, den Leuten die Chance zu geben, bei uns Dinge oder auch Sachen abzugeben, die sie selbst nicht mehr brauchen, die aber bei anderen Menschen noch gute Dienste tun. Dabei kommt es nicht etwa zu Tauschgeschäften, sondern das Geben und Nehmen geschieht völlig unabhängig voneinander. „Darum reden wir auch nicht von Kunden, die zu uns kommen. Bezahlt werden die ausgewählten Dinge genauso wenig, wie für die von uns angenommenen Sachen an den Spender Geld bezahlt wird“, erzählt am 4.Geburtstag des Ladens Marie Rath-Krahe.

Die selbstständige Maßschneiderin gehört zu den knapp 20 überwiegend jungen Menschen, die hier in Verantwortung für die Gesellschaft und die Umwelt drei Mal wöchentlich tätig sind. Um hier wiederverwendbare Sachen anzunehmen, am liebsten freilich zur jeweiligen Jahreszeit passende. Derzeit also liebend gern Wintersachen oder nicht mehr benötigte Weihnachts-Dekoration. „Sauber müssen die Dinge schon sein, die abgegeben werden. Ausgenommen sind Lebensmittel, Kosmetik und Unterwäsche“, ergänzt Karin Weitze.

Im Frühjahr 2013 gehörte die Rentnerin zu den zehn Leuten, die im „Muggefug“ die Idee hatten, einen in anderen Städten längst üblichen Laden auch in Cottbus anzubieten:

„Interessierte Leute hatten wir schon, aber einen Vermieter für einen Laden haben wir noch gesucht. Aber zum Ende des Jahres war es soweit und wir konnten starten. Inzwischen haben, dank unseres Vermieters hier in der Deffkestraße unser Domizil gefunden“, schaut Karin Weize am Geburtstag des Ladens zurück.

Die Miete für den Laden wird einem Spendentopf entnommen. In den die Leute die etwas bringen oder holen einen freiwilligen Betrag einwerfen. Zusätzlich unterstützt wird der Mietpreis von den so genannten Mietpaten, die sich mit der Philosophie des Ladens besonders identifizieren.

Der Kost-Nix-Laden und dessen Betreiber wollen eine gelebte Alternative zur Wegwerfgesellschaft darstellen. Und sie wollen das Bewusstsein für ein vernünftiges Konsumverhalten stärken, indem der eigene Überfluss sinnvoll und kostenlos weitergegeben  wird. Zudem bietet der Laden Raum für Begegnungen und den sozialen Austausch.

Eine Hilfe, diese Idee möglichst vielen Menschen nahe zu bringen, soll die regelmäßig erscheinende Klappkarte mit dem Titel „Konsum-Notiz“ mit sich bringen. Absolut nachvollziehbare Titelzeilen regen zunächst zum Nachdenken, anschließend aber auch zum Handeln an. Karten mit den Titeln „Mehrweg statt to go“ oder „Müllvermeidung“ geben ebenso Hinweise zum sinnvollen Verhalten in der modernen Gesellschaft, wie „Drei-Dinge-Regel“, die als eigenverantwortlich zu verstehende Konsumempfehlung ausgegeben wurde. „Diesem Thema folgend geben wir auch ungern eine übermäßige Anzahl von Dingen ab. Einfach um die Menschen auch bei uns mit der Frage zu konfrontieren, ob die gerade eingesammelten Sachen auch wirklich dringend gebraucht werden, oder ob sie denn daheim auch wieder nur herum liegen. Dies verstehen wir als einen der ersten, aber tatsächlich wichtigen Schritte“, so Gründungsmitglied Julia Kaiser.