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Korruptionsprozess um früheren Messechef in Cottbus hat begonnen

Cottbus. Am Amtsgericht Cottbus hat am Dienstag die Hauptverhandlung im Korruptionsprozess gegen den früheren Geschäftsführer der Cottbuser Messegesellschaft CMT begonnen. Die Anklage wirft dem Mann Bestechlichkeit in sechs Fällen vor. Dabei geht es um einen Gesamtwert von 7200 Euro. Die Verhandlung wurde nach einer Stunde ausgesetzt. Der Grund: Die Prozessbeteiligten wollen weitere Akten einsehen. Peggy Kompalla

Dem früheren CMT-Chef wird von der Staatsanwaltschaft Bestechlichkeit vorgeworfen. In sechs Fällen soll er Aufträge ohne Ausschreibung an Firmen vergeben und dafür Geschenke oder Sachleistungen angenommen haben. Der Anwalt des Angeklagten Hans-Joachim Hartung erklärte dazu: "Mein Mandant bestreitet die Vorwürfe."

Die Vorfälle haben sich laut Anklage zwischen 2008 und 2011 ereignet. Das Prozedere ähnelt sich in den einzelnen Fällen, die die Staatsanwaltschaft auflistet. Konkret geht es um die Vergabe von zwei Aufträgen an eine IT-Firma zur Datensicherung und Erneuerung der Server. Vergleichsangebote sollen nicht eingeholt worden sein. Dafür gab es laut Anklage für den Chef als Bonus eine Digitalkamera und einen Laptop. Ein Malerbetrieb strich demnach ohne Rechnung die Privatwohnung des Angeklagten in Wandlitz. Als Gegenleistung erhielt die Firma einen Auftrag bei der CMT im Wert von rund 10 000 Euro. Eine Fleischerei lieferte das Buffet für eine private Geburtstagsparty in Wandlitz - inklusive eines Spanferkels. Dafür bekam der Betrieb Aufträge im Gesamtwert von 25 000 Euro von der CMT serviert. Ein Beleuchtungshaus erhielt ohne Ausschreibung einen Auftrag im Wert von rund 17 000 Euro. Im Gegenzug kümmerte sich das Unternehmen um die Beleuchtung in der Privatwohnung des früheren Messechefs. Kostenpunkt: 2200 Euro. Der CMT-Chef soll dafür allerdings lediglich eine Rechnung in Höhe von 180 Euro bezahlt haben.

Zwei Zeugen wurden am Dienstag gehört - die frühere Sekretärin des Angeklagten und der Geschäftsführer des IT-Unternehmens mit Hauptsitz in Chemnitz, der nach eigener Aussage durch Zufall auf Ungereimtheiten in der Abrechnung des Kundenbetreuers gestoßen war. Zu weiteren Vernehmungen kam es nicht.

Die Richterin setzte die Verhandlung aus, damit alle Prozessbeteiligten Akten zu weiteren Verfahren in der Sache einsehen können. Damit wächst sich das Verfahren zu einem Mammutprozess aus. Mehr als 20 Zeugen müssen gehört werden.

Der Angeklagte war von 2003 bis 2016 Geschäftsführer der CMT. Der Aufsichtsrat hat sich trotz der Korruptionsvorwürfe, die erstmals im Jahr 2011 laut wurden, vor den 61-Jährigen gestellt. Das Gremium sah damals keine rechtliche Grundlage für eine Beurlaubung des Messechefs, da das Ermittlungsverfahren während seiner Dienstzeit nicht abgeschlossen wurde.

Der Mann führte die Geschäfte der Messegesellschaft bis zum Ablauf seines Vertrages im Jahr 2016.

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