Die Überschrift „Besinnliches Innehalten“ ist sicher vor jeder öffentlichen Meinungsäußerung von elementarer Bedeutung. Diese Tugend hatte bei der Verfasserin des Beitrages zur Ausstellung von Kathrin Karras und Rita Grafe im Rahmen des Jugend-Förderpreises der Sparkasse Spree-Neiße in der „Galerie Marie 23“ offensichtlich kein großes Gewicht. Wie sonst ist es zu verstehen, dass zum Beispiel solch spannende Auseinandersetzungen mit spontanen Begegnungsmomenten (Porträts von Wartenden an einer Straßenbahn-Haltestelle in Dresden von Kathrin Karras) pauschalisierend „den Betrachter“ nicht treffen oder gar plakativ sind. Kunstempfinden hat immer etwas mit Subjektivität zu tun und deshalb ist es zwar schade, aber auch verschmerzbar, dass die Arbeiten die Betrachterin vielleicht nicht erreicht haben. Aber bitte Vorsicht mit solchen Verallgemeinerungen. Hier kann doch jeder nur von sich sprechen und nicht für alle Ausstellungsbesucher (...). Ich hatte bei den Haltestellenbildern vergnügliches Kopfkino und fand auch die Spiegelungen aus dem Zyklus „Weinselig“ ästhetisch sehr gelungen und anspruchsvoll. „Manch andere ihrer Bilder tragen hingegen eine Intention“, befindet die Autorin. Und lässt damit den Umkehrschluss zu, dass die anderen Arbeiten von Kathrin Karras keine Intention hätten. Allein die Tatsache, dass die meisten fotografischen Arbeiten Teile von Serien sind, zeigt, dass sich die Künstlerin mit einem Thema inhaltlich über einen längeren Zeitraum auseinandersetz t und hier keine Schnappschuss-Fotografin am Werke ist, die ihre Zufallstreffer, in Bilderrahmen präsentiert, als „Kunst“ feilbietet.
(...) Zu guter Letzt, so könnte man meinen, bekamen noch die Cottbuser, die eine Plastik von Rita Grafe gekauft hatten, von der Verfasserin den guten Geschmack abgesprochen, erhielten einige dieser Arbeiten doch von ihr den Stempel „weisen Ähnlichkeiten mit Deko-Artikeln aus Einrichtungshäusern aufgedrückt“ . (...)