ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:50 Uhr

Großkontrolle an der A13
Zoll nimmt Schwarzarbeit in der Lkw-Branche ins Visier

Großkontrolle des Zolls an der A13 auf dem Rasthof Berstetal FOTO: Bodo Baumert
Cottbus. Der Zoll ist am Mittwoch deutschlandweit gegen Schwarzarbeit und Verstöße beim Mindestlohn in der Lkw-Branche vorgegangen. In der Lausitz wurden unter anderem bei einer Großkontrolle auf dem Rastplatz Berstetal an der A13 Lkws ins Visier genommen. Von Bodo Baumert

Mittwochmorgen, 8 Uhr. Deutschlandweit brechen Einheiten des Zolls auf, um gegen Schwarzarbeit in der Transportbranche vorzugehen. In einer sogenannten Schwerpunktkontrolle sind Fahnder im ganzen Land aufgerufen, heute diese Branche ins Visier zu nehmen.

In der Lausitz ist die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS), die ihren Sitz in Cottbus hat, aufgebrochen, um vor allem Lkw-Fahrer ins Visier zu nehmen. Ihr Ziel: der Rastplatz Berstetal an der A 13.

Vier Haltebuchten als Kontrollplätze umgebaut

Mittwochmorgen, 10 Uhr. Wer auf der A 13 Richtung Berlin fährt, wird an der Abfahrt Lübben auf die grünen Fahrzeuge  des Zolls aufmerksam. Am Straßenrand warten sie auf Anweisungen ihres Chefs. Der heißt Guido Eßer und steht inmitten von Kollegen des Zolls, der Polizei und des Bundesamtes für Güterverkehr auf dem Rastplatz. Vier Haltebuchten sind zu Kontrollplätzen für Lkw umgebaut. Eßer steht mit dem Sprechfunkgerät in der Mitte und gibt Abweisungen: „Der nächste kann kommen.“

Für die Zollbeamten an der Autobahn ist das das Signal. Sie suchen sich einen der vorbeikommenden Lkw und setzen sich vor ihn. Per Leuchtschrift wird im signalisiert: Bitte folgen. Auf dem Rastplatz winkt Eßer den Fahrer in eine der vorbereiteten Haltebuchten. Der Lkw kommt zum Stehen. Zwei Mitarbeiter der Finanzkontrolle nähern sich dem Führerhäuschen. Einer beginnt das Gespräch, der andere sichert und behält den Fahrer im Auge. Ausweis, Führerschein, Frachtpapiere. Dann geht es ans Eingemachte. Wie ist der Fahrer angestellt, wie wird er bezahlt? Wie lang ist er unterwegs?

Informationen der Speditionen werden abgeglichen

„Diese Interviews sind für uns wichtig. Nur durch den direkten Kontakt bekommen wir ein Gefühl dafür, ob etwas nicht stimmt“, erläutert Eßer, währen die Kollegen mit dem Gespräch fortfahren. Ob tatsächlich ein Verstoß gegen den Mindestlohn vorliegt oder eine andere Form der Schwarzarbeit, das werden Eßer und seine Kollegen erst später rausfinden können.

„Die Informationen werden gespeichert. Von den Speditionen rufen wir uns dann die entsprechenden Unterlagen ab und vergleichen diese mit den Aussagen des Fahrers“, so Eßer. Gibt es Diskrepanzen, dann haben die Fahnder einen Anhaltspunkt für weitere Nachforschungen.

Polizei kontrolliert Sicherheit der Lkws

Dank der Zusammenarbeit mit dem BAG kann es aber manchmal auch schneller gehen. Das Bundesamt hat die Technik, um Fahrtenschreiber direkt vor Ort elektronisch auszuwerten. Auch so kann sich schon ein Anfangsverdacht ergeben.

Parallel schauen Kollegen der Polizei und des Zolls auch auf Ladung und Sicherheit der Fahrzeuge. Ein Fahrer aus Moldawien gerät ins Visier. Er hat seine Ladung schlecht gesichert und muss nun unter den Augen der Gesetzeshüter nacharbeiten. „Die nötigen Gurte hat er alle dabei. Vielleicht war einfach der Zeitdruck zu groß oder er war zu faul, die Ladung ordentlich zu sichern“, mutmaßt Eßer.

Lkw-Fahrer sind gelassen

Die Fahrer ertragen solche „Schikanen“ mehr oder weniger gelassen. „Hier, wo so viele Uniformierte in der Nähe sind, wird keiner ausfällig“, sagt Astrid Pinz, Sprecherin des Hauptzollamt Frankfurt (Oder), zu dem die Cottbuser Kontrolleure gehören. Bei kleineren Kontrollen sei das zum Teil anders. „Zur Waffe musste aber noch keiner unserer Kollegen greifen“.

Guido Eßer ruft derweil per Funk den nächsten Lkw zur Kontrolle. Im mobilen Büro, das in einem Transporter untergebracht ist, werden die Daten gesammelt. Akte für Akte sammelt sich so in den folgenden Stunden.

Drei Verdachtsfälle nach der Kontrolle

Mittwochnachmittag, 16 Uhr. Die Kontrolle ist beendet. Rund 30 Sattelzüge und Lastwagen haben die Beamten kontrolliert. Verstöße konnten sie zunächst nicht feststellen. Das wird möglicherweise erst in den kommenden Monaten kommen. Drei Verdachtsfälle gibt es immerhin. Eßer ist zufrieden. „Teil unserer Arbeit ist der Schutz der hiesigen Wirtschaft. Deshalb schauen wir auch bei ausländischen Lkw genau hin.“ Deutsche Speditionen müssten sich an die Mindestlohngesetz halten, ausländische aber eben auch, wenn sie in Deutschland tätig sind.

Abseits des Rastplatzes sind derweil anderen Kollegen der FKS ebenfalls im Einsatz. „Ich habe zwei Teams, die Speditionen und Logistikzentren rund um Cottbus kontrollieren“, erläutert Eßer. Deutschlandweit sind Hunderte weitere solcher Kontrollen am Laufen.

Ergebnisse werde es erst in den kommenden Tagen geben, sagt Sprecherin Astrid Pinz. Oder auch erst sehr viel später. Denn der Job auf der Straße ist nur ein Teil der Arbeit. Der größere findet am Schreibtisch statt.

Und selbst wenn kein Schwarzes Schaf gefunden wird, ist Eßer zufrieden. „Das gibt ein gutes Gefühl zu wissen: Hier ist alles in Ordnung“, sagt er.

Großkontrolle des Zolls an der A13 auf dem Rasthof Berstetal FOTO: Bodo Baumert