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Konfliktfrei ins neue Schuljahr

Nicole Becker und Dr. Christian Hochmuth (von rechts) übergeben Frank Olie und Kaspar Kaiser den Kooperationsvertrag.
Nicole Becker und Dr. Christian Hochmuth (von rechts) übergeben Frank Olie und Kaspar Kaiser den Kooperationsvertrag. FOTO: Jenny Theiler
Cottbus. Das friedliche Miteinander und die Bewältigung von Konflikten bildeten die Grundthemen der gestrigen Predigt von Pfarrer Uwe Weise und Propst Thomas Besch. Mit einem feierlichen Gottesdienst in der Oberkirche Sankt Nikolai wurden gestern Vormittag die Schüler und Lehrer des Evangelischen Gymnasiums Cottbus im neuen Schuljahr begrüßt. Jenny Theiler / the

Passend zum Thema wurde außerdem das neue und bisher einzigartige Kooperationsprojekt zwischen der Europauniversität Viadrina in Frankfurt Oder und der Evangelischen Schulstiftung vorgestellt und offiziell in Form einer schriftlichen Vereinbarung durch zwei Vertreter des Instituts für Konfliktmanagement (IKM) der Viadrina übergeben.

Nach einem erfolgreichen Probejahr wird das Evangelische Gymnasium Cottbus in Kooperation mit der Viadrina in diesem Schuljahr offiziell das Projekt Mediation und Konfliktmanagement starten. Es handle sich hierbei nicht um die Einführung eines neuen Schulfachs, sondern viel mehr um eine effektive Nutzung der Rahmenlehrpläne, wie Holger Thomas vom Evangelischen Gymnasium klarstellt. Der Religionslehrer hatte die Idee zu diesem Projekt und gewann frühzeitig die Unterstützung seiner Kollegen und der wissenschaftlichen Mitarbeiter der Viadrina.

Ziel des Projektes ist die Ausbildung eines jeden Schülers in Mediation und Konfliktmanagement. Hierbei handelt es sich um eine dreitägige altersgemäße Schülermediationsausbildung in der neunten Klasse. "Die neunte Klasse erschien uns angemessen, denn die Probephase hat gezeigt, dass die Schüler der siebten und achten Klassen oftmals noch nicht die nötige Reife haben, um das Projekt mit der angemessenen Ernsthaftigkeit zu betrachten", berichtet Schulleiter Kasper Kaiser. Um die neu gelernten Inhalte zu festigen und in der Schulpraxis anwenden zu können, wird die Ausbildung in einzelnen Schulfächern angereichert. "Der Deutschunterricht eignet sich beispielsweise für Übungen im aktiven Zuhören oder politische Bildung für die Frage: Was ist ein Perspektivwechsel", so Holger Thomas. Die erste Phase steht vor allem für gegenseitiges Verständnis und die Fähigkeit, sich in die jeweils andere Konfliktpartei hineinzuversetzen. Ab der zehnten Klasse kommt dann das Thema Konfliktmanagement hinzu. Dieser Bereich betrifft dann berufliche Kontexte, um einen leichteren Übergang von der Schule zum Studium oder Berufsleben zu erreichen. Am Ende der Mediationsausbildung erhalten alle Schüler ein Zertifikat, das auch Bewerbungsvorteile sichern soll. "Dass alle Schüler diese zertifizierte Ausbildung durchlaufen, gab es unseres Wissens bisher noch nicht in Deutschland", meint der Vorstandsvorsitzende der Evangelischen Schulstiftung Frank Olie. Damit hätte das Gymnasium eine wichtige Vorreiterposition. Durch die wissenschaftliche Begleitung durch das IKM der Viadrina würde man den Schülern in der Schule Kompetenzen vermitteln, die sich außerhalb des fachlichen Lernens bewegen, so Frank Olie. "Die Schüler sollen ein weites Verständnis von Konflikten in allen Bereichen bekommen und lernen, wie man trotz unterschiedlicher Interessen Konflikte sachlich lösen, oder sogar vermeiden kann", erzählt Nicole Becker vom IKM.

Zum Thema:
Das Gymnasium befindet sich in Trägerschaft der evangelischen Landeskirche. Die Vermittlung von christlichen Werten ist in den Unterricht fest eingebunden. Dennoch ist die Zugehörigkeit zu einer Konfession für den Schulbesuch nicht bindend. Das Schulmotto lautet "christlich, musisch, weltoffen". Kreative Fächer wie Kunst und Musik haben an diesem Gymnasium einen höheren Stellenwert. Der Unterricht findet in den Räumlichkeiten der ehemaligen Carl-Blechen-Schule in der Elisabeth-Wolf-Straße 31a in Sandow statt. (the)