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Flüchtlinge
Sozialarbeiter sehen Probleme in Cottbus als „lösbar“ an

In der Kickerstube des Fanprojekts treffen sich viele Flüchtlinge, um Kontakte zu knüpfen und an den Kickertischen ihre Talente zu messen.
In der Kickerstube des Fanprojekts treffen sich viele Flüchtlinge, um Kontakte zu knüpfen und an den Kickertischen ihre Talente zu messen. FOTO: Daniel Schauff / LR
Cottbus. Jörn Meyer, Chef des Jugendhilfe-Vereins, setzt beim Umgang zwischen Deutschen und Flüchtlingen auf Begegnungen. Von Andrea Hilscher

Von den Büroräumen des Jugendhilfe-Vereins hat man einen fast ungehinderten Blick auf den Ort, an dem sich die aktuellen Probleme der Stadt zumindest scheinbar fokussieren: das Einkaufszentrum Blechen-Carré und die vorgelagerte Straßenbahnhaltestelle. Doch während die öffentliche Wahrnehmung sich in diesen Tagen auf die dortigen Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Syrern konzentriert, wandert der Blick von Jugendhilfe-Chef Jörn Meyer – zumindest gedanklich – in eine ganz andere Richtung.

„Im Kopf habe ich Szenen, die sich in unserem Familienhaus im Pusch­kinpark abspielen“, sagt  Meyer. Eine Mitarbeiterin habe ihm gerade erzählt, wie kürzlich bei schönem Wetter über hundert Menschen einen schönen Nachmittag im und um das Familienhaus verlebt haben – Syrer und Ur-Cottbuser, die aus dem benachbarten Sandow auf das Areal gekommen waren. „Die Kinder haben sich auf dem  Spielplatz amüsiert, die Eltern haben im Café oder im Freien gesessen und sind wunderbar miteinander klargekommen.“ Genau diese Art von Begegnungen sei es, die stärker ins Bewusstsein rücken müsste.

Dass es neben diesen harmonischen Treffen auch durchaus anstrengende, konfliktbeladene Momente im Kontakt zwischen Geflüchteten und Deutschen gibt, ist Meyer mehr als bewusst: In der Kickerstube, die von der Jugendhilfe betrieben wird, ist die Zahl der Besucher in den vergangenen Monaten von rund 40 auf 130 in Spitzenzeiten angestiegen. Die Zahl der Sozialarbeiterstunden aber sei nicht gestiegen. „Unsere Leute haben schon ordentlich zu tun, wenn sie mit derart vielen Menschen ins Gespräch kommen wollen“, sagt Meyer. Zumal ein Großteil der neuen Besucher aus dem arabischsprachigen Raum stammt. „Wenn es dann schnell gehen muss und die deutschen Worte fehlen, wird es schwierig mit der Kommunikation.“

Dennoch sehe er deutliche Erfolge der Sozialarbeit in der Kickerstube. „Wir ringen sehr um die Einhaltung von Regeln. Das ist mühsam. Aber es funktioniert.“ Respektiert zu werden sei dagegen kein Problem. „Nur auf männliche Sozialarbeiter zu setzen, macht wenig Sinn. Wir brauchen und wir haben Frauen, die sich Respekt einfordern und so als positives Beispiel wirken.“

Einige Veränderungen in der Kickerstube sollen dafür sorgen, dass neben der Arbeit mit Geflüchteten auch die originäre Aufgabe der Kickerstube – die Arbeit mit Fußballfans – nicht zu kurz kommt. Jörn Meyer: „Wir werden die Öffnungszeiten so gestalten, dass es spezielle Angebote nur für die Fans gibt.“

Wie sich die Sozialarbeit in der Stadt verändern wird, müsse die Zeit zeigen. „Wir sind gespannt, wann die 40 vom Land angekündigten zusätzlichen Sozialarbeiter tatsächlich kommen und wo sie eingesetzt werden“, so der Chef der Jugendhilfe. Wichtig sei vor allem eine breite Unterstützung für Schulen, für Kitas, für Frauenhäuser. „Es gibt Probleme – aber sie sind lösbar.“

In einem Interview mit dem ZDF hat der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) am Montagmorgen bekräftigt, dass es nicht nur an Geld, sondern auch an Sozialarbeitern in der Stadt fehle. Die Landesregierung hat im Zuge der aktuellen Probleme in der Stadt angekündigt, 30 bis 40 Sozialarbeiter nach Cottbus zu schicken.