Von Peggy Kompalla
und Andrea Hilscher

Bei Ouzo, griechischem Wein und Gyros konnte der AfD-Kreisverband in Cottbus schon früh am Abend feiern. „Wir sind unglaublich zufrieden mit dem Ergebnis der Wahl hier in der Region“, sagte die Kreisvorsitzende Marianne Spring-Räumschüssel. „Die Lausitz tickt eben einfach anders, hier haben sich die Menschen einen kritischen Geist bewahrt.“ Darüber hinaus habe eine ihrer Einschätzung nach gute Sachpolitik zu dem guten Abschneiden geführt. „Zehn Sitze wollten wir schaffen, jeder zusätzliche Abgeordnete ist ein Sahnehäubchen.“

AfD rechnet sich gute Chancen für die Landtagswahl aus

Sie fühlt sich durch das Cottbuser Ergebnis auch für ihren kommenden Wahlkampf als Landtagsabgeordnete gestärkt. „Ich werde beide Mandate wahrnehmen“, kündigte Marianne Spring-Räumschüssel an. Aber: Sie werde weder einen Ausschuss leiten noch das Amt der Stadtverordnetenvorsteherin anstreben. „Das ist zeitlich nicht zu schaffen und wäre dem Amt nicht angemessen.“

Am Nachmittag hatte die Cottbuserin zusammen mit Parteifreunden die Auszählung der Briefwahl kontrolliert. „Wir hatten keine Beanstandungen.“

Zufriedenheit herrscht bei Bündnis 90/Grüne: Sie konnten sich am Ende über vier statt bisher drei Sitze freuen. „Wir haben im Wahlkampf viele neue Mitglieder gewinnen können, uns deutlich verjüngt“, sagte die Grünen-Vorsitzende Petra Weißflog am Wahlabend.

Verhaltene Stimmung bei den Linken nach der Kommunalwahl

Bei den Linken, die ihre Wahlparty im Zelig in der Ebertstraße feierten, war die Stimmung verhalten. „Bei uns hat der Bundes- und Landestrend durchgeschlagen“, sagte André Kaun. Er sei gespannt auf die neue Legislaturperiode. „Wir werden weiter für unsere Themen kämpfen.“

Schon nach der Auszählung der Europawahl herrschte bei der SPD bereits Katerstimmung. Die Parteigenossen trafen sich in der Geschäftsstelle in der Mühlenstraße. Das verbreitete Arbeitsatmosphäre. Baggern muss die Partei künftig, verliert sie doch Sitze im Stadtparlament.

Katerstimmung bei der Cottbuser SPD

SPD-Chef Gunnar Kurth: „Die Unzufriedenheit mit der Bundes- und Landespolitik hat bis zu uns im Kommunalen durchgeschlagen.“ Das habe der Wahlkampf gezeigt. „Jetzt gilt es, nach vorn zu schauen.“ Die SPD werde weiterhin ihre Themen setzen und dafür mit allen reden. „Aber es gibt schwierige Partner“, sagte Kurth und ergänzte: „Wir werden unsere Projekte mit den Partner umsetzen, die auf der gleichen demokratischen Basis stehen.“

Die CDU in Cottbus beklagt massive Verluste

Die stärksten Verluste musste die bislang stärkste Kraft im Cottbuser Stadtparlament hinnehmen. CDU-Chef Michael Schierack gab deshalb unumwunden zu: „Das ist enttäuschend. Dabei haben wir kommunal gute Arbeit geleistet. Aber das wurde nicht gewürdigt.“ Mit Blick auf den starken Zuwachs bei der AfD erklärte er: „Ich hätte mir ein optimistischeres Signal aus Cottbus gewünscht.“ Die AfD müsse nun beweisen, dass sie mehr als Opposition könne und Verantwortung übernehmen. Es komme darauf an, in der Sachpolitik konstruktiv miteinander zu arbeiten.

Bei der AUB trübte sich im Laufe des Wahlabends die Stimmung ein. Anfangs schien es, dass die Bürgerfraktion sogar zweistellig werden könnte. Doch letztlich hielt sie ihr Ergebnis der vergangenen Legislatur. AUB-Chef Torsten Kaps analysierte: „Die Unabhängigen haben deutlich zugelegt, nur hat sich dieser Zuwachs insgesamt zu Unser Cottbus verschoben.“ Die Wählervereinigung profitiere vom „Nimbus des Neuen“. Trotzdem war Kaps zufrieden, schließlich könnten die Unabhängigen zusammengenommen zweitstärkste Kraft werden.

Wählergemeinschaft Unser Cottbus gehört zu den Gewinnern

Die anfängliche Anspannung legte sich bei Unser Cottbus schnell. Der Trend war eindeutig. Die Wählergemeinschaft gehört neben der AfD zu den großen Gewinnern. „Wir werden in die Stadtverordnetenversammlung einziehen, dabei hatten wir nur vier Monate Wahlkampf“, erklärte Jürgen Siewert erleichtert. Bitter ist aus Sicht seiner dagegen das starke Abschneiden der AfD. „Ich hoffe, dass wir mit den Abgeordneten sachlich arbeiten können.“ Schwierig sei für Unser Cotttbus jedoch, dass die Mehrzahl der eigenen Mandatsträger Politikneulinge sind. Der Vorsitzende zeigte sich offen und zuversichtlich: „Wir werden Mehrheiten schaffen.“

Wegen der gestiegenen Einwohnerzahl hat das Stadtparlament künftig 50 statt bisher 46 Sitze. Die AfD hat 11 (bisher 3) Sitze. CDU: 9 (13). SPD: 8 (10), Linke 7 (10), Unser Cottbus 5, AUB 3 Sitze (3), SUB 1 (1), FDP 2 (1), Grüne 4 (3), NPD: 0 (1).