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| 01:09 Uhr

Kollegiaten beschäftigen sich mit jüdischer Geschichte

Wird das Schicksal der Cottbuser Juden auch im Rahmen des Stadtjubiläums eine Rolle spielen? Das fragte gestern im Unterricht eine Studierende des Cottbus-Kollegs – eine von vielen Fragen im Zusammenhang mit der jüdischen Geschichte der Stadt. Eine Projektgruppe des Kollegs behandelte die jüdische Geschichte von Cottbus mit Geschichtslehrerin Ramona Gellner. Von Klaus Alschner

Die Teilnehmer des Projekts, Studierende im Alter von 19 bis 30 Jahren, hatten eine Exkursion zum ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen unternommen. Gestern berichteten Dora Liersch, Vorsitzende des Historischen Heimatvereins, und Steffen Krestin, Leiter des Stadtmuseums, über die Vergangenheit der Juden in Cottbus.
Dora Liersch beschrieb zum Beispiel den Werdegang der jüdischen Siedlung in Groß Gaglow, wo ein landwirtschaftliches Gemeinschaftsprojekt entstehen sollte. 1932 wurde eines der Häuser von den Nazis in die Luft gesprengt, berichtete die Heimatforscherin, „mit der Machtübernahme der Nazis erfolgte die Auflösung der Siedlung. Wo die Bewohner geblieben sind, weiß niemand. Das Siedlungsprojekt ist bis heute nicht historisch aufgearbeitet.“
Dora Liersch schilderte den jungen Zuhörern auch, dass den amerikanischen Atlantik-Überfliegern, die noch in den 20er-Jahren bei einer Landung nahe Cottbus bejubelt worden waren, die Ehrenbürgerschaft der Stadt Cottbus 1933 auf Beschluss der Stadtverordneten aberkannt wurde. An ihrer Statt wurde ein anderer zum Ehrenbürger von Cottbus ernannt: Adolf Hitler.
Steffen Krestin appellierte an die Kollegiaten, die lokale jüdische Geschichte aufzuarbeiten und wachzuhalten: „Wir müssen damit umgehen, dass dies hier passiert ist.“ Jüdische Mitbürger in Cottbus, die Opfer des Völkermordes wurden, „hatten Gesichter, Namen und Adressen, lebten Haustür an Haustür mit anderen Bürgern“ .
Zum Erinnern im Jubiläumsjahr diene die „Stolperstein“ -Aktion, erklärte Krestin. Wo einst Juden in Cottbus lebten oder jüdische Geschäfte standen, sollen im Boden eingelassene Steine an ihre Namen und Lebensschicksale erinnern.
Im Gespräch fragten die Studierenden unter anderem nach der neuen jüdischen Gemeinde in Cottbus, nach Einrichtungen, wo deren Mitglieder Gottesdienste feiern, und danach, wie die Cottbuser der neuen jüdischen Gemeinde begegneten.
Dora Liersch erwiderte, dass es sich bei den Mitgliedern der neuen jüdischen Gemeinde um Russlanddeutsche handle. Problematisch sei, dass sie nur über spärliche Deutsch-Kenntnisse verfügten, selbst die Jüngeren. Das erschwere die Kontaktpflege, gerade von Seiten der Kirchen sei viel getan worden, um Kontakte aufzubauen.
Geschichtslehrerin Ramona Gellner widersprach: Auf eigener Unterrichts-Erfahrung wisse sie, dass der größte Teil der Kinder der neuen jüdischen Gemeinde in Cottbus lebhaft daran interessiert sei, die deutsche Sprache zu erlernen.

Hintergrund Das Cottbus-Kolleg
 Das Cottbus-Kolleg ist eine Bildungseinrichtung, die Erwachsene aus Cottbus und Umgebung in Tages- und Abendkursen zum Abitur führt. Zurzeit werden 305 Studierende im Alter von 19 bis 47 Jahren unterrichtet, berichtete Leiterin Cornelia Krestin. Projekte wie das derzeitige liefen das ganze Jahr über. Gerade das Aufarbeiten der eigenen Geschichte stoße auf großes Interesse. Frühere Gruppen unternahmen auch Exkursionen zu den Lagern in Auschwitz und Theresienstadt.