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Insektensterben
Balkon-Utopia für Insekten

Kolkwitz. Kolkwitzer Naturschutzverein gibt Tipps zur insektenfreundlichen Bepflanzung. Von Stephan Meyer

Eine im Oktober veröffentlichte Studie belegt ein dramatisches Insektensterben. Der Naturschutzverein der Großgemeinde Kolkwitz setzt sich bereits seit Langem mit dem Thema auseinander. Die Naturschützer geben Garten- und Balkonbesitzern Ratschläge, wie auch sie einen Beitrag zum Erhalt der Insektenvielfalt leisten können. Insbesondere bei bei Fluginsekten, wie Schmetterlingen, Wildbienen und Nachtfaltern, gibt es, laut der Studie, einen Verlust von mehr als 75 Prozent.

Vereinsmitglied Andreas Strauß schlussfolgert das Insektensterben in der Lausitz unter anderem aus dem Rückgang von Störchen und Amphibien „Das hängt damit zusammen, dass die Tiere ein, zwei Stufen über den Insekten in der Nahrungskette sind“, erklärt der Naturschützer. Wenn diese keine Nahrung fänden, gehe deren Bestand ebenfalls zurück.

Ursachen für das massive Sterben sieht die Studie, wie auch Strauß, zum Teil in intensiv betriebener Landwirtschaft und einem massiven Einsatz von Pestiziden. Auch die Bebauung von Wildwiesen sei mitverantwortlich. „Besonders Wildbienen haben einen kleinen Einzugsradius und sind an eine Pflanze gebunden“, so Strauß. Wird eine Wildwiese bebaut, verlören sie ihre Nahrungsgrundlage.

Um die Situation der Insekten zu verbessern, hat der Kolkwitzer Naturschutzverein Tipps herausgearbeitet. Wichtig sei es, den Tieren ein durchgängiges Nahrungsangebot zu bieten. Vor allem junge Hummelköniginnen seien bereits ab Februar unterwegs. Mit Frühlingsblühern wie Krokus, Primel oder Weide würden sich deren Überlebenschancen ungemein erhöhen. Viele Zwiebelpflanzen könnten jetzt noch gesteckt werden.

„Wild ist Trumpf“, ist der zweite Ratschlag des Vereins. Stark spezialisierte Insekten, wie Wildbienen, seien vor allem auf heimische Pflanzen angewiesen. Glockenblumen, Königskerzen und Kartäusernelken würden sich besonders eignen. Jene Pflanzen gäbe es aber leider nur in ausgewählten Gärtnereien. Nutzlos hingegen ist die Geranie. „Sie produziert weder Pollen noch Nektar“, sagt Strauß. Ein Modellbalkon des Vereins gibt weitere Hinweise für eine insektenfreundliche Bepflanzung. Neben Nahrung benötigen Insekten Nistmöglichkeiten. Eine kleine Ecke mit Lehm, ein verrottender Baumstamm oder Totholzhecken reichen schon aus, um den Tieren ein zu Hause bieten zu können.