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| 14:58 Uhr

Angeschlagene Handelskette
Was wird aus Real in Kolkwitz?

 Ein Werbebild zeigt, dass die Real-Märkte auf Papiertüten setzen.  Foto: Carlos Albuquerque/real GmbH/obs
Ein Werbebild zeigt, dass die Real-Märkte auf Papiertüten setzen. Foto: Carlos Albuquerque/real GmbH/obs FOTO: obs / Carlos Albuquerque
Kolkwitz. Was bringt die Zukunft für den Real-Markt in Kolkwitz? Immer wieder gibt es Gerüchte um eine Schließung. Der Eigentümer steckt mitten in Verkaufsverhandlungen. Dabei geht es auch um die Jobs von 98 Menschen. Die RUNDSCHAU hat nachgehakt. Von Peggy Kompalla

Es rumort seit Monaten unter der Belegschaft des Kolkwitzer Real-Marktes, immer wieder neue Gerüchte flackern in den sozialen Netzwerken auf. Sie reichen von einer Schließung des Standortes bis hin zu einer Übernahme der Filiale durch Kaufland. Aber Gewissheit gibt es bislang keine.

Auf RUNDSCHAU-Nachfrage gibt es von der Metro AG bislang nur vage Antworten. Die Real-Märkte gehören zu dem Konzern, der sich auf Großhandel und Lebensmittelvertrieb spezialisiert hat. Eine Konzernsprecherin erklärt: „Die Gespräche zwischen Metro und Redos laufen sehr gut, deswegen werden sie jetzt fortgeführt.“ Dies unterstreiche die Ernsthaftigkeit der Gespräche auf beiden Seiten. Derzeit gehe es ums Detail. Wie diese aussehen könnten, ließ sich die Sprecherin nicht entlocken. Nur soviel: „Dafür finden auch bereits Vorgespräche mit dem Bundeskartellamt statt, um die Optionen zur Umsetzung des Konzepts auszuloten.“

Käufer sieht sich selbst als Immobilienspezialist

Redos bezeichnet sich selbst als „führenden, unabhängigen Spezialisten für großflächige Einzelhandelsimmobilien“. Demnach investiert die Gruppe deutschlandweit in Handelsimmobilien und richtet sie neu aus. Was das für die Real-Kette im Ganzen und für den Standort in Kolkwitz im Einzelnen bedeutet, bleibt auch nach Monaten der Verhandlungen unklar.

Das bestätigt Heike Plechte. Sie ist die Bezirksgeschäftsführerin der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Cottbus. Sie kehrte erst jüngst wenig optimistisch von einer Gesamtbetriebsrätekonferenz der Handelskette zurück. „Die Situation ist sehr bescheiden und die Zukunft der Beschäftigten ungewiss.“ Nichtsdestotrotz haben die Gewerkschafter Forderungen aufgemacht. Dazu gehört neben der Sicherung der Arbeitsplätze und der Tarifverträge auch, dass keine Filialen an selbstständige Kaufleute ausgegliedert werden.

Metro-Chef rechnet mit Abgaben

Metro-Chef Olaf Koch hatte noch im Mai versichert, dass ein Kern des Unternehmens auch nach einem Verkauf erhalten bleiben solle. Doch er ließ schon damals gegenüber der Deutschen Presseagentur keinen Zweifel daran, dass es unter dem neuen Eigentümer zu signifikanten Veränderungen am Geschäftsmodell und in der Kostenstruktur kommen werde. Metro-Chef Koch ließ durchblicken, dass sich die Zahl der Real-Markt-Standorte verändern werde. Der Manager räumte ein: „Es wird zu Abgaben kommen. Das ist auch wirtschaftlich vernünftig.“

Auf Lohn verzichtet für das Unternehmen

In den Ohren der Gewerkschafterin klingt das wie Hohn. Heike Plechte erklärt: „Die Real-Mitarbeiter haben sich auf einen Zukunftstarifvertrag eingelassen und damit bereits in den vergangenen zwei Jahren auf Geld zugunsten des Unternehmens verzichtet und jetzt werden sie so hängen gelassen.“ In der gesamten Handelskette sind demnach 34 000 Menschen beschäftigt.

Gewerkschafterin Plechte kritisiert: „Es war eigentlich die Absicht, eine Lösung aus einer Hand zu finden. Die sehe ich bei Redos nicht.“ Angesichts der Verhandlungspartner sagt sie realistisch: „Um die Filetstücke wird man sich streiten. Dabei ist es leider nicht ausgeschlossen, dass es zu Schließungen kommen wird.“

Filetstück oder nicht?

Ob Kolkwitz ein Filetstück ist, bleibt abzuwarten. In der Region gebe es generell zu viele Verkaufsflächen. Allerdings ist der Real-Standort in Kolkwitz gut etabliert, mit einer treuen Stammkundschaft, wie die Gewerkschafterin betont. „Auch die Kombination des Standortes mit dem Discounter Aldi bedeutet für die Kunden eine Sortimentvielfalt.“

Heike Plechte rechnet nicht vor Ende des Jahres mit einer Entscheidung zum Verkauf.

17 Filialen in Brandenburg und Berlin

Der Real-Markt in Kolkwitz ist der einzige Standort der Handelskette in der Lausitz. Weitere Filialen in Brandenburg befinden sich in Frankfurt (Oder), Brandenburg an der Havel, Potsdam, Wildau, Schwedt, Falkensee, Teltow, Finowfurt, Neuruppin, Gosen, Rangsdorf und Pritzwalk. In Berlin betreibt die Kette weitere sechs Filialen.

Wettbewerber wie Edeka, Rewe, Globus oder auch Kaufland hatten im Laufe der Verkaufsverhandlungen ihr Interesse an der Übernahme von Teilen des Real-Filialnetzes signalisiert.