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| 18:44 Uhr

Cottbus
Knatsch um das Stadtmarketing

Blick aufs Cottbuser Stadtfest aus der Vogelperspektive. Archivfoto:M. Helbig
Blick aufs Cottbuser Stadtfest aus der Vogelperspektive. Archivfoto:M. Helbig FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Der Altstadtverein will aus dem Verband zum Jahresende austreten. Als Begründung führen die Gewerbetreibenden ein zu geringes Engagement für die Innenstadt an. Von Peggy Kompalla

Was macht gutes Stadtmarketing aus? Genau an dieser Frage scheiden sich in Cottbus die Geister. Die Gewerbetreibenden des Altstadtvereins sind mit der Arbeit am Image von Cottbus und der Fürsorge für die Innenstadt unzufrieden. Deshalb will der Verein zum Jahresende aus dem Stadtmarketing- und Tourismusverband austreten. Das hat der Vorstand beschlossen. Die 30 Mitglieder werden bei ihrer Versammlung im Oktober darüber endgültig entscheiden. Der Frust ist groß. Verbands-Geschäftsführerin Gabi Grube irritiert die harsche Kritik. Trotzdem sagt sie: „Die Tür bleibt offen.“

Das Bild von Cottbus hat in den vergangenen Monaten stark gelitten. Die Folgen spüren die Gewerbetreibenden. Es kommen weniger Menschen in die Stadt, sagt Michael Hiersemann vom Altstadtverein. Der Geschäftsmann berichtet: „Wir haben Kunden von außerhalb, die uns fragen: Wisst Ihr eigentlich, wie über Euch geredet wird?“ In der Darstellung nach außen sei viel zu wenig dagegen unternommen worden. „Das Stadtmarketing muss sich um das Image kümmern“, betont Hiersemann. Dazu gehöre eben auch, sich tatsächlich um die Belange der Innenstadt zu kümmern, die das Bild prägt. „Wenn die Besucher nach Cottbus kommen, dann kommen sie in die Altstadt.“

Aus Sicht des Vereins kapriziert sich der Verband auf die falschen Dinge. Michael Hiersemann kritisiert: „Das Stadtmarketing denkt sich ein Leitbild und ein Logo aus. Die Kraft wird in Dinge gesteckt, die der Stadt nichts nutzen. Wir als Vertreter der Altstadt fühlen uns im Verband nicht repräsentiert.“ Deshalb habe der Vorstand des Altstadtvereins – auch angesichts des eigenen kleinen Budgets – nun die Konsequenzen gezogen.

Gabi Grube sagt dazu: „Das Argument, wir würden nicht genügend für die Gastronomen und Händler tun, können ich und mein Vorstand nur schlecht nachvollziehen.“ Sie zählt Projekte auf, die der Stadtmarketingverband in den vergangenen Jahren auf den Weg gebracht oder mit weiteren Partnern unterstützt hat: die Beleuchtung von Oberkirche und Stadtmauer, der gedruckte und der digitale Einkaufsführer, der Kunst-Genuss-Markt, die Öffnung des Spremberger Turms, die Veranstaltungsreihe „Guten Morgen, Cottbus“, der Cottbuser Geschenkgutschein. „Nicht zu vergessen die Walzernacht, für die wir die Partner in der Gastronomie lange überreden mussten“, ergänzt Gabi Grube. „Diese Veranstaltung ist aber das beste Beispiel, was Schönes entstehen kann, wenn man über seinen Schatten springt.“

Für den Altstadtverein ist das Stadtmarketing dagegen zu unsichtbar. „Wenn irgendetwas ist, dann wenden sich die Leute an Gottfried“, moniert Michael Hiersemann und zeigt auf Altstadtmanager Gottfried Lindner. Er kümmert sich um die Belange der Altstadt, ist Mittler zwischen Gewerbetreibenden und Verwaltung – wenn der Streusand nach den Wintermonaten noch liegt, die Papierkörbe überquellen oder Schmierereien die Innenstadt verunstalten. Diese Aufgaben sieht der Verein viel mehr bei der Stadt. „Uns würde ein Citymanager gut zu Gesicht stehen“, betont Michael Hiersemann.

Das wehrt Gabi Grube ab. Sie stellt klar, dass der finanzielle Zuschuss des Verbandes nicht größer als der für das Planetarium sei – also schätzungsweise 50 000 Euro. „Bei der Kassenlage der Stadt wird das auch auch nicht mehr“, sagt die Geschäftsführerin und ergänzt: „Die Erwartungen der ganzen Stadt sind riesengroß. Die Möglichkeiten, Einnahmen zu erzielen dagegen gering.“ Mit nur einer hauptamtlichen Kraft seien die Möglichkeiten zudem begrenzt. Zum Vergleich: Die Pressestelle der BTU weist allein vier Ansprechpartner auf.

Den Vorwurf, dass sich das Stadtmarketing zu sehr den strategischen Dingen wie dem Leitbild widmet, weist Gabi Grube vor allem angesichts der Projektliste von sich. „Das Leitbild ist ein wichtiger Baustein, auf den sich alle beziehen – von der Stadtentwicklung über den Tourismus bis zur Studierendenwerbung.“

Die Arbeit des Stadtmarketingverbandes umfasse viel mehr Aufgaben als das reine Innenstadtmarketing. „Da ist der Altstadtverein als Partner und Bindeglied gefragt“, sagt Gabi Grube und ergänzt: „Und zwar als Impulsgeber und Motivator.“ Deshalb hofft die Marketingchefin auf ein Einlenken: „Wenn wir uns entzweien, dann wird es noch schwieriger, Neues auf den Weg zu bringen.“

In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass dem Stadtmarketingverband ein Jahresbudget von 150 000 Euro zur Verfügung stünde. Das ist falsch, wie Geschäftsführerin Gabi Grube erklärt. Tatsächlich umfasse das Budget nur 50 000 Euro. „Mit der eins davor, ließen sich zahlreiche Probleme lösen. Auch ein Citymanager wäre sicher möglich“, sagt sie.