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Kletterfelsen aus der "Platte"

Und so ähnlich könnte der Felsen aussehen: Das Foto zeigt eine Anlage in Leipzig.
Und so ähnlich könnte der Felsen aussehen: Das Foto zeigt eine Anlage in Leipzig. FOTO: Joeb07/wikipedia
Cottbus. Er soll der erste Kletterfelsen auf einem Universitäts-Campus in Deutschland werden. Etwa 700 Betonplatten müssen dafür auf ein Areal am Sportplatz der BTU in Cottbus gebracht werden. Die Platten werden übereinandergeschichtet, sodass das Bauwerk gut 20 Meter hoch wird. Christian Taubert

"Wir wollen einen echten Leuchtturm schaffen - attraktives und funktionales Gegenstück zum IKMZ", sagt Professor Angelika Mettke, die das Projekt koordiniert. Ein hoher Anspruch für den "Kletterfelsen aus der Platte", der an den Unisportplatz angedockt und von der Sielower Landstraße aus gut zu sehen sein wird. Wenngleich es die BTU nicht mit den Baseler Stararchitekten Herzog & de Meuron und ihrer 36 Meter hohen futuristischen Uni-Bibliothek auf der anderen Straßenseite aufnehmen will, so soll das zu errichtende Bauwerk vielen Nutzern in Cottbus, Umgebung und Nachbarländern zugutekommen.

Die Euphorie bei den Akteuren ist groß. Auch beim Leiter Hochschulsport an der BTU Bernhard Laws. Er hat als Kletterexperte schon 2002 auf einen Kletterfelsen in Cottbus-Sachsendorf gehofft. Doch das auch von der Stadt befürwortete Projekt scheiterte damals.

Die Initialzündung für den neuerlichen Anlauf hat es für Laws und Mettke gegeben, als sie nahe dem Uni-Gelände auf abgelagerte Betonplatten aufmerksam wurden. Gut 400 Straßenbauplatten. Ein Potenzial, das beide unbedingt nutzen wollten. Mehrere Gestaltungsformen für den Kletterfelsen sind im Arbeitsgebiet Bauliches Recycling und im Fachgebiet Plastisches Gestalten unter Leitung von Prof. Jo Achermann entwickelt worden. Erste Entwürfe für den Kletterfelsen liegen vor, sollen aber erst später und gemeinsam präsentiert werden. Mehrere Säulen mit unterschiedlicher Höhe, einem Kamin, einer Bilderwand für Kinder und einem überbauten Indoorbereich sollen die Entwürfe prägen. Erste Kostenschätzungen liegen bei einem niedrigen sechsstelligen Betrag, der aus Landeszuschüssen, Spenden und durch Sponsoren erbracht werden soll. Im Rahmen einer Bachelorarbeit, betreut von Professor Wichter, wird zurzeit der Baugrund für den zu errichtenden "Koloss von Cottbus" untersucht.

Professor Mettke ließ inzwischen die Qualität der Platten in der FMPA - Materialprüfer auf dem Campus - prüfen. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass einer Weiterverwendung nichts im Wege steht. Als schließlich das OK von den Materialprüfern auf dem Campus gekommen war, "haben wir unseren Ideen freien Lauf gelassen und das Projekt Kletterfelsen zu Papier gebracht".

Die erste Präsentation hat nicht nur den BTU-Präsidenten Professor Jörg Steinbach begeistert, weiß Angelika Mettke. "Der Kletterfelsen wäre ein Gewinn für den Breiten- und Wettkampfsport", schrieb der Geschäftsführer des Deutschen Alpenvereins Olaf Tabor an BTU-Sportchef Laws. Vor dem Hintergrund, dass in Cottbus auch nationaler und internationaler Wettkampfsport stattfinden könnte, "dürfte der Kletterfelsen für ihre Universität eine lohnende Investition sein".

Dabei kommt den Cottbusern zugute, dass Klettern auf der Wunschliste der Ausrichter der Olympischen Sommerspiele in Tokio 2020 steht, also durchaus ins olympische Programm aufgenommen werden könnte. An der BTU gehört das Klettern ohnehin seit Jahren zu den boomenden Sportarten. Seit dem Bau der Indoor-Kletterwand in der Sporthalle Mitte der 2000er-Jahre hat sich die Teilnehmerzahl an Kletterkursen mehr als vervierfacht.

Zudem eröffnet sich für das Duo Mettke/Laws die Chance, ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen. Für Studenten und Schüler der Stadt würde sich das Sportangebot ebenso attraktiv erweitern, wie das Training des Technischen Hilfswerkes und für den Breitensport mit den Bereichen Therapie, Inklusion und Integration. Angelika Mettke will für dieses Projekt die Uni und die ganze Stadt einbinden.

Zum Thema:
Zur Wiederverwendung von Betonplatten hat Angelika Mettke schon in den 1980er-Jahren geforscht. Damals ist es gelungen, eine Stahlbetonhalle im Tagebau zu demontieren und sie fünf Kilometer weiter in Lauchhammer wieder aufzubauen. Seither hat sie das Thema nicht losgelassen. Sie schrieb ihre Doktorarbeit 1994 an der BTU in Cottbus zur Wiederverwendung von Betonplatten, übernahm später den Lehrstuhl Bauliches Recycling und wies an vielen Projekten bundesweit den Nutzen der "alten Platte" nach. Für ihr Wirken erhielt sie kürzlich den Deutschen Umweltpreis. Zurzeit ist Prof. Angelika Mettke als eine Kandidatin für den Cottbuser des Jahres nominiert.

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