ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:52 Uhr

Hier kommt noch alles frisch auf den Tisch
Frische Kita-Küche macht Appetit auf mehr

 Köchin Ina Schimang ist immer die erste in der  Küche der Kita „Essohlinos“ in Klein Döbbern.
Köchin Ina Schimang ist immer die erste in der Küche der Kita „Essohlinos“ in Klein Döbbern. FOTO: LR / LR Beate Möschl
Cottbus/Neuhausen. SOS-Kinderdorf Lausitz bringt Tradition des frischen Selber Kochens mit Kita-Ausbau in Sandow auch nach Cottbus. Von Beate Möschl

Wie kommt eine Großstadt dazu, sich an einer Gemeinde aus dem Landkreis Spree-Neiße ein Beispiel zu nehmen? Geht es nach Claudia Trojan, wäre das nur folgerichtig, „wenn man es ernst meint mit der Gesundheit unserer Kinder“. Die Leiterin des SOS Kinderdorfs Lausitz in Cottbus hat sich durchgesetzt mit ihrem Konzept für eine Krippen- und Kita-Kombination mit 80 Plätzen im ehemaligen Ärztehaus in Cottbus-Sandow. Damit steht fest: Das SOS-Kinderdorf Lausitz wird der nächste freie Träger sein, der für seine Krippen- und Kita-Kinder in Cottbus auch selbst kocht. Noch ist die Kita nicht eröffnet. Die Umbauarbeiten verzögern sich. Statt im Sommer 2020 wird sie voraussichtlich erst 2021 fertig sein.

Azubi lernt in Klein Döbbern

„Es hieß erst, selber kochen ist in Cottbus eigentlich nicht üblich, denn hier übernehmen zum Großteil verschiedene Caterer die Essenversorgung. Aber bei SOS-Kinderdorf gehört die eigene Küche zum Konzept“, schildert Claudia Trojan und berichtet, dass der Verein und Kita-Träger schon ab September den ersten Koch für seine künftige Kita-Küche in Cottbus ausbilden wird. Und zwar in der Kita „Essohlinos“ des SOS-Kinderdorfes Lausitz in Klein Döbbern (Gemeinde Neuhausen/Spree). „Die IHK Cottbus war vor Ort. Unsere Kita-Küche in Klein Döbbern ist als Ausbildungsstätte anerkannt“, berichtet Trojan. Köchin Ina Schimang ist ausbildungsberechtigt. Mit Manja Senftleben steht ihr eine ausgebildete, erfahrene Diät-Köchin zur Seite. Unterstützt werden beide von Küchenhelferin Silvia Koschmidra.

Gemeinde: Wenn dann für alle

Das Küchenteam wird von der Gemeinde bezahlt – eine Übereinkunft mit Geben und Nehmen wie Claudia Trojan und Torsten Schwieg, Amtsleiter Haupt-, Ordnungs- und Finanzverwaltung der Gemeinde Neuhausen/Spree, schildern. Denn in der Kita-Küche in Klein Döbbern wird nicht nur für die „Essohlinos“- gekocht, sondern auch für die beiden kommunalen Kitas der Gemeinde. „Das SOS-Kinderdorf Lausitz ist damals an uns herangetreten und hat gesagt, wir möchten in der Kita gern frisch kochen. Wir haben gesagt, gut, aber es muss finanzierbar sein“, schildert Schwieg und fügt an: „Der Verein hat sich sehr großzügig daran beteiligt, und uns war wichtig, dass wir für alle Kita-Kinder in der Gemeinde ein frisches, gesundes Angebot sichern.“ Das klappt wie am Schnürchen.

 Ritual am Morgen: Die Kinder  holen das Frühstück für ihre Gruppe bei Köchin ina Schimang ab.Am Donnerstag gibt es Puddingsuppe,  warm aus dem Topf, und Zwieback  oder Müsli mit Haferflocken, Nüssen,   frischem Obst und Milch.
Ritual am Morgen: Die Kinder holen das Frühstück für ihre Gruppe bei Köchin ina Schimang ab.Am Donnerstag gibt es Puddingsuppe, warm aus dem Topf, und Zwieback oder Müsli mit Haferflocken, Nüssen, frischem Obst und Milch. FOTO: LR / LR Beate Möschl

 Die Kinder mögen, was Ina Schimang, Manja Senftleben und Silvia Koschmidra für sie anrichten. Die Eltern haben das Lob in ihrem Namen für  das Küchenteam aufgeschrieben.
Die Kinder mögen, was Ina Schimang, Manja Senftleben und Silvia Koschmidra für sie anrichten. Die Eltern haben das Lob in ihrem Namen für das Küchenteam aufgeschrieben. FOTO: LR / LR Beate Möschl

Ganz frisch und mit Liebe gekocht

 Überraschung am Nachmittag: Es gibt Eis für die „Asthüpfer“-Gruppe.
Überraschung am Nachmittag: Es gibt Eis für die „Asthüpfer“-Gruppe. FOTO: LR / LR Beate Möschl

Claudia Trojan lobt die Aufgeschlossenheit und Zuverlässigkeit der Gemeindeverwaltung. Die Küchen-Personalfragen hat sie im Sinne des Vereins und der Gemeinde in ihrer gewohnt engagierten Art im ersten Schritt mithilfe der Agentur für Arbeit und des Jobcenters gelöst – und mit einer gehörigen Portion Glück, wie sie sagt. Denn dass Manja Senftleben eine ausgebildete Diät-Köchin ist, hatte damals keiner ahnen können. Sie ist inzwischen fest angestellt, glücklich im Job, und so wie das ganze Team mit Leidenschaft bei der Sache. Kein Wunder also, dass das Klein Döbberner Kita-Essen Begehrlichkeiten weckt. „Die Gemeinde hat schon gefragt, ob wir nicht auch für die Grundschule und den Hort in Laubsdorf kochen können. Das schaffen wir mit unserer kleinen Kita-Küche aber nicht“, sagt Trojan.

Für die Gemeinde Neuhausen wiederum zahlt sich das Engagement des freien Kita-Trägers mehrfach aus. „Wir haben auch schon früher bei der Lieferung von Essen immer etwas dazu gelegt“, schildert Schwieg. Nun sei der Zuschuss insofern gut angelegt, als am Ende eine sehr gute, gesunde Essen-Qualität herauskommt. Kinder und Eltern sind zufrieden. 150 bis 200 Mittagessenportionen werden täglich in der Kita Klein Döbbern gekocht. Mit frischen Zutaten. Fertigprodukte kommen hier nicht auf den Tisch.

Probierfreudige Kinder

„Unsere Kinder essen gut, sie sind überhaupt nicht mäkelig“, berichten Ina Schimang und Manja Senftleben aus der „Essohlinos“-Kita-Küche. „Es ist schön, dass wir ihnen schon frühzeitig beibringen können, dass gesundes Essen auch schmecken und einfach zubereitet werden kann“, sagen sie. Dabei nehmen sie die Knirpse durchaus mit an den Kochtopf oder den Backofen und zeigen ihnen, wie es geht. „Wir backen auch das Brot zu Suppen und Eintopf selber und Brötchen zum Frühstück. Wir mahlen sogar das Mehl selbst, achten auf Vollkorn und viel Gemüse, bieten auch vegetarische Gerichte an und backen mit Honig statt Zucker“, ergänzt Manja Senftleben.

„So können wir auch auf Unverträglichkeiten und Allergien Rücksicht nehmen, und jederzeit variieren. Zum Beispiel an Hitzetagen auch mal Schorlen machen oder Pfefferminztee kochen, wenn die Küche schon zu hat“, schildert Kita-Leiterin Monique Rigo, und sagt: „Es ist wirklich erstaunlich, was die Kinder alles probieren wollen und essen.“ Die eigene Küche sei „ein Paradebeispiel für Gesundheitserziehung in Kitas“. Schon das Frühstück wolle keines der Kinder verpassen.

Gemeinsam und in Ruhe essen

„Das ist bei uns wie zu Hause. Die Kinder decken den Tisch, schön mit Brötchenkorb, Vollkornbrot und Käseteller oder verschiedenem, selbst gemachtem Brotaufstrich aus der Küche. Es gibt auch Wurst-Tage oder mal Eier. Und es steht immer ein Blümchen mit auf dem Tisch, denn die Augen essen ja mit“, schildert Monique Rigo. „Es gibt einen kleinen Tischspruch und ein ‚Guten Appetit‘.“ Der Tisch werde gemeinsam wieder abgeräumt. Der Tischdienst, der das Essen aus der Küche geholt hat, bringt den Essenwagen mit dem leeren Geschirr wieder zurück in die Küche. Beim Essen aufstehen und spielen gehen, während die anderen noch am Tisch sitzen und essen, „so etwas gibt es bei uns nicht“, sagt Rigo. „Wir achten auf Ruhe und Gemeinsamkeit während der Mahlzeiten. Das ist das klassische Vermitteln von Normen und Werten.“