| 17:08 Uhr

Allgemeinmediziner Klaus-Dieter Neumann in Gallinchen
Ein Leben für die Patienten

Immer freundlich und zugewandt – so kennen und schätzen die Gallinchener ihren Doktor Klaus-Dieter Neumann.
Immer freundlich und zugewandt – so kennen und schätzen die Gallinchener ihren Doktor Klaus-Dieter Neumann. FOTO: Elsner / LR
Cottbus. Klaus-Dieter Neumann wird am Sonntag 80 Jahre alt und praktiziert immer noch als Arzt. Von Ulrike Elsner

Ein kleines Schild an der Gallinchener Hauptstraße weist auf die Arztpraxis von Klaus-Dieter Neumann hin, die ansonsten leicht zu übersehen wäre. Am 1. April 1975 hat der Facharzt für Allgemeinmedizin die Praxis, damals noch in einem anderen Gebäude, übernommen. Jetzt schickt er sich an, sein Lebenswerk und damit die Verantwortung für 2500 Stammpatienten aus Gallinchen, Frauendorf, Groß Oßnig, Groß und Klein Döbbern in jüngere Hände zu geben. Am Sonntag feiert Klaus-Dieter Neumann seinen 80. Geburtstag. Ganz aufhören will er auch nach der Praxisübergabe allerdings noch nicht. „Wenn mein Nachfolger Urlaub hat, vertrete ich ihn“, sagt Neumann freundlich aber bestimmt.

50 Jahre hat der Arzt praktiziert, davon 43 Jahre in Gallinchen, hat seine Patienten mehr als ein halbes Leben lang begleitet und schätzt noch heute, in dem ländlich geprägten Ortsteil einfach näher dran zu sein an den Menschen. „Die Leute sind froh, dass sich jemand Zeit für sie nimmt und mit ihnen spricht“, sagt Ehefrau Christina. Die Rentnerin gehört irgendwie mit zur Praxisgemeinschaft, versorgt nicht nur ihren Mann, sondern auch die Arzthelferinnen Jeanette und Nicole hin und wieder mit Hackepeter-Brötchen. Im Gegenzug füllen die Schwestern stets und ständig das Schokoladen-Körbchen des Doktors.

„Mein einziges Laster“, gibt der 80-Jährige zu. Geraucht und getrunken habe er jedenfalls nie und empfiehlt das auch als Regel für ein langes gesundes Leben. „Vielleicht hätte ich mehr Sport treiben sollen“, stellt er etwas wehmütig fest. „Aber ich hatte keine Zeit.“ Beim zweiten Satz macht sich der Schalk wieder breit in den Augen des Mannes, dessen Lieblingsautoren – wen wundert’s – Wilhelm Busch und Joachim Ringelnatz sind.

Auf dem Bewertungsportal Jameda schätzen die Patienten den Arzt als „nett und kompetent“ ein. „Er nimmt sich Zeit für seine Patienten und ist ein sehr vertrauenswürdiger Arzt", heißt es da. Und: „Man verlässt die Praxis irgendwie immer mit einem Lächeln.“

Eigentlich habe er Kinderarzt werden wollen, räumt Klaus-Dieter Neumann ein. Nach einer Ausbildung zum Textilveredler, dem Abitur an der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät und der Armeezeit hat der gebürtige Briesker, der in Kolkwitz aufgewachsen ist, in Halle Medizin studiert. Die einzige Kinderarztstelle in seinem Jahrgang ging an einen anderen. Die Entscheidung für die Facharztausbildung war folgerichtig. „Da haste Kinder und Alte“, erläutert Neumann seinen Gedankengang.

Als er die Gallinchener Praxis übernahm, war sie schon sieben Jahre mit wechselnden Vertretungsärzten besetzt. „Bleiben Sie auch nur drei Wochen?“, wollte ein Patient damals wissen. „Kommt drauf an, wie Ihr mich behandelt“, war Neumanns Antwort. 43 Jahre beweisen: Sie haben ihn gut behandelt. Er sie aber auch. „Er ist Arzt mit Leib und Seele“, sagt Christina Neumann. „Er lässt nie den Chef raushängen und ist immer für die Patienten da“, sagt Schwester Jeannette. Schwester Nicole erinnert daran, dass der Doktor, wenn nötig, auch mal für Patienten in die Bereitschaftsapotheke fährt. Einmal habe er mit einem Kranken vier Stunden in der Notaufnahme gesessen, weil er ihn im Warteraum nicht allein lassen wollte.

Dr. Emanuel Buder ist Chirurg, Orthopäde und nach einer Ausbildung bei Klaus-Dieter Neumann nun auch Facharzt für Allgemeinmedizin. Der frühere Klinikarzt möchte die Praxis übernehmen und hat im Verlauf des vergangenen Jahres schon viele Patienten kennengelernt. Über seinen Mentor sagt der 48-Jährige: „Mich fasziniert am meisten, dass er im hohen Alter noch arbeitet und gute Arbeit leistet. Was er macht, hat Hand und Fuß, da gibt es nicht Überholtes, nichts Altbackenes. Und jeden Tag steht er da. Ich habe nie gehört, dass er laut wird. Und im Notfall greift er sogar zum Schneeschieber und schaufelt den Parkplatz frei.“

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