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Klare Spree: Um Himmels willen? Um der Sache willen

Die Talsperre Spremberg ist einerseits Auffangbecken für Eisen, löst aber wegen der anstehenden Sanierung auch neue Befürchtungen im Spreewald aus.
Die Talsperre Spremberg ist einerseits Auffangbecken für Eisen, löst aber wegen der anstehenden Sanierung auch neue Befürchtungen im Spreewald aus. FOTO: Back-Pictures
Vetschau. Der Verein "Klare Spree" löst sich nicht auf. Das haben die Mitglieder am Donnerstagabend in Vetschau beschlossen. Einigermaßen Klarheit brachte letztlich aber erst eine erneut aufreibende Debatte, die von den eigentlichen Aufgaben im Kampf gegen die Verockerung der Spree vor Spremberg und in den südlichen Zuflüssen des Spreewaldes weit entfernt war. Neuer Vorsitzender ist ein alter Bekannter. Jan Gloßmann

Sie machten mindestens drei Kreuze, damit es endlich zu Ende geht - zumindest mit dieser leidigen Mitgliederversammlung des Vereins "Klare Spree". Der löst sich nicht auf, wie zu vermuten gewesen war nach den jüngsten internen Querelen um Aufgaben und Personal. Eine doch deutliche Mehrheit der Vereinsmitglieder stimmte am Donnerstagabend im Brauhaus Vetschau für den Fortbestand. Anschließend gestaltete sich die Suche nach neuen Vereins-Arbeitern - der alte Vorstand hatte sich komplett zurückgezogen - erneut recht schwierig. Und zeitweise hatte sie gar absurde Züge.

Man muss wohl versuchen, die Leute zu verstehen. Sie wollen viel für die Region, sie fühlen sich ein wenig allein gelassen mit dem Riesenproblem Verockerung, weil es ihnen nicht schnell genug geht, wie Behörden und Regierungen reagieren. Manchem schwant, dass es wohl auch zu viel sein könnte. "Wir können keine zweite LMBV oder kein zweites Landesumweltamt aufmachen", sagte der Burger Jens Kießling. Einige, letztlich die Minderheit, waren eher dafür, die Arbeit auf das gleichnamige Aktionsbündnis zu beschränken, flexibler zu sein und klarer in den Aufgaben.

Und so absurd kann es zugehen im Verein: Da stimmt Steffen Franke aus Lübbenau für die Auflösung des Vereins, und kaum eine halbe Stunde später wird er allen Ernstes gefragt, ob er künftig im Vorstand mitarbeiten will. Natürlich wollte der Chef der Kahnfährgenossenschaft nicht, zunächst. Er wurde einfach später noch mal gefragt und stand, schwupps, auf dem Wahlzettel - um letztlich in einer Stichwahl um den fünften Vorstandsplatz der Burger Biologin Gisela Hovestadt zu unterliegen.

Man sollte den Leuten vor allem aber Anerkennung zollen, dass sie sich diese Quälerei antun. Nicht, weil sie da mit Millionen zocken könnten, sondern weil sie nicht weniger als das touristische Rückgrat einer ganzen Region vor - noch größerem - Schaden bewahren, wenn nicht gar retten wollen. Landesregierungen in Brandenburg und Sachsen, Behörden, Ämter, Institutionen, das lassen sie sich noch nicht ausreden, haben versagt und drohen erneut zu versagen. Fatal, wenn jetzt der Druck von unten nachließe. Der Dreck lagert in der Spree vor und in Spremberg einschließlich des Stausees, er schwappt drohend in den Fließen und Gräben, die in den Südumfluter und dann in den Spreewald fließen. Ab und an kommt in den Diskussionen der Hinweis, dass es doch um die Spree gehe.

Doch atemschwer, wie ein Fisch in der Eisenfracht, so "schwammen" die Vereinsmitglieder im Brauhaus in den Untiefen ihrer Hoffnungen, Wünsche und Ambitionen. Verein oder Bündnis? Wo liegen die Kompetenzen, im Vorstand (den es da noch nicht gab) oder im Bündnis-Beirat (der die fachliche Arbeit für sich reklamierte). Welche Struktur also, wer hilft wem, welches Geld gibt es eigentlich, welches - das sei betont - ehrenamtliches Personal? Man werde sich zusammensetzen, um das zu klären, wenn es doch endlich einen Vorstand gebe und die Kompetenzdebatten aufhörten. Um Himmels willen, sagte ein Beobachter.

Nein, um der Sache willen tun sie sich das an. Würden sie wohl antworten, wenn sie nicht mit sich selbst beschäftigt wären. Noch aber verplemperten sie Zeit. "Wir brauchen heute", sagte Versammlungsleiter Peter Stephan zu Beginn, "Entscheidungen, so wie beim Hoeneß-Prozess". Kurzer Prozess, knackig, klar. Nein, ins Gefängnis muss niemand. Aber sie fühlen sich manchmal wie Gefangene der überbordenden Aufgaben, Gefangene ihrer guten Tat, vor der viele eher zurückschrecken. Kaum war klar, dass es den Verein weiter geben soll, da ging das Gefeilsche um Vorstandskandidaten weiter. "Kann man sich hier noch leiden", fragte die Lübbenauerin Carola Krahl konsterniert, und Jens Kießling sagte: "Im Moment verpufft hier alles."

Eine erste Bremse lösten dann die Spremberger. Wieland Böttger, Wasserwirtschaftler, Nabu-Mann, stehe zur Verfügung, "für den Südraum" um die Stadt, die schon leidet an der Eisenfracht. Kai-Uwe Schulz, betroffener Anwohner vom Greifenhainer Fließ, ist erneut bereit, und wird dann doch nicht gewählt. Gisela Hovestadt lässt sich mehr oder minder überreden, Steffen Franke breitschlagen. Steffen Görtz, Anwalt und Fischer aus Lübben, ist nun auch dabei. Dann endlich: "Ich werfe meinen Hut in den Ring, aber es wird nicht auf Dauer sein." Peter Stephan, einst Geschäftsführer des Tourismusverbandes Spreewald, Mitinitiator und großer Helfer des Bündnisses, löste spontanen Beifall aus, als sei der Heilsbringer gefunden. Und weil Stephan kandidiert, war Winfried Böhmer aus Vetschau mit von der Partie. Vielleicht ist das die einzige Lösung, die funktionieren kann - zwei der drei Bündnis-Sprecher (850 Unterstützer) sind nun auch im Vorstand des Vereins (51 Mitglieder). Allerdings war ihre Sprecher-Kollegin Jana Eitner ja auch schon Vereinsvorsitzende. Aber um der Sache willen muss es jetzt gehen. Peter Stephan sagte: "Die Politik ist in vielen Dingen überfordert. Was zwischen Brandenburg und Sachsen passiert, kann so nicht weitergehen." Der Verein sei jedoch "nicht der Arbeiter für die öffentliche Verwaltung, die versagt hat".

Die Aufgaben, das wissen alle, werden nicht kleiner.

Weder für den Verein noch für das Bündnis.