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"Klappe – die Erste" für Zivilcourage

Die Workshop-Teilnehmer vergewissern sich anhand des Drehbuchs noch einmal, was in der nächsten Szene zu tun ist. Die Teilnehmer sind nicht nur für das Schauspielern verantwortlich. Unter anderem sorgen die Schüler auch für die Kameraaufnahmen und das Angeln des Tons.
Die Workshop-Teilnehmer vergewissern sich anhand des Drehbuchs noch einmal, was in der nächsten Szene zu tun ist. Die Teilnehmer sind nicht nur für das Schauspielern verantwortlich. Unter anderem sorgen die Schüler auch für die Kameraaufnahmen und das Angeln des Tons. FOTO: mey
Cottbus. Unter dem Motto "Wir drehen durch!" hat das Menschenrechtszentrum Cottbus diese Woche einen Filmworkshop für Jugendliche veranstaltet. Mit Unterstützung von Regisseur und Workshop-Leiter Erik Schiesko drehten die Schüler einen Kurzfilm zum Thema Zivilcourage. Das Menschenrechtszentrum bewirbt sich mit dem Beitrag beim Cottbuser Filmfestival. Stephan Meyer

Diese Woche wurde das Cottbuser Menschenrechtszentrum zu einem Filmstudio. Im Rahmen eines Workshops drehten zehn Jugendliche einen Kurzfilm zum Thema Zivilcourage. Geleitet wurde der Workshop von "Blaue Stunde"-Regisseur Erik Schiesko. "Ich mache ein bis zwei Filmworkshops pro Jahr. Es geht darum, dass die Jugendlichen die Abläufe kennenlernen und eigenständig drehen."

Einigen Teilnehmern waren die Abläufe jedoch nicht völlig fremd. "Das ist jetzt mein dritter Workshop", erzählt der 15-jährige Anton-Philipp Marschall. "Letztes Jahr haben wir einen Stop-Motion-Film mit Lego gemacht. Damals war ich für Ton und Licht verantwortlich, dieses Jahr wollte ich mich beim Schnitt ausprobieren." Der junge Cottbuser interessiert sich eher für den technischen Aspekt des Filmedrehens. "Schauspielerei liegt mir einfach nicht."

Schwieriges Thema

Der 16-jährige Rico Jänchen ist hingegen das erste Mal dabei. Über Freunde und Klassenkameraden ist er auf den Workshop aufmerksam geworden. Wie Anton-Philipp, ist auch er am Schnitt beteiligt. "Ich konnte mir vorher nicht vorstellen, wie schwierig so etwas sein kann", erklärt er erstaunt. Die Herausforderung bei diesem Kurzfilm war für die Crew das vorgegebene Motiv. "Zivilcourage ist ein ziemlich weitreichendes Thema. Wir mussten viel vorher recherchieren" erklärt Filmemacher Erik Schiesko. Obwohl ziviles Engagement oft einen ernsten Hintergrund hat, wollten die Jugendlichen das Thema auf humorvolle Weise angehen.

Sie haben sich eine Geschichte um einen fiktiven Helden namens Zivi-Man ausgedacht, der recht unbeholfen gegen seine Kontrahentinnen, die Lästerschwestern, vorgeht. Nachdem am Montag und Dienstag das Organisatorische auf der Agenda stand, wurde am Mittwoch und Donnerstag gedreht. Dass beim Film nicht immer alles glatt läuft, bekamen die Jugendlichen schon am ersten Drehtag zu spüren. Das Team hatte mit der Kälte zu kämpfen und eine Kamera fiel zwischenzeitlich aus. "Filme zu drehen ist immer mit Problemen verbunden", erklärt Workshop-Leiter Erik Schiesko den Teilnehmern die Tücken des Filmgeschäfts. "Es geht darum, wo man die Schauspieler herbekommt, wer das Drehbuch und den Schnitt macht und wo ich das nötige Geld herkriege."

Zeitdruck gehört dazu

Ähnlich wie bei großen Produktionen bekamen die jungen Filmschaffenden am zweiten Drehtag dann auch noch den Zeitdruck zu spüren. "Eigentlich wären zwei bis drei Tage mehr Zeit nötig", gesteht die 17-jährige Marie-Theres Jung, die zum dritten Mal an einem Filmworkshop teilnimmt. Sie spielt zusammen mit der ebenfalls 17-jährigen Valeska Lippert die bösen Lästerschwestern. Obwohl Valeska schon schauspielerische Erfahrungen bei der Neuen Bühne Senftenberg gesammelt hatte, spielte sie noch nie vorher vor einer Kamera. Sie wurde von einem Freund überredet mitzumachen.

"Ich habe den Aufwand, der hinter so einem Film-Dreh steckt, unterschätzt. Ich dachte nicht, dass das so anstrengend sein kann", erzählt die Neupetershainerin. "Was die technische Seite betrifft, habe ich viel Neues gelernt. Damit habe ich mich vorher nie beschäftigt." Am Donnerstag drehte ein Teil der Jugendlichen im Club Scandale, während der Rest der Gruppe im Menschenrechtszentrum blieb, um die Aufnahmen vom Vortag zu schneiden. In dem Bar- und Tanzlokal provozieren die Lästerschwestern eine Schlägerei, die das Eingreifen des couragierten Zivi-Mans erfordert. Der Film soll dokumentarische und fiktive Elemente miteinander verbinden. Die gespielten Szenen werden durch Zeitzeugeninterviews ergänzt. Befragt wurden Personen, die sich zu DDR-Zeiten für Menschenrechte eingesetzt haben und dafür mit einer Inhaftierung im Cottbuser Zuchthaus bezahlt haben.

"Zusätzlich möchten wir aber auch das Vergangene mit dem Gegenwärtigen verbinden und uns damit befassen, wie wir Zivilcourage angesichts der aktuellen Flüchtlings- und Integrationsproblematik in Cottbus leben können", so Hana Hlásková, Bildungsreferentin des Menschenrechtszentrums.

Der fertige Film wird bereits am heutigen Freitag seine Premiere feiern. Um 16 Uhr wird der fünfminütige Beitrag in den Räumen des Menschenrechtszentrums der Öffentlichkeit präsentiert. Darüber hinaus soll der Kurzfilm beim Cottbuser Filmfestival eingereicht werden.