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| 12:46 Uhr

Kita-Gesetz
Kitas: Türen zu nach 7,5 Stunden

Ziemlich leer werden die Cottbuser Kitas – im Bild die Fröbel-Kita „Otti“ – am 25. Mai sein. Kurz vor der Novellierung des Kitagesetzes machen Träger in der ganzen Stadt mobil und schließen ihre Einrichtungen früher.
Ziemlich leer werden die Cottbuser Kitas – im Bild die Fröbel-Kita „Otti“ – am 25. Mai sein. Kurz vor der Novellierung des Kitagesetzes machen Träger in der ganzen Stadt mobil und schließen ihre Einrichtungen früher. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Fröbel kündigt für den 25. Mai einen Protesttag an. Die Forderung: Mehr Geld für Personal. Von Daniel Schauff

Ganz so sicher war sich Linda Gajardo Pino am Dienstag nicht, wie die Eltern die Auskünfte der Familienkita aufnehmen würden. Die Kita-Leiterin und das Team hatten sich um 14 Uhr im Eingangsbereich der Einrichtung an den Sachsendorfer Wiesen bereitgestellt, um den Erziehungsberechtigten zu erklären, warum die Kita am 25. Mai bereits um 14 Uhr ihre Türen schließen wird. Der geplante Trödelmarkt am Nachmittag fällt aus, Eltern müssen ihre Kinder vor 14 Uhr abgeholt haben.

Per Brief waren die Eltern vorab bereits informiert worden, auch darüber, dass die Kinder Protestkarten mit nach Hause bringen würden, die die Eltern ausfüllen sollen. Alle Karten würden dann nach Potsdam geschickt, an die Landesregierung. Kita-Leiterin Linda Gajardo Pino war positiv überrascht. Die Eltern, sagt sie, seien froh, dass sich die Kitas für sie einsetzten. Dafür würden sie auch eine frühere Schließzeit in Kauf nehmen. Genau siebeneinhalb Stunden ist die Familienkita am 25. Mai geöffnet, von 6.30 Uhr bis 14 Uhr. Eigentlich geht die Betreuungszeit bis 16.30 Uhr. Wie bei jeder anderen Kita in Cottbus werden an den Sachsendorfer Wiesen auch Kinder mit Zehn-Stunden-Verträgen betreut, dann etwa, wenn beide Elternteile berufstätig sind, mindestens acht Stunden unterwegs sind und keine Möglichkeit haben, ihre Kinder bereits nach siebeneinhalb Stunden aus der Kita abzuholen.

Das Land allerdings deckt nur Personalkosten für Betreuungsverträge mit bis zu 7,5 Stunden. Das soll auch nach der Novellierung des Kitagesetzes Ende des Monats so bleiben. Die Folge: Auch weiterhin werden zu wenige Erzieher für zu viele Kinder in den Einrichtungen in Brandenburg arbeiten.

In Cottbus ist die Situation besonders brenzlig: Rund 50 Prozent der Eltern haben Zehn-Stunden-Verträge mit den Kitas ausgemacht. Das hat Stefan Spieker, Chef des Kita-Trägers Fröbel, wiederholt betont. Seine Mitarbeiter arbeiteten seit Langem an ihren Belastungsgrenzen – Fröbel, Träger von elf Kitas in Cottbus, hat bereits Selbstanzeige erstattet. Der Grund: Den vorgeschriebenen Personalschlüssel könne man aufgrund der fehlenden Ausfinanzierung nicht einhalten, dem Betreuungsauftrag demnach nicht mehr ausreichend nachkommen. Neue Verträge über mehr als 7,5 Stunden wird Fröbel künftig nicht mehr abschließen, kündigt der Träger an. Gleiches gilt für die Familienkita in Trägerschaft der Jugendhilfe Cottbus. Acht Stunden würden künftig das Maximum sein, wenn das neue Kita-Gesetz Ende des Monats verabschiedet werde, sagt Linda Gajardo Pino.

Ihre Einrichtung wird nicht die einzige sein, die am 25. Mai früher schließt. Die Fröbel-Kitas werden am Nachmittag auch zu sein. Von ihnen ging die Initiative aus. Als „Protesttag“ kündigt der Träger den 25. Mai an. Weitere Kitas in Cottbus und im ganzen Land würden sich anschließen, sagt Fröbel-Sprecherin Beatrice Strübing und sie bestätigt: Die Eltern stünden hinter den Kitas, seien sehr aktiv, würden sich gegen das von der Landesregierung geplante beitragsfreie letzte Kita-Jahr aussprechen, dafür für die Ausfinanzierung der sogenannten Randbetreuungszeiten starkmachen.

Die Kita-Träger wollen es nicht beim Protesttag belassen – wie die Fröbel-Gruppe mitteilt, würden Kinder, Eltern und Erzieher aus dem ganzen Land am 30. Mai zum Landtag nach Potsdam fahren, um „laut und bunt“ die Abstimmung über das neue Kitagesetz zu begleiten.

Die Cottbuser Linke hat unterdessen kurzfristig einen Antrag auf den Weg gebracht, der in der kommenden Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden könnte. Die Fraktion unterstützt dabei die  beabsichtigte Novellierung des Kindertagesstättengesetzes, fordert aber zusätzlich die finanzielle Beteiligung des Landes an den Personalkosten für Betreuungszeiten oberhalb von 7,5 Stunden. André Kaun, amtierender Chef des Jugendhilfeausschusses: „Wir bieten den anderen Fraktionen an, mit uns über die Formulierung des Antrages zu sprechen. Vielleicht schließen sich die Stadtverordneten anderer Parteien dem Antrag an.“ Auch Jugendamtschef André Schneider hofft auf eine Finanzierung der dritten Betreuungsstufe, der Zeit also jenseits der 7,5 Betreuungsstunden. „Das würde die Situation in Cottbus deutlich entspannen.“