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| 17:31 Uhr

Cottbus
Kita-Überstunden ohne Lohn

Eltern erwarten, dass ihre Kinder in einer Kita auch mehr als acht Stunden zuverlässig betreut werden können.
Eltern erwarten, dass ihre Kinder in einer Kita auch mehr als acht Stunden zuverlässig betreut werden können. FOTO: Monika Skolimowska / dpa
Cottbus. Das Kindergarten-Personal wird vom Land bezahlt. Aber nur bis maximal acht Stunden. Doch die Hälfte der Kinder wird in Cottbus zehn Stunden lang betreut. Das hat Konsequenzen. Von Peggy Kompalla

Ilka Kummer leitet die Kita Anne Frank. Sie gehört mit 125 Kindern und 21 Erziehern zu den größten Einrichtungen der Stadt Cottbus. Die Chefin liebt ihren Job, kann sich kaum einen besseren vorstellen. Trotzdem: Sie und ihre Kollegen kommen an eine Schmerzgrenze. „Es fallen immer mehr Überstunden an, die nicht bezahlt werden. Für mich ist ein Punkt erreicht, an dem qualitativ hochwertige Arbeit über die Kräfte der Mitarbeiter geht.“ Andere Einrichtungen haben bereits angekündigt, daraus Konsequenzen zu ziehen.

Das Problem: Das Land Brandenburg übernimmt zwar die Kosten für das Personal, allerdings nur für maximal acht Stunden. Doch die Realität ist eine andere. Die Hälfte der Kinder wird für zehn Stunden  betreut. Das entspricht dem Durchschnitt der Cottbuser Kitas, wie Sozialdezernentin Maren Dieckmann (parteilos) bestätigt. Die Kitas kämpfen deshalb mit einem geringen Personalschlüssel. Das hat der jüngste Bertelsmann-Ländermonitor nachgewiesen. Demnach weist Cottbus bundesweit den schlechtesten Personalschlüssel aller Kommunen auf.

Dabei wird das Brandenburger Kita-Gesetz gerade überarbeitet. Im Fokus steht dabei allerdings das beitragsfreie letzte Kita-Jahr. Eine Vergütung von zehn Stunden Betreuungszeit ist darin nicht vorgesehen. Deshalb gehen die Kindereinrichtungen in Cottbus jetzt auf die Barrikaden. Ilka Kummer fordert: „Wenn das Gesetz angefasst wird, dann sollte die dritte Personalbemessungsstufe – also für zehn Stunden Betreuung – wieder aufgenommen werden.“

Damit sind die Kindereinrichtungen nicht allein. Auch der Städte- und Gemeindebund unterstützt dies. In seiner Stellungnahme heißt es: „Das Präsidium vermisst in dem Gesetzentwurf jedoch die überfällige Einführung der 3. Betreuungsstufe entsprechend des Abschlussberichtes des Kita-Expertendialoges . . .“ Die Cottbuser Sozialdezernentin Dieckmann sagt dazu: „Der Landesgesetzgeber ist am Zug und hat die Möglichkeit, das nachzubessern.“ Allerdings stünden die Zeichen dafür wenig positiv.

Ilka Kummer will das als Kita-Chefin nicht klaglos hinnehmen. Deshalb sammelt sie Unterstützer-Unterschriften. Mit den Listen wollen die Cottbuser Kita-Träger nach Potsdam zur Anhörung des Gesetzentwurfs fahren. Maren Dieckmann kann das nur unterstützen: „Ich verstehe, dass die Träger den Druck aufbauen. Denn wenn die Änderung nicht jetzt aufgenommen wird, dann ist das erst einmal auf längere Sicht vom Tisch.“

Damit würde das Problem weiterhin vom Land an die Kommunen runtergereicht werden. Anders als die Stadt Potsdam könne Cottbus die Finanz- und damit die Personallücke in den Kitas nicht stopfen. Das betont die Sozialdezernentin. „Potsdam ist seit Beginn des Jahres in die Bresche gesprungen und nimmt die dritte Betreuungsstufe auf die eigene Kappe“, erklärt sie und ergänzt: „Das können wir nicht machen. Das wären mehrere Millionen Euro im Jahr.“ Die Stadt Cottbus darf als hochverschuldete Kommune nicht frei über ihren Haushalt entscheiden. Sie muss ihn von der Kommunalaufsicht absegnen lassen. Das Credo dieses Kontrollorgans lautet: sparen und damit keine zusätzlichen freiwilligen Aufgaben.

Der erste Kita-Träger in Cottbus hat bereits Konsequenzen angekündigt. Werden die zehn Stunden Betreuungszeit ab dem 1. August nicht vergütet, dann sollen die Kinder nur noch acht Stunden in der Einrichtung bleiben dürfen. Ilka Kummer will noch nicht so weit gehen: „Aber klar ist, dass darunter die Eltern leiden werden. Denn niemand gibt sein Kind aus Spaß so lange in die Betreuung. Die Eltern sind wegen ihrer Arbeit darauf angewiesen.“