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Kirche will den Strukturwandel moderieren

Der Braunkohleabbau in der Lausitz ist endlich. Was kommt danach? Die Kirche will die Diskussion moderieren.
Der Braunkohleabbau in der Lausitz ist endlich. Was kommt danach? Die Kirche will die Diskussion moderieren. FOTO: dpa
Cottbus. Was hat eigentlich die evangelische Kirche mit dem Strukturwandel in der Lausitz zu tun? Diese Frage wird Burkhard Behr in den kommenden Monaten noch öfter beantworten müssen. Behr ist Pfarrer und Leiter des neu gegründeten Zentrums für Dialog und Wandel. Daniel Steiger

Die gemeinsame Einrichtung der Landeskirche und der vier Lausitzer Kirchenkreise will den Wandel in der Region "kirchlich begleiten", wie es in einer Mitteilung heißt. Offizieller und feierlicher Startschuss für das Zentrum ist am Freitag, 29. September. Um 15 Uhr wird Burkhard Behr mit einem Festgottesdienst in der Cottbuser Oberkirche in das Amt eingeführt.

Doch das Zentrum hat seine Arbeit längst aufgenommen. Seit 1. September ist Behr bereits unterwegs zu Kennenlernterminen und merkt dabei: "Wir stoßen mit unserem Angebot auf offene Ohren und offene Türen." Viele Beteiligte vor allem im Spannungsfeld des Braunkohleabbaus und der Verstromung würden nicht mehr miteinander reden, und da soll das Zentrum für Dialog und Wandel eine moderierende Funktion einnehmen. Behr: "Es soll aber nicht nur ein Angebot für Kohlegegner und Kohlebefürworter sein, sondern größer gefasst werden."

Die Arbeit des Zentrums und sein eigenes Wirken sieht Behr als "allparteilich, aber nicht neutral". Wo es nötig ist, will die Kirche auch Stellung beziehen. "Nachhaltigkeit ist für mich maßgebend, das bedeutet aber auch, dass Menschen hier weiter gut leben können", so der Pfarrer.

Burkhard Behr hat zuletzt als Pfarrer im Kirchkreis Bad Liebenwerda gearbeitet. Ursprünglich stammt er aus Thüringen und hat später im mitteldeutschen Revier immer wieder mit dem Thema Braunkohle zu tun gehabt. Was ihn nach eigenen Aussagen besonders für die Aufgabe in der Lausitz befähigt, ist die Tatsache, dass er neben seiner kirchlichen Sicht auch die "andere Seite des Schreibtisches" kennt. Behr hat ein paar Jahre lang als Geschäftsführer einer Stiftung in der Schweiz gearbeitet und leitete später eine Kette von Biosupermärkten in Berlin. Jetzt will Behr mit dem Zentrum für Dialog und Wandel in der Lausitz wirken.

Seinen Sitz wird das Zentrum im Pfarrhaus im Cottbuser Ortsteil Kahren haben. Und die Kirche ist mit dem Projekt durchaus bereit, langen Atem zu beweisen. Behr: "Die Langfristigkeit ist auf jeden Fall im Hinterkopf." Die Landeskirche beteiligt sich mit zunächst 100 000 Euro pro Jahr für sechs Jahre, die Kirchenkreise Cottbus, Niederlausitz, Schlesische Oberlausitz und Senftenberg-Spremberg mit insgesamt 25 000 Euro pro Jahr. Behr: "Wir wollen keine Drittmittel für das Zentrum nehmen, um unabhängig zu sein."

Nach der Kennenlernphase will Burkhard Behr für das Zentrum Gesprächsformen entwickeln, die den Strukturwandel in der Region begleiten und gestalten helfen. Dazu sollen auch die guten Beziehungen der Kirche nach Polen und Tschechien genutzt werden.

Pfarrer Burkhard Behr.
Pfarrer Burkhard Behr. FOTO: dst