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Kirche gibt Lutherstraße den Namen

Ein Blick in die heutige Lutherstraße.
Ein Blick in die heutige Lutherstraße. FOTO: Dora Liersch/dli1
Cottbus. Die Cottbuser Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte der Lutherstraße. Zum Vergleich hat sie eine historische Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause. Dora Liersch / dli9

In den Cottbuser Adressbüchern taucht die Bezeichnung "Lutherstraße" erst 1903 auf mit dem Hinweis, dass die Hausstandslisten vom November 1902 genutzt wurden. In den städtischen Bauakten ist die erste Baugenehmigung mit der Bezeichnung Lutherstraße am 27. August 1900 erteilt worden.

Der Straßenname ist im Zusammenhang des geplanten evangelischen Kirchenbaues und des Erwerbs des Baulandes zu sehen. Damals sprach man noch von einer evangelischen Kirche in der Spremberger Vorstadt. Von den angedachten verschiedenen Grundstücken entschieden sich nach der Besichtigung am 21. Juli 1898 die Teilnehmer einer Kommission, zu denen der Superintendent Boettcher, der Landgerichtsdirektor Bischoff, der Stadtbaurat Bachsmann und der Kaufmann Arnecke gehörten, das zwar bebaute Grundstück zwischen dem Weg über den Brauhausberg und der Feldstraße zu erwerben. Im April 1900 kam es zum Kaufvertrag zwischen dem Eigentümer und der Kirchgemeinde. Die künftige Kirche in der Spremberger Vorstadt erhielt bald den Namen von Martin Luther.

Zu dieser Zeit gab es die neu angelegte Straße zwischen der Dresdener- und der Feldstraße mit den parzellierten Baugrundstücken. Und was lag näher, als den gedachten Kirchennamen für die neue Straße zu verwenden. Wohnungen müssen seinerzeit sehr gefragt gewesen sein, denn innerhalb von nur zwei Jahren werden in der Lutherstraße 13 Mietshäuser von später 17 Häusern erbaut. Die Südseite der Lutherstraße wird dabei zuerst fast komplett bebaut. Architekten und bauausführende Firmen waren unter anderem die Bauunternehmer August Waschnig und Wilhelm Bubner, der Maurermeister August Patzelt und der Architekt Carl Sichler. So unterschiedlich die Baufirmen, so unterschiedlich sind auch die Häuser, die dennoch miteinander harmonieren.

Eines der letzten Häuser auf dieser Straßenseite war das Eckgebäude zur Brauhausbergstraße, die Lutherstraße 12. Ursprünglich sollte das Grundstück im Jahre 1908 errichtet werden, doch es kam zur Verzögerung. Der Neubau war eine schlichte und gelungene Eckbebauung, wobei die Ecke abgeschrägt wurde. Im Erdgeschoss befand sich mittig ein Ladeneinbau, sonst erhielten die beiden Seitenflügel für die erste bis dritte Etage Erkervorbauten. Das oberste, das Dachgeschoss, war wie zusätzlich auf das Dach aufgesetzt. Eigentümer des Hauses war zuerst der Spinnmeister Richard Offermann. In Offermann‘schem Besitz befand es sich auch noch 1940. Im Eckladen befand sich immer ein Kolonialwaren-, Delikatessen- oder schlicht ein Lebensmittelgeschäft.

Auf der anderen Seite der Straßenkreuzung befand sich entlang der Feld- und späteren Thiemstraße ein Platz mit den Häusern der Feld-/Thiemstraße 23, 24 und 25. Letzteres stand ebenfalls direkt an der Ecke zur Lutherstraße. Es war als Miets- und Geschäftshaus im Jahre 1908 von der Firma August Patzelt erbaut worden. Das Gebäude war viergeschossig, ebenfalls übereck bis in die Lutherstraße gebaut, mit Satteldach und Ziergiebeln. Die Erkerbauten zogen sich im ersten und zweiten Stockwerk über die ganze Hausecke, im dritten Stockwerk nur als Balkon ausgeführt. Der Bauherr war seinerzeit Adolf Sedlick, ein Zimmermann, der als Hausbesitzer fungierte. Späterer Eigentümer wurde Friedrich Langsam, ein Schmiedemeister, der als Privatier noch Anfang der 1930er-Jahre der Hausbesitzer war. Im Erdgeschoss gab es einen Friseur, später ein Lebensmittelgeschäft, als Mitte der 1930er-Jahre der Hauseigentümer wechselte.

Am 15. Februar 1945, bei dem großen Luftangriff, wurden die Häuser Thiemstraße 23 bis 25 total zerstört, die Lutherkirche brannte aus, und das Eckgebäude von Offermann, Luherstraße 12, war arg beschädigt. Die Ruinen der Thiemstraßenhäuser an dem Platz wurden abgerissen. Die gesamte Fläche wurde bereits 1950 zu einer Wiese gestaltet und mit Bäumen umpflanzt, die inzwischen zu stattlichen Exemplaren herangewachsen sind.

Diese Eckbebauung gibt es nicht mehr. Das nun erste Gebäude in der nördlichen Lutherstraße ist die Turnhalle der heutigen Bewegten Grundschule. Offermanns Haus, Lutherstraße 12, konnte wieder hergerichtet werden, und bereits 1951 gab es darin wieder einen Lebensmittelladen, der von der HO auch noch etliche Jahre weiter betrieben wurde. Die Lutherkirche wurde Pfingsten 1951 wieder eingeweiht. Heute ist das Haus Lutherstraße 12 das einzige Erkennungsmerkmal mit dem Blick von der Thiemstraße in die Lutherstraße.

Das schmucke Haus auf der linken Seite wurde im Februar 1945 zerstört.
Das schmucke Haus auf der linken Seite wurde im Februar 1945 zerstört. FOTO: Sammlung Krause