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| 02:34 Uhr

Kiosk mit Aussicht

Elfi Lucke vor ihrem Strand-Kiosk am Ströbitzer Badesee.
Elfi Lucke vor ihrem Strand-Kiosk am Ströbitzer Badesee. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Elfi Lucke hat 27 Jahre lang den Kiosk am Ströbitzer Badesee betrieben. Jetzt sucht sie einen Nachfolger. Findet aber bislang keinen. Dabei steht der weitere Ausbau der Tourismus-Infrastruktur in Cottbus noch am Anfang. Peggy Kompalla

Der Ströbitzer Badesee liegt kalt und starr. Die Luft ist eisig. Derweil tut die Sonne so, als sei längst Frühling. Elfi Lucke blinzelt ins Licht, zieht sich dann aber doch lieber in ihren warmen Kiosk zurück. Drinnen bollern zwei Gasheizer. Die letzten Mittagsbesucher verabschieden sich gerade. Stammgäste. Auch mitten im Winter steht die Chefin im Kiosk. Seit 27 Jahren macht sie das schon. Anfangs freilich als Konsum-Angestellte. Als die Genossenschaft in den frühen 90er-Jahren dann Pleite geht, steht die Frage im Raum, ob Elfi Lucke das Geschäft übernehmen würde. So wird die Sachsendorferin stolze Besitzerin des Ströbitzer Kiosk.

"Damals war hier noch Badebetrieb", erinnert sie sich, lacht und sagt: "Die Schlangen haben wir alle abgearbeitet." Mit dem Ansturm an manchen Sommertagen sei das Geschäft heute nicht mehr zu vergleichen. Das gibt Chefin zu. Dafür kommen jetzt andere Gäste. Die allerdings auch nicht so sehr von Prachtwetter abhängig - Radfahrer und Spaziergänger. Elfi Lucke liebt ihre Arbeit. "Das Besondere ist, dass ich fast alle kenne." Es ist eine echte Gemeinschaft entstanden. So haben die Stammgäste sogar selbst mit Hand angelegt. "Sie wollten ein Vordach, um auch bei Regen draußen sitzen zu können", erzählt die Chefin. Die Investition konnte sie sich nicht allein leisten. "Also haben die Stammgäste eine Sammelbüchse auf den Tisch gestellt. Unter ihnen sind auch einige gute Handwerker." So kam das Dach ran, auch das WC wurde auf diese Weise ausgebaut.

Auf die Truppe ist Verlass. Deshalb hat Elfi Lucke auch so lange durchgehalten. Außer samstags stand sie von 12 bis 22 Uhr in ihrem Kiosk. Das ganze Jahr über. Doch nun soll Schluss sein. "Ich bin 63 Jahre alt", sagt sie etwas müde. "Ich suche einen Nachfolger. Es wäre schön, wenn sich jemand findet, der den Kiosk in meinem Sinne weiterführt." Aber natürlich seien auch Veränderungen nötig. "Frischer Wind", sagt sie. Nur verschlossene Türen will sie am Ströbitzer Badesee verhindern. "Aber bislang habe ich niemanden gefunden, der diese Aufgabe übernehmen würde." Sie möchte den Kiosk samt Grundstück verkaufen. Das liegt im Landschaftsschutzgebiet und hat ihren Angaben zufolge Bestandsschutz. In Cottbus gibt es nur in Branitz einen vergleichbaren Kiosk. Mit einem großen Unterschied: Er öffnet nur zur Saison.

Für die Cottbuser Tourismusverbandschefin Gabi Grube ist in dem Thema Tourismus-Infrastruktur in der Stadt noch einige Aufbau-Arbeit notwendig. "Der Radtourismus ist weiter am Wachsen. Was bei uns fehlt, ist die Versorgung entlang der Rad-, aber auch Wasserwanderwege. Da ist noch Musik drin." Natürlich sei ein Versorgungsposten, an Hauptwegen am lukrativsten. "Aber mit einer Geschäftserweiterung und einem guten Angebot, dass sich zum Geheimtipp entwickelt, ist auch abseits vieles möglich", sagt Gabi Grube. Deshalb sei sie auch optimistisch, dass sich für Ströbitz etwas findet. Denn Kiosk und See liegen auf der Radstrecke in Richtung Kolkwitz und weiter zur Teichlandschaft.

Elfi Lucke hat einen Entschluss gefasst: "Spätestens Mitte Mai mache ich zu." Bis dahin findet sich vielleicht doch jemand.