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| 18:14 Uhr

Schüler mischen sich ein
Kinder entwerfen ihr Cottbus

 Bei der Kinderkonferenz zeigten die Schüler, dass sie über die Zukunft ihrer Stadt mitbestimmen wollen.
Bei der Kinderkonferenz zeigten die Schüler, dass sie über die Zukunft ihrer Stadt mitbestimmen wollen. FOTO: LR / René Wappler
Cottbus. Wie Mädchen und Jungen zwischen sechs und zwölf Jahren die Stadt verändern wollen. Von Rene Wappler

Gleich beginnt die Präsentation auf der Bühne. Ein Mädchen dreht sich um.

„Ist es normal, dass man so nervös ist?“, fragt die Schülerin eine Freundin, die hinter ihr im Saal sitzt.

„Ja“, lautet die Antwort. „Aber wenn du es geschafft hast, bist du so stolz darauf.“

Donnerstag, 15 Uhr. Die Mitglieder der Cottbuser Kinderkonferenz erklären vor dem Publikum, womit sie sich seit dem Morgen befasst haben. Eine der elf Gruppen beriet über die Spielplätze in der Stadt, immerhin 70 an der Zahl, und sie tüftelte an einer Idee. Ihr Plan sieht ein Labyrinth in Cottbus vor, in den Maßen 15 Meter mal 15 Meter. In den nächsten Monaten werden die Mitarbeiter des Rathauses darüber beraten, ob sich dieser Plan in die Tat umsetzen lässt. Die Kinder hoffen, dass sie das Labyrinth schon im Jahr 2021 besuchen können. Baudezernentin Marietta Tzschoppe (SPD) sagt dazu: „Das ist sehr sportlich.“

Praktische Tipps

Neben sportlichen Zielen vereinbaren die Teilnehmer der Kinderkonferenz ganz praktische Tipps miteinander. Sie weisen darauf hin, wie wichtig das Lernen einer Fremdsprache ist, um andere Menschen besser zu verstehen. Sie basteln Kugeln aus Erde, Katzenstreu, Wasser und Samen, damit viele Pflanzen in der Stadt wachsen. Sie plädieren dafür, nachts die Straßenlaternen so weit wie möglich abzuschalten, um die Tierwelt nicht durch das Licht zu irritieren.

Ein Moderatorenteam führt durch die Konferenz. Den 24-jährigen Julius Köhler unterstützen Daniel vom Niedersorbischen Gymnasium, elf Jahre alt, und die zwölfjährige Lena von der sportbetonten Grundschule. Sie zeigt sich erschüttert, als eine Gruppe von Kindern ihren Kurzfilm über Mobbing an der Schule vorführt. „Viele haben uns Fälle aus der Schule geschildert, bei denen man sich fragte: Warum muss das sein?“, sagt Lena.

So berichten Schüler, dass Jungen und Mädchen mitunter schlecht hinter dem Rücken über andere reden, ihnen keine Chance geben, sie beleidigen und ausgrenzen. Die Teilnehmer der Kinderkonferenz plädieren hingegen dafür, einander Trost zu spenden, Hilfe anzubieten und Mitgefühl zu zeigen. Eine Gruppe befasst sich mit Strategien gegen Hass. „Niemanden allein zu lassen und niemanden wie Luft zu behandeln“, so lautet ein Fazit ihres Gesprächs. Oder auch: „Sich zu entschuldigen, wenn man merkt, man hat etwas falsch gemacht.“

Viel Spaß für wenig Geld

Eine weitere Gruppe forscht nach, wo in Cottbus es viel Spaß für wenig Geld gibt. Die Schüler raten dazu, sich einem der 90 Sportvereine anzuschließen. Allerdings hegen sie auch eigene Wünsche. Eine Bahn für das Laufen mit Rollschuhen und Schlittschuhen zählt dazu, eine Diskgolf-Anlage im Puschkinpark und Angebote, bei denen sie mit Tieren in Kontakt kommen können.

Bei diesen Ideen bleibt es nicht. Eine andere Gruppe widmet sich gesunder Ernährung in der Schule. Das ließe sich in ihren Augen recht einfach in die Tat umsetzen. Eine Vitamin-Naschbar mit Obst und Gemüse halten sie für einen ersten Schritt, ebenso einen Wasserspender in jeder Kantine sowie einen Automaten, aus dem wirklich nur gesunde Snacks und Getränke in die Hände der Schüler fallen. Auch einem Protest gegen Lebensmittel, die zu viel Zucker enthalten, würden sich die Kinder nach eigenen Worten anschließen.

Manche Ideen lassen sich allerdings nicht so schnell verwirklichen, wie es sich die Gäste des Stadthauses zunächst vorstellen. Das wird deutlich, als eine Gruppe ihren Film vorstellt, den sie während der Konferenz gedreht hat. Das benachbarte Piccolo-Theater haben die Mädchen und Jungen besucht, Interviews mit den Besuchern der Kinderkonferenz geführt und dann festgestellt, dass ihnen die nötige Zeit fehlt. Sie stellen fest, dass es unglaublich ist, wie viel Aufwand in einem fertigen Film steckt. So konnten sie ihr Werk vor der Präsentation nicht zu Ende schneiden.

Gut Ding will Weile haben

Doch auch diese Erfahrung gehört zur Cottbuser Kinderkonferenz, ebenso wie der Hinweis der Dezernentin Marietta Tzschoppe, es sei sportlich, ein Labyrinth bis zum Jahr 2021 anzulegen. Da verhält es sich mit den Dreharbeiten für einen Film wohl ähnlich wie mit den Bauarbeiten für einen Spielplatz: Was gut werden will, braucht manchmal Zeit.