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| 01:05 Uhr

Kennzeichen Stift und extradicker Block

Wo Stephan Ilge sich immer aufhält, hat er den dicken Skizzenblock dabei. Mit dem Stift hält er bei der Urlaubsreise, beim Stadtbummel oder in der Gaststätte alle Motive fest, die ihm auffallen. Ronald Ufer

Ein kurios gewachsener Baum taugt ebenso als Motiv wie der Gegenüber am Tisch, tanzende Paare, Se henswürdigkeiten und Konzertszenen. „Beim Fotografieren kommt nicht diese Atmosphäre rüber, daher lasse ich mich seit der Kindheit auf diese Art inspirieren“ , sagte Stephan Ilge der RUNDSCHAU. Kein Wunder, dass alle ein, zwei Monate ein neuer, zwei Finger starker Block her muss. Seine Leidenschaft für das Festhalten des Augenblicks bescherte ihm neue Bekannte, aber auch Probleme. Auf Urlaubswanderungen bannt er ständig faszinierende Sichten auf den Block, vergisst oft darüber die Zeit und muss sich ein provisorisches Nachtquartier suchen.
Wer bei der ersten Vorstellung der Arbeiten des Künstlers im Atelier Wernerstraße 17 die Skizzen durchblätterte, fand rasch Vorlagen für die Ölbilder in kräftigen Farben an den Wänden. Blüten und Tanzpaare, Akte und Seestücke, Motive von Urlaubsreisen hängen neben analytisch-metaphorischen Kompositionen.
„Circulum Arte“ , also Kreiskunst oder Spektrum, nennt Stephan Ilge sein Projekt. Ölbilder bilden nur einen Teil davon. Als Ingenieur ist ihm die Arbeit am Computer vertraut, dort entwirft er Ansicht von Bauprojekten, zeigt die künftige Wirkung entstehender Gebäude. Er begleitete Archäologen in Krieschow, setzte deren Funde in ein Bild um, dass die Besiedlung zu verschiedenen Zeiten vorstellbar macht. „Wissenschaftliche Themen auch mit Hilfe von Bildern populär darzustellen, Architektur und Informationen visuell erlebbar zu machen, bildet eine Säule meiner Arbeit.“ Erfahrungen damit sammelte er bei der Diplomarbeit und Auftragswerken in den vergangenen drei Jahren.
Wandbilder des Künstlers schmückten den Studentenklub „Muggefuck“ , zieren das Tryp-Hotel. „Mit diesen Arbeiten verleihe ich kühlen Business-Herbergen etwas Flair. Ich hoffe da auf weitere Aufträge“ , meinte der 32-Jährige. Er entwirft Flyer und Plakate, illustriert derzeit mit Skizzen der Altstadt von Bad Muskau ein Buch von Lausitz-Autor Otto Blunck über den dortigen Pückler-Park.
Arbeiten und Leben verbinden, diese Einstellung versucht Stephan Ilge in seiner Kombination von Wohnung und Atelier, im Urlaub, der Kunst und den Aufträgen zu verwirklichen. „Eine Weile populärwissenschaftlich arbeiten, dann wieder malen oder Grafiken schaffen“ , wäre sein Ideal. Einblick in seine Arbeiten will Stephan Ilge in zwei Wochen auch unter www.circulum-arte.de geben.