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"Kelch ist nicht Jan Böhmermann"

Holger Kelch
Holger Kelch FOTO: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild)
Cottbus. Mit seiner Idee einer Großstadt Cottbus mit den Stadtbezirken Guben, Forst, Spremberg und Drebkau hat sich der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) gerade im Umland nicht unbedingt neue Freunde gemacht. Doch wie ernst war dieser Vorschlag überhaupt? Sven Hering

In der Cottbuser Stadtverordnetenversammlung gibt es einen festen Tagesordnungspunkt: Bericht des Oberbürgermeisters. In der Vergangenheit zählte dieser Teil nicht unbedingt zu den Höhepunkten der Veranstaltung. Rückblicke auf Erfolge, Feste, Jubiläen. Oft war vieles einfach nur ganz toll. Doch seit ein paar Monaten lohnt es sich, genauer hinzuhören. So nutzt der Cottbuser Rathauschef seine Redezeit gern für Kritik - vorzugsweise in Richtung Potsdam. Mitunter gibt es auch Seitenhiebe. So wie am vergangenen Mittwoch. Wer dabei war, im Stadthaus, der konnte beim Vorschlag, Cottbus zur Mega-Großstadt mit den eingemeindeten Orten Spremberg, Guben, Forst und Drebkau zu machen, eigentlich nur schmunzeln. Diskutiert wurde darüber nicht. Warum auch.

Das Problem begann etwas später: Die Stadt verbreitete diese Idee auf ihrer Facebookseite, die Rede vom OB war auf der offiziellen Cottbuser Internetseite nachzulesen. Der reine Text, so wie er da schwarz auf weiß stand, hatte etwas von Größenwahn.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Und sie fielen heftig aus. Die Bürgermeister der von der Eingemeindung bedrohten Städte verfassten eilig sogar eine gemeinsame Pressemitteilung. Das hatte es in dieser Form noch nicht gegeben.

Doch wie ernst war dieser Vorschlag eigentlich zu nehmen? RUNDSCHAU-Nachfrage beim Rathaussprecher am Tag nach der Sitzung. Antwort: durchaus ernst. Ein paar Stunden später, als die öffentliche Kritik heftiger wurde, dann eine Einschränkung. Die Idee müsse mit einem gewissen Augenzwinkern gesehen werden. Es sei ein Modell von vielen, die derzeit so im Land diskutiert werden.

Also: Ironie oder nicht? Ja, sagt die Cottbuser Stadtverordnete Claudia Eckert (AUB/SUB). Sie war zwar am Mittwoch nicht dabei, schaute sich aber die Rede Kelchs im Internet an. Sie sagt: "Ich finde, man kann ganz gut den Schalk erkennen und das gelegentlich in seinen Reden vor den Stadtverordneten verwendete Stilelement der Ironie." Die Reaktion von Mathias Loehr, Landtagsabgeordneter der Linken: "Ein Scherz sieht anders aus. Ich kann darüber nicht lachen." Und Loehr ergänzt: "Kelch ist eben nicht Jan Böhmermann, sondern noch immer ein gewähltes Stadtoberhaupt." Auf der RUNDSCHAU-Online-Seite gehen die Meinungen ebenfalls auseinander. "Man kann den Vorschlag für eine Schnapsidee halten. Dahinter steckt aber aus meiner Sicht eine durchaus berechtigte Kritik. Die Landesregierung hat doch nur Diskussionen als Alibi geführt, ohne tatsächlich Interesse an Alternativen zu haben", schreibt ein Leser. "Die Idee hat Schmackes. Wenn auch etwas unglücklich eingefädelt. Verbündete im SPN-Kreis braucht es dafür und natürlich auch im Land", schreibt ein anderer. Es gibt auch Kritik: "OB Kelch meint das leider ernst….Vor allem aber will er wohl unbedingt sein jetziges lukratives OB-Gehalt (einer kreisfreien Stadt) behalten." Holger Kelch schaute sich am Freitag Schmellwitz an. Besuch in den Stadtteilen. Das hat in Cottbus Tradition. Demnächst auch in Spremberg? Die Nachbarstadt würde er gern mal besuchen, sagte Kelch auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Zum Käffchen, wie die Spremberger Bürgermeisterin bei den Kollegen vom RBB vorgeschlagen hat. Nicht zum Stadtteilrundgang.