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Keine Rettung für Terrakottasäulen

Auf einem Schutthaufen am Leichhardt-Gymnasium liegen die Säulen des Keramikers Dieter Graupner.
Auf einem Schutthaufen am Leichhardt-Gymnasium liegen die Säulen des Keramikers Dieter Graupner. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Cottbus. Cottbus hat seit Mittwoch im öffentlichen Raum ein Kunstwerk weniger. Die elf Terrakottasäulen, die der Dresdener Keramiker Dieter Graupner geschaffen hatte, sind bei der Umgestaltung des Schulhofes am Ludwig-Leichhardt-Gymnasium abgerissen worden. Schulleiter Lutz Wegener wollte das zuerst nicht glauben. Annett Igel-Allzeit

"Gestern standen die Säulen noch. Ich mache in jeder Woche Fotos von den Veränderungen auf unserem Schulgelände", erklärt Schulleiter Wegener, während er mit dem Telefon am Ohr durchs Schulhaus eilt. Dann stockt er: "Tatsächlich, sie liegen da zusammengeschoben. Bisher war immer die Rede davon, die Säulen in die Neugestaltung unseres Hofes einzubeziehen."

Seit dem Jahr 2014 saniert die Stadt den Schulstandort. Mit Schulhaus B war begonnen worden, fürs Haus A muss weiter auf Fördermittel gewartet werden. Aber die Umgestaltung des Schulhofes läuft auf Hochtouren. Die Außenanlagen werden komplett neu gestaltet und zur Aula hin für einen barrierefreien Zugang angehoben. Großzügige Aufenthaltsbereiche mit ausreichend Sitzgelegenheiten, Grünflächen mit Hochbeeten sowie Wirtschaftsbereichen sollen entstehen. Doch noch bestimmen Erdhaufen, Schuttberge, verpackte Baumaterialien das Bild. Dazwischen Kunst zu entdecken, ist schwer. Doch aufmerksamen Bewohnern der Hochhäuser an der Hallenser und Geraer Straße, für die die Säulen zum Blick aus dem Fenster gehörten, haben am Mittwoch Alarm geschlagen.

Im Jahr 1981 waren die unterschiedlich hohen und verzierten Säulen mit ihren Kugelköpfen aufgestellt worden. Der Dresdener Künstler Dieter Graupner wollte mit der Gruppe den Schulhof der damaligen 22. POS "Dr. Salvador Allende", die 1975 eingeweiht worden war, gestalten. Mehrere Schülergenerationen haben zwischen den Säulen Haschen gespielt, sie als Treffpunkt genutzt.

Dieter Graupner, heute 76 Jahre alt, seufzt. Vorm Abriss war die Cottbuser Stadtverwaltung mit ihm in Kontakt getreten. "Natürlich schmerzt das. Aber es geht wirklich nicht anders. Die Säulen hatten viele feine Risse. Bei der Umsetzung, wie sie geplant war, wären sie so beschädigt worden, dass sie nur mit viel Aufwand hätten restauriert werden können. Da ich selbst als Restaurator arbeite, kann ich das einschätzen." Die Säulen haben einen Stahlträger und sind mit Beton verfüllt. Wie Madeleine Waniek, Sprecherin der Stadtverwaltung, mitteilt, wäre eine uneingeschränkte Standsicherheit für die Zukunft nicht mehr gegeben gewesen. "Der Aufstellungsbereich hätte alternativ gesondert gesichert werden müssen", sagt sie. Das hätte viel mehr Geld gekostet.

Dieter Graupner hat im Cottbuser Stadtbild zum Glück viel mehr hinterlassen, als die Säulen am Leichhardt-Gymnasium, weiß Steffen Krestin, Leiter der Städtischen Sammlungen Cottbus. Die Skulpturen auf dem Rand des Springbrunnens auf dem Schillerplatz hinterm Staatstheater stammen von Graupner, Hahn, Eule und Katze im Wendischen Viertel, die springenden Hunde in der Rathausgasse, Schafe in Sandow, die Hühner im Brunschwigpark und mehr. Der 1940 in Dresden geborene Künstler hatte Maurer und Fliesenleger gelernt, bevor er in Heiligendamm Baukeramik studierte. Er gehörte zur Produktionsgenossenschaft "Kunst am Bau". Als Restaurator wirkte er am Wiederaufbau der Frauenkirche mit, 2015 zeigte er in Goyatz seine Gouache-Malerei. Mit den Cottbusern verbindet ihn eine besondere Beziehung, wie er erzählt: "Erst wollten sie meine Tierfiguren am Brunnen hinterm Theater gar nicht haben, aber als ich dann mal vier Figuren restaurieren musste und sie abmontierte, schimpften sie auch."