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| 19:13 Uhr

Keine Produkte aus Kinderhand
Friedhofssatzung gegen Kinderarbeit

 Zertifizierte Steine sollen Kinderarbeit ausschließen.
Zertifizierte Steine sollen Kinderarbeit ausschließen. FOTO: Jan Woitas
Es ist bereits der zweite Anlauf, den die Stadtverordneten von Bündnis 90/Die Grünen nehmen, um die Nutzung von Produkten einzudämmen, die aus Kinderarbeit stammen. Im Rechtsausschuss wurde ein entsprechender Antrag heftig diskutiert. Von Andrea Hilscher

Der Hintergrund ist ernst: Bereits im Jahr 2006 hat die Stadt Cottbus den Beitritt zur Kinderrechtskonvention beschlossen, die Kinderarbeit verbietet. Noch immer aber gibt es keine Garantie, dass in der Stadt nicht doch Produkte aus Kinderarbeit verwendet werden.

Ein Beispiel ist der Bereich der Steinproduktion aus Indien. Expertenschätzungen zufolge stammen die Hälfte bis zwei Drittel der Grabsteine und Einfassungen in Deutschland aus Indien. Dort arbeiten Kinder in den Steinbrüchen vor Ort. Die Grabmale können in Deutschland trotz des Transportaufwandes preiswert angeboten werden. Nun will die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen in der Friedhofssatzung einen Passus einfügen, der die ausschließliche Nutzung von Grabmalen aus zertifizierten Steinen vorschreibt.

Klingt einfach, ist aber kompliziert. Meint zumindest Innungsobermeister Maik Brunzel aus Cottbus. Er sagt: „Natürlich wollen wir nur zertifizierte Produkte verwenden. Aber diesen Zertifikaten müssen wir vertrauen.“ Es sei zu viel verlangt, wenn der Handwerker die Lieferkette seines Materials bis ins Letzte zurückverfolgen solle. Auch die Steinmetzinnung hat eine Stellungnahme abgegeben. Die Steinmetze, so der Tenor, wenden sich seit Jahren gegen Kinderarbeit in Steinbrüchen. Der Handwerker  aber dürfe nicht in seiner unternehmerischen Freiheit beschnitten werden, zudem müssten die Produkte der Steinmetze bezahlbar für die Kunden bleiben.

Joachim Käks (CDU) gibt zu Bedenken: „Niemand will Kinderarbeit. Aber wie soll der praktische Nachweist erfolgen?“ Dietmar Schulz (CDU) ergänzt: „Da es schon ein entsprechendes Landesgesetz gibt, sind wir als Kommune ohnehin daran gebunden.“ Gudrun Breitschuh-Wiehe verteidigt ihren Antrag vehement. „Das Landesgesetz ist eine Kann-Bestimmung, daher sollten wir unbedingt aktiv werden.“ Im Übrigen sei im Landesgesetz nachzulesen, in welchen Schritten der Nachweis zu führen ist, dass ein Grabstein ohne Kinderarbeit hergestellt wurde.

Trotz der Bedenken vieler Abgeordneter soll der Antrag auf der nächsten Stadtverordnetensitzung beraten werden.