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| 02:33 Uhr

Keine Beweise und keine Zeugen für eine Vergewaltigung

Cottbus. War es eine Vergewaltigung oder ein Missverständnis? Beide sind sie inzwischen über 40 Jahre alt, meistern ihr Leben mit Kindern und neuen Partnern. Fünf Jahre mussten sie auf einen Gerichtstermin warten. Annett Igel-Allzeit

Vor sieben Jahre waren sie ein Paar.

Marion Rauch, Richterin am Amtsgericht in Cottbus, kann die Frage nach der Vergewaltigung nicht klären. Es mangelt an Beweisen für jene Nacht im November 2007, und die Nebenklägerin macht von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Die Akte allein reicht nicht für die Verurteilung des Angeklagten.

Nach der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft soll sich der Angeklagte seiner damalige Lebensgefährtin sexuell genähert haben, während sie fest schlief. Als die Frau von den heftigen Handlungen aufwachte, sei sie geschockt aus dem Schlafzimmer geflohen. Wenige Tage später im Dezember habe sie der Angeklagte laut Vorwurf in einer Eifersuchtsszene gegen die Wand geschleudert, ihr Handy beschädigt, sie bedroht und erneut sexuell belästigt.

Zeugen vor Ort gab es nicht, lediglich Zeugen, denen die Nebenklägerin damals von den Vorkommnissen erzählte. Für sie hatte die Amtsrichterin schon weitere Gerichtstermine benannt. Doch die werden nun gestrichen. Denn um sich selbst und andere nicht strafrechtlich zu belasten, macht die Nebenklägerin von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Da sie nichts schildert, sagt auch der Angeklagte nichts. Dass er die Vorwürfe umfassend bestreitet, steht bereits in der Akte.

So bleibt der Richterin nur, den Cottbuser freizusprechen. "Ich habe nichts, was ich Ihnen anlasten kann", sagt sie. Der Anwalt des Angeklagten dankt ihr: Die Richterin habe in den Akten gelesen, was die Staatsanwalt vor Jahren hätte sehen müssen: Widersprüche. Für seinen Mandanten sei die Zeit bis zur Verhandlung auch eine Belastung gewesen. Die Nebenklägerin weint, auch sie wollte endlich Ruhe.