| 17:54 Uhr

Kaum Apfelsaft aus der Region

Die Laufbänder für das Obst und die Waage zum Auswiegen der angelieferten Äpfel sind fast verwaist. Es gibt kaum etwas zu wiegen und zu transportieren in diesem Jahr in der Burger Spreewaldmosterei.
Die Laufbänder für das Obst und die Waage zum Auswiegen der angelieferten Äpfel sind fast verwaist. Es gibt kaum etwas zu wiegen und zu transportieren in diesem Jahr in der Burger Spreewaldmosterei. FOTO: Hirche/jul1
Burg. Die Sorgenfalten auf dem Gesicht von Hans-Joachim Jank haben zugenommen: "So ein schlechtes Obstjahr hatten wir seit der Wende noch nie. Wir bekommen rund 90 Prozent weniger Obst als in normalen Jahren. Marion Hirche / jul1

Das ist ein Totaleinbruch! Wir wissen nicht, woraus wir Saft machen sollen", sagt der Mosterei-Inhaber.

Durch die Kälte im Frühjahr gibt es in diesem Jahr kaum Äpfel und Birnen. Christina Jank nennt Zahlen: "Von unserer Annahmestelle in Guben bekommen wir durchschnittlich 15 Tonnen Äpfel - bis jetzt haben wir eine Tonne. Dabei haben wir unsere Aufkaufpreise schon verdoppelt." Das Traditionsunternehmen verarbeitet normalerweise pro Jahr rund 500 Tonnen Obst, bis jetzt sind es gerade mal 24 Tonnen. "2013 hatten wir schon mal so ein Dürrejahr. Gegen jetzt war das damals aber noch gut", sagt Hans-Joachim Jank. Er berichtet von langjährigen Partnern, die stets Früchte von ihren Bäumen zur Burger Mosterei gebracht haben, die aber diesmal noch gar nicht oder nur mit "Körbchen" da waren.

Das Hauptprodukt der Spreewaldmosterei sind Apfelsäfte aus regionalem Anbau, wie auf den meisten Etiketten vermerkt. "Aber es gibt keine Früchte in der Region, da werden wir wohl die Etiketten ändern müssen", überlegt Christina Jank. Selbst bei den Erdbeeren, die sie zu Saft verarbeiten, war diesmal eine Einbuße von einem Drittel zu verzeichnen. Lediglich beim Holunder gab es einen Lichtblick.

Die Mostereibesitzer haben sich nach Äpfeln in anderen Regionen umgeschaut: "Wir helfen uns als Kollegen auch untereinander, aber diesmal kann keiner helfen. Auch in Sachsen und Thüringen gibt es keine Äpfel. In Polen und Tschechien haben wir uns umgehört und sind nicht fündig geworden. Es ist katastrophal", bringt Christina Jank die Situation auf den Punkt.

Kann kein Saft produziert werden, wird auch nichts verkauft. Der Burger Firmeninhaber sieht daher schon das nächste Problem: "Ich habe 13 Mitarbeiter, und für die muss Arbeit da sein, sonst muss ich sie entlassen." Dabei sei er froh, dass er jetzt gute Mitarbeiter habe: "Die wären im Nu weg".

Bis jetzt haben Janks noch keine Lösung: "Wir haben es immer geschafft, aber diesmal schaffen wir es nicht." Bleibt die Hoffnung auf Unterstützung von der Politik, obwohl sie schon oft erlebt hätten, dass zwar die Bauern in schlechten Jahren bedacht, die Folgeunternehmen aber vergessen wurden. Auch die Hoffnung auf Apfellieferanten haben Janks noch nicht aufgegeben: Die Obstannahme hat nach wie vor montags und mittwochs von 7 bis 12 Uhr und 13 bis 18 Uhr geöffnet.