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| 19:01 Uhr

Tierschutz
Katzenjammer auf Cottbuser Straßen

Es geht ihnen gut im Cottbuser Tierheim, trotzdem wünschen sichwahrscheinlich alle Katzen ein geordnetes Leben mit Familienanschluss.
Es geht ihnen gut im Cottbuser Tierheim, trotzdem wünschen sichwahrscheinlich alle Katzen ein geordnetes Leben mit Familienanschluss. FOTO: LR / Hilscher Andrea
Cottbus. Rund 115 Streuner leben wild im Stadtgebiet. Um weiteres Elend zu verhindern, wirbt das Tierheim für Kastrationen. Von Andrea Hilscher

Wer aufmerksam durch die Stadt läuft, bemerkt sie schnell: An 30 Stellen in der Stadt versorgen Helfer 115 lebenden Katzen regelmäßig mit Futter. Die Streuner sind kastriert und markiert, Neuzugänge werden gefangen, ärztlich behandelt, ebenfalls kastriert und dann wieder ausgesetzt. „So wollen wir die unkontrollierte Vermehrung der Katzen eindämmen“, sagt Elke Klengel, die sich seit 18 Jahren ehrenamtlich im Cottbuser Tierheim engagiert. Am 4. August will sie im Vorfeld des Welttages der Katze am 8. August auf das Elend von Tieren aufmerksam machen, die ihr Dasein auf der Straße fristen müssen.

„Die Katzen haben kein schönes Leben“, weiß Elke Klengel. Sie sind oft abgemagert, von Kämpfen gezeichnet. Selbst mit vielerlei Krankheiten infiziert, geben sie diese an andere Tiere weiter. „Wenn wir sie nicht kastrieren, vermehren sich Katzen unglaublich schnell“, so die Expertin. Nur zwei Prozent aller privat gehaltenen weiblichen Katzen reichen aus, um im Jahr eine halbe Million Katzenbabys zur Welt zu bringen. Fast immer ist der Katzennachwuchs unerwünscht, und so landen die Kleinen bestenfalls im Tierheim oder schlimmstenfalls auf der Straße.

Um das Problem der immer weiter anwachsenden Katzenpopulationen einzudämmen, fordert der Deutsche Tierschutzbund eine Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen mit Freigang. Paderborn war 2008 die erste Stadt, die eine entsprechende Vorschrift in die Kommunalverordnung aufgenommen hat. Elke Klengel: „Wir setzen in unseren Kampagnen auf Verständnis und Aufklärung. Wenn die Menschen wissen, welches Elend ungewollte Katzen erwartet, werden sie vielleicht aufmerksam und melden uns, wenn sie neue Streuner in Gartenanlagen oder in der Nähe von Gaststätten sehen. Dann können wir sie versorgen und später wieder aussetzen.“ Ein Leben im Tierheim oder in engen Wohnungen wäre für die halbwilden Katzen eine Qual.

Sichtlich wohl dagegen fühlen sich ihr Artgenossen in den Katzenstuben oder dem weitläufigen Katzengarten im Tierheim.  161 Hauskatzen  aller Altersklassen leben hier, zwölf von ihnen sind noch so jung, dass sie derzeit nicht abgegeben werden können. Elke Klengel: „Die Tiere sind hier gut versorgt, haben genügend Auslauf, artgerechte Spielmöglichkeiten und ab und an Besucher, mit denen sie kuscheln können.“

Tierheimkatzen werden immer kastriert. Die Operation bringt für Katzen wie Kater mehrere Vorteile mit sich. Ob Männchen oder Weibchen, beide wenden sich mehr ihrem Halter zu und werden häuslicher. Kater hören zudem auf, ihr Revier zu markieren und entfernen sich nicht mehr so weit von ihrem Zuhause. So sind sie weniger Gefahren, wie beispielsweise Kämpfen mit den Nachbarskatern, Autounfällen und Ansteckung von gefährlichen Viren, ausgesetzt. Folglich haben kastrierte Kater auch eine höhere Lebenserwartung.

Elke Klengel weiß, wovon sie spricht: Ihre eigene Katze hat es auf ein stolzes Alter von 20 Jahren gebracht.