Vor 75 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Am 8. Mai kapitulierte Deutschland, am 30. April hatte sich Hitler im Führerbunker erschossen. Die letzten Tage des Krieges waren in der Lausitz noch einmal von viel Leid und Zerstörung geprägt. Städte wurden zu großen Teilen vernichtet, ihr Bild bis heute verändert. Viele Menschen fanden in den Kesselschlachten von Halbe und Kausche, in den blutigen Kämpfen um die Neiße oder um Berlin den Tod. Viele erlebten unbeschreibliches Leid.
Die Lausitzer Rundschau blickt in zahlreichen Beiträgen zurück in die Geschichte und die Folgen der April- und Maitage vor 75 Jahren.

Zweiter Weltkrieg: Als Lübben auf Hitlers Befehl sein Gesicht verlor

Viele Orte in der Lausitz können noch heute mit historischen Häuserzeilen punkten. Lübben im Spreewald hingegen trägt rund um den Marktplatz ein modernes Antlitz. Der Grund: Anders als in anderen Städten wurde dort die weiße Fahne nicht gehisst.
In Anbetracht der Überzahl der russischen Streitkräfte war die Stadt praktisch bereits erobert. Doch ein fanatisches Trio aus Kommandanten der Wehrmacht, der NSDAP und der Polizei bestand auf der Umsetzung des Hitler-Befehls, bis zum letzten Mann zu kämpfen.
In den letzten Apriltagen 1945 fiel Lübben aus diesem Grund in Schutt und Asche. Dem Artilleriebeschuss und Straßenkämpfen in der Innenstadt folgte ein Feuersturm. 90 Prozent der Innenstadt wurden dem Erdboden gleichgemacht.

Zweiter Weltkrieg: Die sinnlose Schlacht um Forst

Als der Krieg 1945 die Neiße erreichte, war sein nahes Ende eigentlich längst allen klar. Gekämpft wurde dennoch um jeden Meter Boden. Wie blutig – und sinnlos – die Kämpfe waren lässt sich aus den Tagebüchern lesen, die zahlreiche Soldaten auch in den letzten Kriegstagen noch geschrieben haben. Eines ist kürzlich erst wieder entdeckt worden. Es erzählt von den letzten Tagen in Forst.
Immer wieder werden im Februar 1945 Soldaten über die Neiße geschickt. Sie sollen einen Brückenkopf gegen die anrückende Sowjetarmee verteidigen. Ausbildung und Bewaffnung der Volkssturm-Soldaten reichen dafür nicht aus. Doch selbst Hitlerjungen werden gegen die Panzer geschickt. Am Ende liegen 85 Prozent der Stadt in Trümmern, der umkämpfte Ortsteil Berge verschwindet für immer.
Ende des Zweiten Weltkriegs Die sinnlose Schlacht um die Neiße

Forst

Zweiter Weltkrieg: Der lange Marsch der Kriegsgefangenen bis Spremberg

Jahr für Jahr erinnern Soldaten der der britischen Royal Air Force in der Lausitz an den langen Marsch ihrer Kameraden. Angehörige von amerikanischen, britischen, kanadischen und neuseeländischen Luftwaffeneinheiten waren im Winter 1944/45 vom Stammlager Luft III in Sagan nach Spremberg geschickt worden. Wir zeichnen den Weg dieses Langen Marsches nach.

Zweiter Weltkrieg: Die Angst vor den angeblichen Werwölfen

Als der Zweite Weltkrieg endet, rufen SS und Nazi-Propaganda zum Kampf hinter den Fronten auf. Die Angst vor allem der sowjetischen Truppen vor diesen meist jugendlichen Werwölfen ist groß. Viele weden verhaftet, oft grundlos. Die RUNDSCHAU hat mit einem der Jugendlichen von damals gesprochen.

Zweiter Weltkrieg: Todesmarsch von Schwarzheide nach Theresienstadt

Die SS zwingt 600 Häftlinge des KZ-Außenlagers Schwarzheide kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs zu einem Marsch nach Theresienstadt. Nur jeder Zweite überlebt. Unter ihnen der damals 18-jährige Hans Gärtner.

Zweiter Weltkrieg: Wie die Volkssolidarität die Kinder in Cottbus rettete

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist die Not überall groß. Besonders hart getroffen aber sind die Kinder. Eine Aktion gegen die Not, die nach dem Ende des Zweiten lebt in Cottbus bis heute: die Volkssolidarität. Die 87-jährige Regina Nicolaus (87) erinnert sich.

Das explosive Erbe des Zweiten Weltkriegs

Was die Lausitz bis heute prägt, ist das explosive Erbe des Zweiten Weltkriegs. Regelmäßig werden bei Bauarbeiten Bomben im Boden gefunden. Wie groß ist die Last 75 Jahre nach dem Kriegsende noch? Was schlummert noch im Lausitzer Boden? Für die Kampfmittelexperten geht die Arbeit jedenfalls noch lange nicht aus.

Cottbus/Forst

Wie der Zweite Weltkrieg einer Forster Schulkasse das Abi versaute

Viele Lebensläufe wurden durch den Zweiten Weltkrieg auf den Kopf gestellt oder jäh beendet. Exemplarisch erzählen lässt sich das anhand einer Schulklasse aus Forst, die planmäßig 1946 in Forst ihr Abitur ablegen wollte. Nur drei der rund 25 Schüler schafften das tatsächlich.
Wolfgang Reichmuth, heute 92, ist einer der Schüler, die 1938 nach vierjähriger Grundschulzeit mit zehn Jahren auf das Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium wechselte. Für die RUNDSCHAU hat er seine – und die Geschichte seiner Mitschüler – aufgeschrieben.

Wie Branitz das Ende des Zweiten Weltkriegs überlebte

Junkerland in Bauernhand!, heißt es nach 1945 zunächst auch in Branitz. Es war jene agitatorische Losung, die die Bodenreform 1945 im Osten Deutschlands vorantreibt und die Verteilung des adligen Grundbesitzes über 100 Hektar an Neubauern und Flüchtlinge begleitet. Auch in Cottbus herrscht zunächst die Sowjetische Militäradministration, deren Kommandantur sich zeitweilig im Schloss einquartiert. Doch Schloss Branitz hat Glück.

1945: Eine neue Grenze durchschneidet die Lausitz

Von den Brücken über die Neiße war zum Kriegsende so gut wie keine mehr da. Die zertrümmerten Brückenköpfe blieben als Zeichen dafür, was für die Lausitz anders werden würde. Der Fluss war nun eine Grenze. Die ging mitten durch das, was davor die Lausitz war. Guben, Forst und Görlitz – alles Städte mit Fluss in der Mitte – waren nun geteilte Städte am Fluss. Es waren die Industriezentren der Lausitz. Nun hatten sie Randlage.

Als die Sowjets die Lausitzer Industrie abbauten

Im Frühling 1945 lag die Lausitz in Trümmern. Aber das war nur ein Teil des Strukturbruchs, der noch kommen sollte. Deutschland hatte Reparationen zu leisten für das, was seine Kriegsmaschine an Zerstörung über den Kontinent gebracht hatte. Darüber waren sich die Alliierten schon im Februar 1945 bei der Konferenz im russischen Jalta einig. In Potsdam wurden die Pläne dann im Sommer konkret: Die USA waren interessiert an deutschem Know-How. Die Sowjetunion wollten harte Produktionsmittel. Industrieanlagen, Fabriken, ganze Schiffe und Labore fuhren von da an auf Güterzügen in Richtung Osten.

Leitartikel: Warum Deutschland vor 75 Jahren befreit werden musste

Die alliierten Siegermächte zwangen die Deutschen zurück in die Menschlichkeit. Der Verlauf und die Folgen des Zweiten Weltkriegs haben die Lausitz geprägt. Es bleibt wichtig, daran zu erinnern und zu erklären, warum es so kam. Ein Kommentar von Chefredakteur Oliver Haustein-Teßmer.
Weitere Texte zum Thema sind bereits erschienen:

Zweiter Weltkrieg: Der verlorene Transport von Tröbitz

Am 23. April 2020 hat sich zum 75. Mal die Befreiung von mehr als 2000 jüdischen KZ-Häftlingen nahe Tröbitz gejährt. Hinter ihnen lag eine 13-tägige Irrfahrt in einem 43 Waggons langen Zug, der als Verlorener Transport in die Geschichte einging. Vom Konzentrationslager Bergen-Belsen waren wenige Tage vor Kriegsende drei solcher Züge mit jeweils etwa 2500 jüdischen Männern, Frauen und Kindern zum KZ Theresienstadt geschickt worden. Der dritte Zug irrte zwei Wochen lang zwischen den Fronten hin und her, bis er am 23. April 1945 nahe Tröbitz auf freier Strecke zum Stehen kam und ihn niemand mehr auf dem Schirm hatte.

Zweiter Weltkrieg: Plessa erinnert an die Gräuel

Ende April, wenige Tage vor der kapitulation Deutschlands, kommt es in der Lausitz noch zu zahlreichen Gräueltaten, auch in Plessa.

Zweiter Weltkrieg: Erinnerung an das Kriegsende in Cottbus

Karl Klaus Walther hat seine persönlichen Erinnerungen an das Kriegsende in Cottbus aufgeschrieben. Er ist der Sohn des langjährigen Stadtarchivars Max Walther und war 1945 zehn Jahre alt.

Zweiter Weltkrieg: Als Hitler von Herzberg ins Reich tönte

Für die Geschichte des Rundfunks in Deutschland ist Herzberg ein historischer Ort, allerdings einer, von dem nicht viel geblieben ist. In der Zeit des Nationalsozialismus war das anders. Damals stand hier der Deutschlandsender III, ein Langwellensender über den Propagandaminister Goebbels und seine Gefolgsleute ihre Radioprogramme ins ganze Land ausstrahlen konnten.
Ein neues Buch über den Deutschlandsender III von Dr. Olaf Meier und Ulf Lehmann unterstreicht vor allem die systemrelevante Bedeutung der Anlage in Herzberg und deren technische Raffinesse, die damals europaweit Beachtung fand.

Zweiter Weltkrieg: Nur ihre Bücher sind geblieben

Rund sechs Millionen Juden wurden in der Zeit der Nazi-Diktatur im Deutschen Reich enteignet und ermordet. Ihr Leben verloren viele auf den Transporten in die Vernichtungslager, als Arbeitskräfte oder in den Gaskammern der KZ. Ihr Besitz wurde verkauft oder in staatliche Hände gegeben.
Seit einigen Jahren wird in Deutschland versucht, Teile dieses Unrechts wieder gutzumachen und Bücher an ihre Eigentümer zurückzugeben. In Bautzen ist da gelungen.

Der Cottbuser, der beim Attentat auf Hitler starb

Der Zweite Weltkrieg hätte schon früher zu Ende sein können. Wenn das Attentat auf den Führer 1944 erfolgreich gewesen wäre. Der Cottbuser Heinrich Berger wurde am 20. Juli beim Stauffenberg-Attentat auf den Diktator Adolf Hitler getötet.