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Cottbus
Kampf um neue Straßenbahnen

Noch ist der neunte Langläufer blitzweiß und deshalb gut zu erkennen. Maik Ragodzki wird sich um die Gestaltung der aufgemöbelten Bahn kümmern. Der Entwurf befindet sich in der Feinabstimmung. Der Fotograf kennt den Betrieb gut, hat er doch die Mitarbeiter der Werkstatt begleitet und abgelichtet. Die Bilder haben sich im vergangenen Jahr rund 1000 Besucher bei der Cottbusverkehr-Ausstellung im E-Werk angesehen.
Noch ist der neunte Langläufer blitzweiß und deshalb gut zu erkennen. Maik Ragodzki wird sich um die Gestaltung der aufgemöbelten Bahn kümmern. Der Entwurf befindet sich in der Feinabstimmung. Der Fotograf kennt den Betrieb gut, hat er doch die Mitarbeiter der Werkstatt begleitet und abgelichtet. Die Bilder haben sich im vergangenen Jahr rund 1000 Besucher bei der Cottbusverkehr-Ausstellung im E-Werk angesehen. FOTO: Cottbusverkehr
Cottbus. Cottbusverkehr schließt das Jahr 2017 gut ab und will 2018 mit Frankfurt (Oder) und Brandenburg an der Havel für neue Straßenbahnen kooperieren – das ist einmalig. Von Peggy Kompalla

Derzeit fährt eine Albino-Straßenbahn durch Cottbus. Sie ist blitzweiß, weil sie gerade erst die Werkstatt von Cottbusverkehr verlassen hat. Dabei handelt es sich um den neunten Langläufer – also eine alte Straßenbahn, die der städtische Verkehrsbetrieb durch eine Generalüberhohlung und Modernisierung wieder fit für die Schiene gemacht hat. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht rechnet sich das nicht mehr. Aber Geschäftsführer Ralf Thalmann fragt: „Was ist die Alternative?“ Eine Antwort gibt er nicht. Denn sie ist für Cottbus undenkbar. Die Straßenbahn gehört nun einmal zum Selbstverständnis der Stadt.

Genau deshalb konzentriert sich das Unternehmen in diesem Jahr auf die Beschaffung neuer Bahnen. Das Land Brandenburg hat eine neue Straßenbahnförderung aufgelegt. Der Topf ist mit 48 Millionen Euro gefüllt. Das klingt zunächst gut. Bei näherer Betrachtung sieht es aber schon anders aus. Thalmann rechnet vor: „Für Cottbusverkehr gibt es bis zum Jahr 2020 insgesamt 5,7 Millionen Euro für neue Bahnen.“ Von dem Geld kann sich der Verkehrsbetrieb gerade einmal zwei Bahnen kaufen, 20 braucht der überalterte Fuhrpark aber dringend. Gesamtsumme: 45 Millionen Euro.

Deshalb geht Cottbusverkehr ungewöhnliche Wege und will sich mit den Verkehrsbetrieben von Frankfurt (Oder) und Brandenburg an der Havel zusammentun. „Unter den knappen Mitteln, unter denen wir segeln, ist das eine einmalige Chance für uns“, so der Geschäftsführer. Allerdings auch eine Chance mit Hindernissen, denn drei Städte müssen sich auf einen Fahrzeugtyp einigen. Wie schwierig das werden kann, zeigt allein eine technische Größe: In Cottbus sind die Straßenbahnen 2,40 Meter breit, in Brandenburg dagegen nur 2,30 Meter. „Es wird natürlich nur ein Kompromiss für alle werden“, sagt Ralf Thalmann. Die Vorteile liegen aber auf der Hand. Durch eine gemeinsame Bestellung können bei den Herstellern bessere Preise ausgehandelt werden. Im Nachgang ist eine gemeinsame Lagerhaltung und Spezialisierung der einzelnen Werkstätten möglich. „So etwas gab es bislang noch nie in Deutschland.“

Der Verkehrsbetrieb hat 2017 wichtige Fundamente für die nächsten Jahre gelegt. Wichtigster Posten ist dabei die Direktvergabe des Stadtverkehrs für die nächsten 22 Jahre an das Unternehmen. Über solch einen langen Zeitraum ist das ungewöhnlich. „Nach Hannover sind wir erst die zweite Stadt, die das geschafft hat“, betont Ralf Thalmann. Für den Regionalverkehr erhielt Cottbusverkehr vom Landkreis Spree-Neiße für die nächsten zehn Jahre den Zuschlag. „Das gibt uns Planungssicherheit“, betont der Chef. „Bei den Banken hat das dafür gesorgt, dass wir keine Kommunalbürgschaften brauchen.“

Der Verkehrsbetrieb braucht nicht nur für neue Bahnen Geld. Allein in den Ausbau des Verkehrsknotens am Bahnhof investiert Cottbusverkehr in den nächsten Jahren 4,2 Millionen Euro. Darüber hinaus ist das Planfeststellungsverfahren für den neuen Umstieg in Madlow nach sieben Jahren abgeschlossen. „Das ist ein wichtiger Umstiegspunkt zwischen Regional- und Stadtverkehr“, sagt Ralf Thalmann. „Dort werden in diesem Jahr endlich mit dem Umbau beginnen.“ Haltestellen von Bus und Straßenbahn werden zusammengelegt, Parkplätze eingerichtet. Darüber hinaus muss der Busfuhrpark weiter erneuert werden. Nachdem Cottbusverkehr 2017 fünf neue Busse angeschafft hat, sollen in diesem Jahr sechs Fahrzeuge ausgetauscht werden.