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| 16:39 Uhr

Cottbus
Die gerupfte Amtslaube

Das dichte grüne Dach der Platanen hat Lücken.
Das dichte grüne Dach der Platanen hat Lücken. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Cottbus. Die Stadt will das beliebte Platanen-Ensemble auf dem Altmarkt retten. Dafür stellt der Fachbereich drei Varianten vor.

Der Altmarkt hat ein grünes Dach – im Fachjargon Amtslaube genannt. Dieses grüne Amt leidet. Von den einst zwölf Platanen stehen nur noch neun, damit lichtet sich das Dach allmählich. Der Standort ist schwierig für die Bäume. Und doch ist der Fachbereich Grün- und Verkehrsflächen im Rathaus bemüht, dieses beliebte Baum-Ensemble zu erhalten. Dafür liegen nun drei Varianten vor. Sie wurden im jüngsten Umweltausschuss vorgestellt.

Die ersten Schäden zeigen sich an der Amtslaube im Jahr 2015. In den folgenden drei Jahren wird jeweils ein Baum gefällt und komplett entnommen. Schon damals stellt sich den Fachleuten die Frage: Woran liegt’s? Ein Gutachten bringt Antworten. Zum einen bedeutet der Standort und der Verschnitt für die Bäume Stress. Aber das größte Problem ist die Bodenverdichtung. Das zeigt sich eindrücklich, als die eingegangenen Bäume ausgegraben werden. Die Wurzeln sind auch nach 17 Jahren nicht aus dem Ballen herausgewachsen. Mandy Hackel aus dem Fachbereich erklärt: „Die permanenten Erschütterungen durch den Verkehr tragen zur Verdichtung des Bodens bei. Das führt zu Luft- und Wasserknappheit an den Wurzeln.“

Einen ersten Rettungsakt unternimmt die Stadt deshalb Anfang August mit großem Aufwand und mithilfe einer Fachfirma. Dabei wird rund um die Wurzeln mit Lanzen und Luftdruckstößen der Boden aufgelockert. So kommt Luft an die Wurzeln, im Anschluss werden die Bäume ordentlich bewässert. Zudem stehen seither Bewässerungssäcke an den Platanen. Durch winzige Löcher tropft das Wasser allmählich ins Erdreich. Diese Säcke helfen nicht nur den Platanen, sondern sind die Rettung zahlreicher Bäume in diesem Dürresommer, der kein Ende zu kennen scheint.

Doch wie soll es mit der Amtslaube weitergehen? Darauf gibt es aus fachlicher Sicht drei Antworten. Die stellt Mandy Hackel den Abgeordneten des Umweltausschusses vor.

1 Der Bestand wird in seinem jetzigen Zustand erhalten: Es bleibt bei den neun Platanen – trotz Lücken. Gleichzeitig wird dafür gesorgt, dass die Bäume mit dem Standort besser zurechtkommen. Sollte die Entscheidung für diese Variante fallen,  muss die Stadt für die drei fehlenden Bäume rund 3500 Euro an Fördermitteln zurückzahlen. Gesamtkosten: 40 000 Euro.

2 Der Bestand wird erhalten und drei Bäume nachgepflanzt: Allein für die Nachpflanzung werden wegen des höheren Aufwandes und der höheren Qualität der Jungbäume 11 000 Euro fällig. Zudem sollen die Bedingungen für die neun Original-Bäume verbessert werden. Gesamtkosten: 47 000 Euro.

3 Alles wird neu gepflanzt: Das ist die aufwendigste Variante, bei der alle Bäume entnommen werden. Danach würde ein Bodenaustausch vorgenommen werden, Substrat eingebracht und ein Belüftungssystem. Hinzu kommt die Neupflanzung. Gesamtkosten: 65 000 Euro.

Die Verwaltung empfiehlt die kostengünstigste Variante 1. „Wir sollten die Rückzahlung des Fördergeldes in Kauf nehmen und in die Standortverbesserung für die verbleibenden Bäume investieren“, sagt Mandy Hackel. Im Umweltausschuss plädiert die Mehrheit allerdings für Variante 2 mit den Nachpflanzungen. Die birgt allerdings ein Risiko und einen Nachteil. Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass in der kommenden Zeit trotz aufwendiger Bemühungen weitere Original-Bäume eingehen. Zudem brauchen die Neupflanzungen einige Jahre, um die Lücken im Dach der Amtslaube zu schließen.

Eine endgültige Entscheidung ist damit noch nicht gefallen. Der Ausschussvorsitzende Wolfgang Bialas (CDU) gibt der Verwaltung noch einen Gedanken auf den Weg. „Vielleicht finden sich ja Platanen-Paten?“ Denn den Cottbusern sei diese Amtslaube auf dem Altmarkt längst ans Herz gewachsen.

Der Altmarkt wurde in den Jahren 1999 und 2000 nach dem Entwurf des Büros von Prof. Heinz Nagler neu gestaltet.