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"Kaiseradler" war ein Hingucker

Dieses Foto aus dem Jahr 1909 zeigt die Eckhäuser der damaligen Lausitzer Straße.
Dieses Foto aus dem Jahr 1909 zeigt die Eckhäuser der damaligen Lausitzer Straße. FOTO: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Die Cottbuser Heimatforscherin Dora Liersch erkundet die Historie der heutigen Adolph-Kolping-Straße. Sie kommentiert eine historische Postkarte aus der Zeit, als sie noch Lausitzer Straße hieß. Dora Liersch / dli9

Als die ersten Häuser in dieser Straße gebaut wurden, bekamen sie fortlaufende Nummern und standen in der Spremberger Vorstadt. Später erhielt die Straße den Namen Tiegelstraße, weil an ihrer Ecke zur Taubenstraße der Gasthof "Zum Tiegel" stand, dessen Anschrift aber Taubenstraße 28 lautete. 1893 wurde dann aus der Tiegelstraße die Lausitzer Straße. Diese Bezeichnung ist älteren Cottbusern noch geläufig. Erst im Jahre 1948 wurde auf Beschluss der Stadtverordneten aus der Lausitzer Straße die Wilhelm-Külz-Straße. 45 Jahre behielt die Straße diesen Namen. Dann wurde sie geteilt. 1993 blieb der westlich der Bahnhofstraße liegende Teil bei seinem Namen, während der östliche Teil den Namen Adolph-Kolping-Straße erhielt. Genau in diesen Straßenteil schauen wir. Besonders interessant sind die beiden Eckgebäude, links mit den Hausnummern Bahnhofstraße 29/30 und rechts das zur Adolph-Kolping-Straße zählende Gebäude.

Mit dem Anschluss an die Eisenbahn, der sich rasant entwickelnden Industrialisierung, den entstehenden Tuchfabriken und dem Ausbau der Bahnhofstraße, kamen viele Reisende nach Cottbus, um hier Geschäfte zu machen. Benötigt wurden also Übernachtungs- und Tagungsmöglichkeiten. Im Jahre 1891 gab es in Cottbus außer zahlreichen Restaurants auch zehn Hotels. Leider ist die genaue Bettenzahl nicht bekannt, doch gab es Baubetriebe und Gastronomen, die auf weiteren Umsatz durch Neubauten hofften.

So wurde in der Bahnhofstraße einschließlich des Eckgrundstückes zur damaligen Lausitzer Straße ein ahnsehnlicher Hotelkomplex errichtet und am 1. April 1893 eingeweiht. Der ausführende Baubetrieb war der von Ewald Schulz. Das Hotel erhielt den Namen "Kaiseradler". Die Eckgestaltung war seinerzeit typisch. Der Haupteingang befand sich auf der Gebäudeecke, die durch einen runden Balkon in der ersten Etage und darüber befindlichem runden Erker mit bewohnbarem Türmchen mit Barockhäubchen geschmückt war.

Dieses Haus war einfach ein "Hingucker". Eigentümer und Betreiber des Hotels wechselten. Zunächst war es Bernhard Mellmann, im Jahre 1902 Gustav Würffel, es folgte für eineinhalb Jahrzehnte der Hoflieferant Fritz Herms, der den Hotelbetrieb trotz Eigentümerwechsels in der ersten Hälfte der 1930er-Jahre an Borchard weiter führte, bis er alles erwerben konnte. 1940 war dann die Witwe Margarete Herms in Berlin-Lankwitz Eigentümerin, während das Hotel von Martin Rossow geführt wurde.

Entlang der Bahnhofstraße befand sich eine überdachte Terrasse, wo es sich gemütlich speisen und Kaffee trinken ließ. Dieses Haus mit der neoklassizistischen Stuckfassade erlitt beim Bombenangriff im Februar 1945 vor allem Luftdruckschäden. Mit Gründung der Reichsbahndirektion Cottbus nach 1945 wurde das Hotel zu einem Verwaltungsgebäude umgebaut.

Die Reichsbahndirektion ist nach der Wiedervereinigung Deutschlands aufgelöst worden. Bürogebäude ist das Haus aber geblieben. Das Nachbarhaus, damals Lausitzer Straße 52, ist auch ein Bau der vorletzten Jahrhundertwende. Viele Jahrzehnte betrieb der Kaufmann Fritz Wilke hier seinen Milchladen. Gewiss gibt es noch Cottbuser, die sich erinnern, gerade in der Nachkriegszeit dort die auf Marken zugeteilte Milch für Kinder mit der Milchkanne abgeholt zu haben. Aus großen Tonbottichen wurde mit maßgenauen Schöpfkellen die Milch aus den Tongefäßen ausgegeben.

Die andere Straßenecke zur Bahnhofstraße trug die Bezeichnung Lausitzer Straße 8a. Das Haus, ebenfalls ein betonendes Eckhaus mit Stuck, mehr dem Jugendstil entlehnt, gehörte der Familie Krüger. An das Zigarrengeschäft wird sich kaum noch jemand erinnern, aber an die "Drogerie Krüger", die es nach 1945 in dem Eckladen gab. (Obwohl diagonal dazu die "Drogerie Bradel" vorhanden war). Zu DDR-Zeiten erhielten die einst mit Stuck verzierten Häuser ihre glatt abgeputzten farblich abgetönten Fassaden, die inzwischen neu aufgearbeitet sind.