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Kadarka trifft auf Gurke

Der Bürgermeister der bulgarischen Partnerstadt Targowischte, Dr. Darin Dimitrov (2.v.l.), auf einem Rundgang durch die Cottbuser Altstadt mit dem Cottbuser Postkutscher Ronne Noack.
Der Bürgermeister der bulgarischen Partnerstadt Targowischte, Dr. Darin Dimitrov (2.v.l.), auf einem Rundgang durch die Cottbuser Altstadt mit dem Cottbuser Postkutscher Ronne Noack. FOTO: Rüdiger Hofmann
Cottbus. Der Oberbürgermeister aus dem bulgarischen Targowischte besucht in dieser Woche Cottbus. Wie erfolgt kommunale Selbstverwaltung? Rüdiger Hofmann

Rosenthaler Kadarka und Schopska-Salat - im früheren Restaurant "Targowischte" am Altmarkt hatten Tausende Cottbuser ihre erste "Begegnung" mit der bulgarischen Partnerstadt. Heute sind es an gleicher Stelle im Mosquito neuartige Cocktails, in anderen Restaurants auch regionale Spezialitäten wie Spreewälder Gurken, die man hier genießen kann. Seit 1975 gibt es nun die Städtepartnerschaft zwischen Cottbus und Targowischte. Grund genug, dass der heutige Oberbürgermeister Darin Dimitrov der Stadt an der Spree erstmals einen Besuch abstattet.

Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU): "Ich freue mich auf den Besuch des neuen Kollegen aus Targowischte. Kennenlernen und Austausch sind immer wichtig. Wir vermitteln gern unsere Erfahrungen." Kelch war als Bürgermeister zuletzt 2008 in Bulgarien. Damals gab es auch ein Treffen bei einem Theaterfestival sowie Kontakte zwischen Unternehmern aus beiden Städten.

Vor allem die Cottbuser Erfahrungen aus dem Bereich der kommunalen Selbstverwaltung sind für die bulgarische Seite von Interesse. "Wir wollen uns anschauen, welche Methoden hierbei angewendet werden. Außerdem möchten wir uns ein Bild davon machen, wie die Stadtreinigung funktioniert, und wie Grün- und Verkehrsflächen sauber gehalten werden", sagt Darin Dimitrov. In Targowischte hätten die Bewohner nämlich hauptsächlich Probleme mit herrenlosen Hunden, die auf den Straßen umherirren.

Im Vordergrund des Arbeitstreffens stehen Unternehmensbesuche in kommunalen Unternehmen wie der Lausitzer Wasser GmbH und Co. KG (LWG) und der Gebäudewirtschaft Cottbus GmbH (GWC) sowie ein Austausch über die Arbeit des Rechenzentrums und des Tierheims. Möglichkeiten der Unterstützung von Privatunternehmen würden in dieser Woche ebenso diskutiert werden. "In der Sozialverwaltung wird sich der Gast über Beratung und Betreuung ebenso informieren wie über die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen in Cottbus", sagt Rathaussprecher Jan Gloßmann.

Doch nicht nur die Arbeit, auch das Vergnügen soll bei dem städtepartnerschaftlichen Austausch nicht ganz außen vorbleiben. Daher empfing der Cottbuser Postkutscher Ronne Noack das Stadtoberhaupt von Targowischte am Dienstag zu einem Altstadtrundgang. Auf der Sprem überreichte Noack dann eine Glühlampe an Dimitrov. "Die steht symbolisch für den Visionär und Vordenker Paul Werner, der als Oberbürgermeister von Cottbus im Jahre 1903 die erste elektrische Straßenbahn durch Cottbus fahren ließ", so der Postkutscher und Gästeführer. 1903 besaß laut Noack noch keiner der Bewohner von Cottbus eine Glühlampe in den Wohnstuben.

Die Altstadttour verlief dann weiter über den Altmarkt, vorbei an der Löwen-Apotheke und dem besagten ehemaligen "Targowischte", entlang der Oberkirche bis zum Amts- und Landgericht. "Dieser Rundgang ist eine angenehme Überraschung für uns", sagte Darin Dimitrov, der von Polina Vasilieva, Koordinatorin für internationale Beziehungen und Dolmetscherin, Christalina Halacheva, Verwaltungssekretärin der Gemeinde Targowischte, und Eberhard Nahly, Koordinator internationale Beziehungen im Büro von Holger Kelch, begleitet wurde. "Ich empfinde Cottbus als eine schöne und gemütliche Stadt", sagte der Oberbürgermeister aus der bulgarischen Partnerstadt.

Dimitrov will noch bis Freitag in Cottbus bleiben. So soll es außerdem eine Führung durch Schloss und Park Branitz, eine Kahnfahrt im Spreewald und den Besuch der Buchpräsentation mit dem ehemaligen Münchner Oberbürgermeister Christian Ude in der Stadt- und Regionalbibliothek geben.