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| 18:47 Uhr

Aus dem Gericht
JVA-Verfahren gegen Maskenmann eingestellt

Cottbus . Die Hauptverhandlung gegen Christian W. und Ralf H. wegen der Überfälle auf einen Asia-Imbiss, Jugendliche und zwei Pizzaboten im vergangenen Oktober geht im August weiter. Von Josephine Japke

Während seiner Haft in der Justizvollzugsanstalt Cottbus-Dissenchen soll Christian W., einer der beiden Maskenmänner, die im Oktober vergangenen Jahres einen Asia-Imbiss, einen Jugendnotdienst und zwei Pizzaboten überfallen haben, Beamte beleidigt und bedroht haben. Schon zuvor empfahlen Richter und Staatsanwältin diese Verfahren gegen ihn einzustellen. Weil das nicht möglich war, wurden am Mittwoch insgesamt fünf Zeugen zu den Vorfällen im Landgericht Cottbus angehört.

Mit „du Affe“ soll Christian W. den ersten Zeugen beleidigt haben. Der Hergang der Tat wirkt im Vergleich zu dem Überfall auf den Asia-Imbiss, für den Christian W. bereits zu drei Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurde, banal: „Herr W. fragte seit 8 Uhr mehrmals, ob er duschen gehen dürfe, da er um 10 Uhr Besuch kriegen sollte. Der Plan für diesen Tag sah aber vor, dass gegen 9.30 Uhr gezählt und dann duschen gegangen wird“, schildert der Beamte. Im Laufe der Diskussion sei dann die Beleidigung gefallen.

Der Zeuge sagt selbst, dass er seit mehr als 30 Jahren im Dienst sei und solche Beschimpfungen irgendwann einfach abprallen. Eine dienstliche Meldung hat er trotzdem gemacht, weil „das nun mal Vorschrift ist“. Am Ende seiner Aussage meldet sich auch Christian W. aufgebracht zu Wort und sagt: „Sie sind mir zuerst pampig und respektlos gegenüber getreten. Doch mit Gefangenen kann man auch vernünftig reden.“

Den zweiten Vorfall hat Christian W. schon zuvor selbst thematisiert: Seine Freundin war zu Besuch, die beiden stritten sich und vor Ablauf der Besuchsfrist stürmte er aus dem Raum. Da besann er sich, dass er nicht im Streit gehen möchte und wollte zurück – doch die Beamten ließen ihn nicht.

Zwei Zeugen schildern, wie sie die Situation wahrnahmen: Nach dem Besuch wurde eine vollständige Körperdurchsuchung inklusive Entkleidung angeordnet. Das sei bei Personen, die Drogenprobleme hatten, so üblich, um auszuschließen, dass während des Besuchs etwas in die Anstalt geschmuggelt wurde. Während dieser Durchsuchung sei dem Angeklagten eingefallen, dass er zurück in den Besucherraum möchte. Also schummelte er sich, nur noch halb bekleidet, unter dem Arm eines Beamten durch und zurück zu seiner Freundin.

Bei der kurze Zeit später fortgeführten Körperdurchsuchung soll Christian W. aggressiv gewesen sein und dem Beamten gedroht haben, ihn fertig machen zu lassen. „Das ließ mich aufhorchen, denn ich hab schon viel gehört und gelesen, wie Beamte im Privatleben von Freunden der Inhaftierten aufgesucht wurden“, sagt der Zeuge aus. Allerdings sei Christian W. ihm gegenüber zuvor nie so ausfallend geworden, weshalb er keine unmittelbare Angst um sein Leben hatte.

Auch eine vierte Zeugin relativiert ihre Anzeige gegen Christian W. selbst. Er hätte sie war wegen eines Vorfalls „Schlampe“ genannt, doch zu dieser Zeit arbeitete sie erst seit Kurzem in der JVA und ließ sich davon provozieren. „Heute weiß ich, dass das zur Tagesordnung gehört, weshalb ich mich davon nicht mehr beleidigt fühle. Heute würde ich darüber keine Meldung mehr schreiben“, sagt die junge Frau.

„Die Frage ist“, so der Richter, „ob diese Taten wirklich strafrechtlich verfolgenswert sind.“ Die Staatsanwältin und er sind sich einig: Nein, sind sie nicht.

FOTO: LR / Janetzko, Katrin