ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:08 Uhr

Freiwillig ins Gefängnis
Karriere hinter Gittern

 Die JVA Cottbus-Dissenchen ist die größte Justizvollzugsanstalt des Landes Brandenburg. Am Standort in Cottbus-Dissenchen sind erwachsene Männer sowie Männer im Jugendalter (14 bis 18 Jahre) und im Heranwachsendenalter (18 bis 21 Jahre) inhaftiert. Die Haftanstalt  ist von einer 1260 Meter langen und sechs Meter hohen Mauer umgeben. Fast 100 Kameras überwachen die JVA.
Die JVA Cottbus-Dissenchen ist die größte Justizvollzugsanstalt des Landes Brandenburg. Am Standort in Cottbus-Dissenchen sind erwachsene Männer sowie Männer im Jugendalter (14 bis 18 Jahre) und im Heranwachsendenalter (18 bis 21 Jahre) inhaftiert. Die Haftanstalt  ist von einer 1260 Meter langen und sechs Meter hohen Mauer umgeben. Fast 100 Kameras überwachen die JVA. FOTO: M. Behnke
Cottbus. In der JVA Cottbus-Dissenchen werden Menschen für den Dienst im Gefängnis ausbildet. Die Inhalte sind breit gefächert. Vor allem interkulturelle Kompetenz ist gefragt. Ein Besuch bei einem Auszubildenden. Von Daniel Steiger

Sechs Meter hohe Mauern, drei Wachtürme, unzählige verschlossene Sicherheitstüren. Das ist der Arbeitsplatz von Falk Schneider*. Falk Schneider ist nicht sein richtiger Name, den will er aus Sicherheitsgründen nicht in der Zeitung lesen.

Die Sicherheitsgründe sind die mehr als 380 Häftlinge, die Falk Schneider in der Justizvollzugsanstalt Cottbus-Dissenchen im Cottbuser Osten betreuen hilft. Falk Schneider macht hier eine Ausbildung für den Allgemeinen Vollzugsdienst.

 Er macht Karriere hinter Gittern: Falk Schneider* (*Name von der Redaktion geändert) macht in der JVA Cottbus-Dissenchen eine Ausbildung für den Allgemeinen Vollzugsdienst.
Er macht Karriere hinter Gittern: Falk Schneider* (*Name von der Redaktion geändert) macht in der JVA Cottbus-Dissenchen eine Ausbildung für den Allgemeinen Vollzugsdienst. FOTO: LR / Daniel Steiger

Mit ihm absolvieren gerade weitere 14 Auszubildende – Frauen und Männer – diese Laufbahn im größten Gefängnis Brandenburgs. Oliver Allolio ist Leiter der JVA Dissenchen. Er sagt: „Bei uns arbeiten keine Wärter oder Schließer. Diese Begriffe werden der Arbeit nicht gerecht.“ Es sei viel mehr als Wegschließen.

In der JVA Cottbus-Dissenchen ist interkulturelle Kompetenz gefragt

Entsprechend breit gefächert sind die Ausbildungsinhalte für diesen Beruf hinter Gittern. Auf dem Stundenplan stehen Recht, Psychologie, Sozialpädagogik, Ethik, Religion, Schutzmaßnahmen und Deeskalationsstrategien werden gelehrt.

„Bei uns ist interkulturelle Kompetenz gefragt“, sagt Allolio. In Dissenchen sitzen derzeit auch 152 Gefangene aus dem Ausland ein. Diese kommen aus 28 Ländern. Die Verständigung sei ein Gemisch aus Deutsch, Englisch, Russisch, beschreibt Falk Schneider. „Wenn gar nichts geht, verständigen wir uns auch mal mit den Händen“, so Falk Schneider.

Seine Hauptaufgabe sehe er darin, den Häftlingen einen geregelten Tagesablauf beizubringen. „Den kennen nämlich viele Gefangene aus ihrem vorherigen Leben gar nicht“, so Schneider. Früh aufstehen, Körperhygiene, nach dem Frühstück zur Arbeit. In der JVA Dissenchen gibt es eine Gärtnerei, eine Wäscherei, eine Kfz-Werkstatt und eine Hauswerkstatt. Außerdem können die Häftlinge in der Anstaltsküche und der Bäckerei arbeiten.

Ausbildung in der JVA Cottbus-Dissenchen

Zwei Jahre dauert die Ausbildung für den Allgemeinen Vollzugsdienst. Die Theorie findet in Brandenburg an der Havel statt. Ausbildungsbeginn ist zweimal jährlich: am 1. März und 1. September. Interessenten müssen zwischen 21 und 35 Jahre alt sein.

Als weitere Bedingungen für seinen Beruf nennt Falk Schneider: „Körperliche Fitness, eine gute Konzentrationsfähigkeit und Charakterfestigkeit.“ Außerdem müsse man gesund und kommunikativ sein. Wer einmal in den Beruf hineinschnuppern möchte, kann dies vor dem eigentlichen Ausbildungsbeginn als sogenannter Tarifbeschäftigter tun.

„Die Übernahmechancen nach der Ausbildung sind gut“, sagt Oliver Allolio. „Wir brauchen auch in den kommenden Jahren gute Leute.“

Junge Leute für Dienst in JVA Cottbus-Dissenchen gesucht

Nach der Ausbildung wartet der Beamtenstatus auf Lebenszeit. Der Altersdurchschnitt im Vollzugsdienst liegt derzeit bei über 48 Jahren. Da die Beamten mit 62 Jahren in den Ruhestand gehen können, werden junge Leute für den Dienst hinter Gittern gesucht. „Um das Gleichgewicht zu wahren“, wie Allolio sagt. Wichtig für das Gleichgewicht seien auch in einem reinen Männergefängnis die weiblichen Beamten. In der JVA Cottbus-Dissenchen arbeiten etwa 30 Prozent Frauen.

„Ich habe diesen Schritt hier bisher an keinem Tag bereut“, verrät Falk Schneider. Ursprünglich kommt er aus der Kfz-Branche. Das Arbeiten an den Autos war ihm aber irgendwann zu eintönig. Also hat er die Motoren gegen die Menschen eingetauscht.

War die Arbeit an Autos aber nicht weniger gefährlich? „Nein“, sagt Falk Schneider. Die Arbeit in einem Gefängnis würde er nicht als gefährlich einstufen. Bisher habe er keine Situation erlebt, in der er Angst gehabt hätte. Dafür sei ja auch die Ausbildung da, um gewisse Situationen richtig einschätzen zu können und sich gegebenenfalls zu schützen.

*Name von der Redaktion geändert