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| 16:31 Uhr

Justiz in Cottbus
Wendung im Mordprozess Gerda K.

 Der Prozess um den Tod der Cottbuser Rentnerin Gerda K. zieht sich hin. Vor dem Landgericht Cottbus muss sich ein zum Tatzeitpunkt minderjähriger Syrer verantworten. Er sitzt seit mehr als zwei Jahren in Untersuchungshaft.
Der Prozess um den Tod der Cottbuser Rentnerin Gerda K. zieht sich hin. Vor dem Landgericht Cottbus muss sich ein zum Tatzeitpunkt minderjähriger Syrer verantworten. Er sitzt seit mehr als zwei Jahren in Untersuchungshaft. FOTO: LR / Jan Augustin
Cottbus. Sachverständige des BKA prüfen die kriminaltechnische Tatortarbeit im Fall der ermordeten Cottbuser Rentnerin. Haben die polizeilichen Ermittler geschlampt? Wegen der langen Verhandlungsdauer könnte der Angeklagte zudem eventuell aus der U-Haft entlassen werden.

Seit 20 Monaten wird am Cottbuser Landgericht im Mordfall der Rentnerin Gerda K. verhandelt. Jetzt zieht das Gericht zwei Sachverständige des Bundeskriminalamtes (BKA) hinzu. Sie sollen nach Auskunft von Gerichtssprecher Frank Merker die kriminaltechnische Tatortarbeit bewerten und begutachten. „Das Gericht hat die Hinzuziehung dieser externen Experten für notwendig erachtet“, sagt Frank Merker.

Vorwürfe gegen Ermittler im Mordfall Gerda K.

In den vergangenen Monaten hatten vor allem Polizistenvernehmungen im Prozessverlauf viel Zeit eingenommen. Christian Nordhausen, der Anwalt des Angeklagten, hatte in der Vergangenheit bereits schwere Vorwürfe gegen die Ermittler erhoben: Immer wieder seien vorgelegte Akten unvollständig, Spuren seien zum Teil nicht mehr auffindbar, andere seien ungenau erfasst und dadurch nur schwer bestimmten Fundorten zuzuordnen.

Prozess im Fall Gerda K. nicht öffentlich

Der mutmaßliche Täter ist ein junger Syrer, der zur Tatzeit minderjährig war. Er fällt unter das Jugendstrafrecht, der Prozess ist nicht öffentlich. Da der Angeklagte inzwischen seit zwei Jahren und drei Monaten in Untersuchungshaft sitzt, könnte es in den kommenden Tagen zu einer Haftprüfung kommen.

Haftprüfungstermin im Fall Gerda K. möglich

Anwalt Christian Nordhausen: „Bei einem jugendlichen Angeklagten ist eine derart lange U-Haft ungewöhnlich.“ Zudem sei selbst bei einer zu erwartenden Höchststrafe von zehn Jahren inzwischen ein erheblicher Teil der Strafe verbüßt. Bei einem Haftprüfungstermin könnte das Gericht zu dem Ergebnis kommen, dass eine weitere Untersuchungshaft für den Angeklagten nicht begründbar ist, er müsste dann unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt werden.

Am Mittwoch, 19. Juni 2019, wird der Prozess vor dem Cottbuser Landgericht fortgesetzt. „Ob ich dann eine Haftprüfung beantrage, weiß ich noch nicht“, sagt der Anwalt. Auch der Richter könne eine derartige Prüfung einleiten.

Der Angeklagte soll die Cottbuser Renterin (82) im Dezember 2016 in ihrer Wohnung in der Inselstraße ermordet haben. Angehörige, Freunde und frühere Arbeitskollegen nehmen seitdem regen Anteil am Prozessverlauf und hoffen auf ein baldiges Urteil. Verhandlungstermine sind aktuell bis in den Oktober anberaumt.

Bekannte erinnern sich an getötete Rentnerin

Vorwürfe im Mordfall Gerda K.

(hil)