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Jungstörche der Region sammeln sich

Die Jungvögel kommen derzeit in Cliquen zusammen, wie in Gallinchen. Sie bereiten sich auf ihren ersten Flug gen Afrika vor.
Die Jungvögel kommen derzeit in Cliquen zusammen, wie in Gallinchen. Sie bereiten sich auf ihren ersten Flug gen Afrika vor. FOTO: Claudia Jainz
Cottbus. Solch ein Bild hat Martin Wehlan vom Storchenhof Zahsow noch nicht gesehen. Auf seinem Horst drängeln sich bis zu zehn Vögel. pk

"So etwas gab es noch nie", sagt er. Er kann das Schauspiel besonders gut beobachten, ist doch eine Kamera auf das Nest gerichtet, die Livebilder liefert. Bei den Vögeln handelt es sich um Jungstörche, erklärt Wehlan. Sie sammeln sich derzeit und kommen in Cliquen zusammen. "In Zahsow sitzen derzeit 25 bis 30 Störche auf den Dächern", erzählt er.

Der Weißstorchbeauftragte Peter Domke bestätigt. "Es ist jetzt die Zeit, dass die Jungvögel zusammenkommen. Sie üben gemeinsam fliegen und gehen zusammen auf Nahrungssuche", erklärt der Fachmann. Sie trainieren sich Kondition für ihren ersten Flug gen Süden an. Sie brechen eher auf als ihre Eltern. "Die Altvögel ziehen Ende August los. Sie haben die Routine und brauchen nicht so lang wie die Jungvögel."

Der Blick auf die vorläufige Storchenstatistik stimmt Peter Domke traurig. "Es ist das zweischlechteste Storchenjahr nach 2013." Demnach haben die Brutpaare im Altkreis Forst 20 Jungvögel groß gezogen und im Altkreis Cottbus 71. "Es haben einfach nicht genügend Brutpaare Junge großgezogen", sagt er und erklärt: "Das lag insbesondere daran, dass kurz nach ihrer Ankunft im April und Mai das Wetter viel zu trocken war. Deshalb haben viele Paare gar nicht gebrütet."

Martin Wehlan weiß um diesen Umstand. Deshalb sagt er: "Wir haben Glück gehabt. Auf unserem Wildstorchenhorst wurden zwei Junge großgezogen." Er selber vermutet, dass der verstärkte Anbau von Mais in der Gemarkung Kolkwitz ein Grund für das schlechte Storchenjahr ist. "Der Storch geht nicht in den Mais rein", sagt er. Wenigstens in Zahsow sei die Storchenentwicklung stabil. In der gesamten Gemeinde Kolkwitz haben demnach nur zwei Paare Nachwuchs herangezogen.

Die Mehrzahl der Lausitzer Störche fliegt Peter Domke zufolge im Winter über den Bosporus weiter nach Afrika. "Da wir aber keine Beringung vornehmen, können wir das nicht mit 100-prozentiger Sicherheit sagen", erklärt er. Die Ostroute hat allerdings Nachteile gegenüber der Westroute. Einst führte sie über Gibraltar bis nach Afrika. "Aber da die Störche mittlerweile in Spanien genügend Nahrung im Winter finden, bleiben sie dort." So sparen sie 1000 Kilometer Flug und damit Kraft.