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| 02:33 Uhr

Junge Menschen kämpfen für Toleranz

Mit den Passanten im Dialog: Die Reaktionen auf das ungewöhnliche Projekt der Jugendlichen waren überwiegend positiv.
Mit den Passanten im Dialog: Die Reaktionen auf das ungewöhnliche Projekt der Jugendlichen waren überwiegend positiv. FOTO: Theiler
Cottbus. Unter dem Namen "accept yourself" haben sich Cottbuser Schüler zusammengeschlossen, um gegen Mobbing vorzugehen. Verschiedene Aktionen sind geplant. Jenny Theiler

Ein ungewöhnliches Schauspiel bot sich am vergangenen Mittwoch Nachmittag den Passanten auf dem Altmarkt. 26 Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren mit angemalten Gliedmaßen und selbst gebastelten Pappschildern versuchten, mit teils irritierten Cottbusern ins Gespräch zu kommen. Der Grund für die auffallende Aktion ist ein brisantes Anliegen, das die Cottbuser Schüler stark beschäftigt: Mobbing.

Alles begann mit einem selbst gemachten Video, das Annalena Köppe (15) im März in das soziale Netzwerk "Instagram" gestellt hatte. Die Schülerin des Pückler-Gymnasiums verarbeitet in dem kurzen Film ihre eigenen Mobbing-Erfahrungen und versucht gleichzeitig die Netzwerkgemeinschaft auf das sensible Thema aufmerksam zu machen. Über 2600-mal wurde der gerade einmal 58 Sekunden lange Video-Clip angeklickt. Motiviert durch viele positive Kommentare entstand die Idee, öffentliche Projekte zu starten, um die Öffentlichkeit mit dem Thema vertraut zu machen. "Wir wollen in der Stadt etwas bewegen und uns für mehr Toleranz einsetzen. Oft genug wird unterstellt, dass die Jugend in Cottbus nichts tut", sagt die 15-Jährige.

Durch die Schule, Freundeskreise und soziale Netzwerke haben sich mittlerweile 38 Jugendliche zur Gruppe "accept yourself" formiert und am Mittwoch eine erste öffentliche Aktion in der Cottbuser Innenstadt gestartet. Ihr Ziel: Aufmerksamkeit erzeugen.

Um Mobbing vorzubeugen, sei es wichtig, sich selbst als schön zu empfinden, erklären die jungen Initiatoren. Durch Komplimente von anderen Mitmenschen soll die eigene Wahrnehmung gestärkt werden, die eine Grundvoraussetzung für mehr Selbstbewusstsein darstellt. Die Passanten wurden gefragt, was ihnen an zwei jungen Schülerinnen besonders gefällt. Merkmale wie Augen, Haare oder Lächeln wurden anschließend mit rotem Lippenstift auf der Haut der Mädchen fixiert, um ein sichtbares Zeichen auch für die eigene Wertschätzung zu setzen.

Angelehnt an die Gratis-Umarmungen-Kampagne des Australiers Juan Mann, boten jeweils zwei Jugendliche mit verbundenen Augen und einem Schild in den Händen Umarmungen für vorbeilaufende Cottbuser an. Dadurch, dass man völlig fremden Menschen die Arme öffnet, sollen Berührungsängste und Vorurteile überwunden werden. Mit Fremden auf Tuchfühlung zu gehen, empfanden viele Cottbuser als interessante Erfahrung. "Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so leicht fallen könnte, eine fremde Person zu umarmen", erzählt Fabian Goischner (38), der die Aktion der Schüler zunächst skeptisch betrachtete.

Negative oder sogar beleidigende Reaktionen mussten die jungen Aktivisten am Mittwoch ebenfalls hinnehmen. "Als wir an der Spreegalerie standen, wurden wir von einem Anfang 20-Jährigen ausgelacht", berichtet Mareike Storz (15) von der Theodor-Fontane-Gesamtschule, die an diesem Tag knapp 50 Umarmungen gesammelt hatte. Auf die Frage, was denn an den Themen Mobbing und Diskriminierung so lustig sei, konnte der junge Mann jedoch nicht antworten. "Einige haben uns auch unterstellt, wir würden auf diese Art versuchen, Männer aufzureißen", ärgert sich Annalena Köppe über einige spöttische Kommentare.

Dass es den Jugendlichen mit ihrem Projekt um Wahrnehmung, Selbstwertgefühl und Toleranz geht, haben dennoch sehr viele Cottbuser begriffen. "Ich finde es sehr gut, dass die Jugend in Cottbus aktiver wird", lobt Veronika Bläsing die Toleranzaktion. Die Rentnerin hatte zuvor Max Burkhart und Mareike Storz umarmt.

Nach den Ferien plant die eifrige Gruppe, einen Kurzfilm zu drehen, der sich mit dem Thema Homosexualität auseinandersetzen soll.