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Jung geblieben durch die Musik

Immer mittwochs proben die Chormitglieder unter Anleitung von Vera Schmidt.
Immer mittwochs proben die Chormitglieder unter Anleitung von Vera Schmidt. FOTO: Jenny Theiler
Cottbus. Der Cottbuser Frauenchor feiert an diesem Sonntag um 17 Uhr sein 40-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert in der Madlower Martinskirche Musik ist das beste Medikament gegen den Alltagsstress. Sie hält jung, heilt die Seele und macht nebenbei auch noch richtig Spaß. Jenny Theiler

Wer regelmäßig singt - und sei es nur unter der Dusche, im Auto oder im Fahrstuhl - ist nachweislich belastbarer und ausgeglichener. Dieser Umstand ist den insgesamt 34 Damen des Cottbuser Frauenchores seit Jahren bestens bekannt. Im Laufe der vergangenen 40 Jahre haben verschiedene Generationen von Cottbuser Sängerinnen die Musik miteinander geteilt und wurden von Kolleginnen zu Freundinnen.

Im Jahr 1977 teilten dreizehn Lehrerinnen und Erzieherinnen aus Cottbus den Wunsch, gemeinsam zu musizieren. Die damalige Musiklehrerin Margarete Gröschke übernahm die Leitung des neu gegründeten "Pädagogenchors", bis sie Cottbus 1990 verließ. Mittlerweile ist das Singen im ehemaligen Lehrerchor längst nicht mehr nur noch Pädagoginnen vorbehalten, denn seit 1993 vervollständigt Vera Schmidt, als aktuelle Chorleiterin, den Cottbuser Frauenchor. "Singen ist ein Menschenrecht und deswegen sind alle Frauen, die Freude an der Musik haben und gerne singen, bei uns willkommen", erklärt die Vizepräsidentin des brandenburgischen Chorverbandes. Jeden Mittwoch treffen sich Frauen aus fast drei Generationen zur Probe. Mit stolzen 85 Jahren ist Eva-Maria Mitzscherlich nicht nur die älteste Sängerin, sondern seit 2011 Ehrenmitglied des Vereins.

Trotz aller Freude am Musizieren stand den Sangesfreundinnen am 7. Juni die Anspannung ins Gesicht geschrieben, denn es war die letzte Probe vor dem großen Jubiläumskonzert am Sonntag, 11. Juni. Mit auflockernden "Dumdedums" und "Na Na Nees" bereitete Vera Schmidt ihre Sängerinnen auf die Probenschwerpunkte vor. Ob Chorleiter tatsächlich Diktatoren sind, wie es im Kanon "Chorgesang ist Diktatur" behauptet wird, ist fragwürdig. Die hohen Qualitätsansprüche, die Vera Schmidt jedoch an ihre Sängerinnen stellt, sind eine Tatsache. Geduldig akzeptieren die Frauen Unterbrechungen und stetige Wiederholungen ein und derselben Textzeile, bis auch der letzte Ton perfekt sitzt. Mit ihrer unverwechselbar frechen, aber dennoch liebenswerten Art unterstreicht Vera Schmidt die konstruktiven Kritikpunkte des Gesangs, die durch ihr schelmisches Grinsen von den Sängerinnen nie als herablassend aufgefasst werden. So wird, mit teilweise äußerst komödiantischen Gesten, der Sopran angewiesen, lauter zu werden, wohingegen der restliche Chor gebeten wird ein "hellgrünes Gesicht" aufzusetzen, wenn die Frühlingslieder angestimmt werden.

Das Publikum darf sich am Sonntag auf die musikalische Erzählung vielseitiger Geschichten freuen. Besungen werden unter anderem das Frühlingserwachen, Sehnsucht, Liebe und Freundschaft, aber auch geplatzte Hochzeiten und verwöhnte Mädchen, die unbedingt heiraten wollen. Spätestens beim Blick auf einen bulgarischen Choral wird deutlich, dass Musik auch keine sprachlichen Barrieren kennt, denn das Repertoire des Chors ist eine bunt gemischte Exkursion durch drei Jahrhunderte, exotische Genres und verschiedene Nationen, das sich im Laufe der Zeit auf eine stattliche Werksammlung von über 150 Musikstücken ausgedehnt hat. Wer also bei Chorgesang an verstaubte Volkslieder und langweilige Kanons denkt, der irrt. Zudem beweisen die noch immer, erstaunlich jugendlich, klingenden Stimmen der älteren Mitglieder, dass ein flotter Blues oder ein emotionaler Gospel nicht nur die Stimme, sondern auch das Gemüt jung halten.

Bei aller Ernsthaftigkeit innerhalb der Probe kommt der Spaß dennoch nicht zu kurz, denn neben der Musik stehen auch das gemütliche Beisammensein und ausgiebige Plaudereien im Vordergrund. "Ich bin seit vier Jahren Mitglied und nenne sie gern meine zweite Familie", beschreibt Mandy Lehmann (41) die Chorgemeinschaft, was auch Manuela Mietzsch (53) immer wieder gern betont. "Es ist wie ein Balsam für die Seele wenn man einmal pro Woche einfach mal für zwei Stunden den Alltagsärger hinter sich lassen kann", so die Vorstandvorsitzende des Chors.

Neue weibliche Mitglieder jeder Altersstufe sind jeden Mittwoch um 19 Uhr im Café Käthe des Familienhauses herzlich willkommen und dürfen, ohne vorsingen zu müssen, den Frauenchor Cottbus kennenlernen. "Man prüft den Pudding, indem man ihn isst", erklärt Vera Schmidt, denn die Prüfung folgt sowieso immer erst in der Praxis.

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