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| 01:44 Uhr

Jüdische Gemeinde will in die Cottbuser Schlosskirche

Die Schlosskirche. Foto: Hering
Die Schlosskirche. Foto: Hering FOTO: Hering
Cottbus. Die Pläne für ein eigenes Heim der Jüdischen Gemeinde in der Stadt Cottbus werden konkret. So sind jetzt Verhandlungen über den Kauf der Schlosskirche in der Spremberger Straße aufgenommen worden. Von Sven Hering und Stefanie Hanus

"Pläne, eine neue Synagoge in Cottbus zu bauen, gab es schon lange", sagt Max Salomonik, der im Gemeindevorstand sitzt. Ende Juni ging die Jüdische Gemeinde mit dem Wunsch an die Öffentlichkeit, einen Verein für den Neubau der Synagoge zu gründen und Geld zu sammeln.

Dann ging alles ganz schnell. Die Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises habe am Telefon den Vorschlag unterbreitet, die Schlosskirche zu kaufen und als Synagoge zu nutzen, sagt Salomonik. Die Gemeinde zeigte sich im Grundsatz interessiert. Jetzt wird verhandelt.

"Wir hoffen natürlich, dass der Kauf günstiger wird als ein Neubau einer Synagoge", erklärt Salomonik. Über Zahlen und den Zeitrahmen äußern sich beide Seiten derzeit nicht. "Es gibt die Verkaufsabsicht, aber wir wollen uns nicht unter Druck setzen lassen", betont Pfarrer Christoph Polster. Es müssten noch einige Fragen geklärt werden. Ein offener Punkt sind die Fördermittel, die für die Sanierung des Gebäudes gezahlt worden sind. "Wir wollen nicht reich werden, sondern streben eine Vereinbarung an, die für beide Seiten klar ist", erklärt Polster. Aus finanziellen Gründen müsse sich die evangelische Gemeinde jedenfalls nicht vom Gotteshaus trennen. "Wir haben für die Schlosskirche einen ausgeglichenen Haushalt, die Kosten wurden bisher durch die Einnahmen aus den Gebühren für Veranstaltungen gedeckt."

Aus Sicht der Jüdischen Gemeinde sprechen mehrere Fakten für die Schlosskirche. So sei ein Vorteil, dass die hugenottische Architektur wenig christliche Symbolik aufweise, sagt Max Salomonik. Eine Umwidmung sei mit geringem Aufwand möglich. Zudem liegt die Schlosskirche nicht weit entfernt vom Standort der einstigen Synagoge. Außerdem böte die Schlosskirche genügend Platz, um auch größere Feste wie Chanukka zu veranstalten. Bisher mussten dafür Räume angemietet werden.

Die Cottbuser Jüdische Gemeinde zählt derzeit etwa 300 Mitglieder. In einer vor wenigen Tagen unterzeichneten Vereinbarung bekennt sich die Stadt zu ihrer Verantwortung bei der Entwicklung jüdischen Lebens. Die Gemeinde will ihrerseits das gesellschaftliche Leben bereichern.